Im Kreis Soest brannten hunderte Strohballen, Felder, eine Scheune.
Bildquelle: Freiwillige Feuerwehr Lippetal, Max LametzGeständnisse : Mutmaßliche Brandstifter von Rüthen waren in der Feuerwehr
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Nach der Festnahme von drei jungen Männern in Rüthen wird jetzt bekannt: Zwei von ihnen waren nach WDR-Informationen Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr. Sie sollen für 17 Brandstiftungen verantwortlich sein. Teilweise haben sie gestanden.
Die drei Männer stehen im Verdacht, zwischen April 2025 und August 2026 mehrere Feuer gelegt zu haben. Sie sollen Strohballen, Felder, Scheunen und zuletzt ein Waldstück in Rüthen angezündet haben. Das wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor.
Mutmaßlicher Brandstifter wollte beim Löschen helfen
Nachdem die Polizei in den vergangenen Wochen intensiv fahndete und eine spezielle Ermittlungskommission eingerichtet hatte, gerieten die drei jungen Männer (19, 20 und 29 Jahre) in den Blick.
Brennende Scheune bei Lippetal - möglicherweise angesteckt von den jetzt festgenommenen Männern.
Bildquelle: Freiwillige Feuerwehr Lippetal, Max LametzNach dem Feuer auf einer Waldfläche wurden sie Freitagabend festgenommen - einer von ihnen noch am Feuerwehrhaus. Die Staatsanwaltschaft Arnsberg bestätigte dem WDR, dass dieser junge Mann Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr war. Er wollte offenbar beim Löschen des Brandes helfen, den er selber mitgelegt haben soll.
Zweiter Mann war schon aus Feuerwehr ausgeschlossen worden
Ein zweiter war nach WDR-Informationen früher ebenfalls in der Feuerwehr, wurde aber rausgeworfen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es derzeit nicht. Für alle drei Männer gilt die Unschuldsvermutung.
Ralf Fischer ist Dozent am Institut der Feuerwehr NRW, selber in der Feuerwehr in Schmallenberg und Richter am Amtsgericht Arnsberg. Zu dem Rüthener Fall will er nichts sagen. Grundsätzlich aber weiß er: "Es ist leider nicht so selten, dass Brandstifter zur Feuerwehr gehen."
"Wer eine Neigung zum Brandstifter hat, der geht nicht in einen Gesangverein. Der geht in die Feuerwehr. Er findet dort, was er sucht." Ralf Fischer, Dozent am Institut der Feuerwehr NRW
Ralf Fischer hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Frage beschäftigt, warum immer wieder Feuerwehrleute als Brandstifter überführt werden. Seine Überzeugung: Oft ist es Geltungsdrang, die Suche nach Anerkennung.
Und: "In den meisten Fällen ist solch ein Brandstifter unter 25 Jahre alt, ist erst wenige Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr, hat Minderwertigkeitsgefühle und zeigt Übereifer in der Feuerwehr."
Wichtig ist die Prävention
Immer wieder hätte sich in der Vergangenheit gezeigt, dass, wenn solche Symptome zusammenkommen, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass jemand zum Brandstifter wird - aber nicht umgekehrt. Die allerwenigsten engagierten jungen Männer werden Brandstifter.
Wichtig sei deshalb die Prävention. Schon jetzt führen die Wehrführer mit Bewerbern für die Feuerwehr intensive Aufnahmegespräche. Sie können Polizeiliche Führungszeugnisse anfordern.
Die Feuerwehrleute haben die meiste Wut auf Brandstifter
Allerdings, kritisiert Fischer, stehe in solchen Zeugnissen nicht alles drin - Datenschutz. "Bei jungen Leuten sind Vergehen erst ab einem Jahr Jugendstrafe dort vermerkt. Wenn aber einer 20 Mülltonnen angesteckt hat, dann war das eine Sachbeschädigung, und die ist da oft gar nicht vermerkt."
Eines aber müsse trotz der Festnahmen in Rüthen klar sein: Die allermeisten Feuerwehrleute leisten grundsätzlich und gerade bei den Waldbränden der letzten Tage eine herausragende Arbeit. Und, sagt Fischer: "Die Leute, die die meiste Wut auf Brandstifter haben, sind Feuerwehrleute."
Unsere Quellen:
- Recherchen des WDR-Reporters
- Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Arnsberg und der Kreispolizeibehörde Soest
- Gespräch mit Ralf Fischer, Dozent am Institut der Feuerwehr NRW
Sendung: WDR.de, Mutmaßliche Brandstifter von Rüthen waren in der Feuerwehr, 18.08.2026, 15:41 Uhr
