Die Schützenhalle in Lipperode
Bildquelle: WDRBaugenehmigung fehlt : Lipperoder Schützen dürfen Halle nicht mehr nutzen
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Im kleinen Dorf Lipperode bei Lippstadt gibt es seit Jahrzehnten Streit um die Schützenhalle. Anwohner beschwerten sich über Lärm. In dem Verfahren kam heraus: In den Archiven gibt es keine Baugenehmigung für den Bau aus dem Jahr 1908.
Der Schützenvorstand und fast alle im Dorf sind entsetzt: Die Schützenhalle und der Vorplatz in Lippstadt-Lipperode dürfen nicht mehr genutzt werden. Ab sofort. Das hat das Oberverwaltungsgericht NRW entschieden und damit einer Entscheidung des Arnsberger Verwaltungsgerichtes entsprochen.
"Das trifft uns sehr hart"
"Das trifft uns sehr hart", sagt Schützenoberst Jürgen Dewerth dazu dem WDR. Eine Anwohner-Familie hatte vor Gericht verlangt, dass die Stadt Lippstadt gegen den Lärm vorgeht und gegen die Schützen einschreitet. Damit hat sie Recht bekommen.
Das Urteil hat zur Folge, dass die Stadt Lippstadt die Nutzung der Halle verbieten muss. Entsprechend glühen die Telefondrähte zwischen dem Schützenvorstand und der Stadt.
Erste Feier sofort abgesagt
Schützenchef Dewerth ist gerade im Urlaub, telefoniert aus den Bergen mit seiner Heimatstadt. Die erste Folge: Eine Party der dritten Kompanie Ende September wird gerade abgesagt. "Das Ganze ist für uns natürlich schlimm. Wir haben eine Halle und dürfen sie nicht nutzen".
Jahrelanger Streit mit einer Nachbar-Familie
Hintergrund ist ein jahrelanger Streit mit der Anwohner-Familie. Es geht um Lärm. Über Jahrzehnte ist immer wieder nach Lösungen gesucht worden. Die Nutzung der Halle wurde auf wenige Termine im Monat beschränkt, eine Lärmampel wurde eingebaut. Sobald die rot zeigte, musste die Musik leiser gestellt werden.
Solche Feiern wird es vorerst in der Schützenhalle in Lipperode nicht mehr geben.
Bildquelle: WDRLetztendlich hat das alles nicht gereicht. Die Richter haben sich dabei mit den meisten Details gar nicht auseinandergesetzt. Die fehlende Baugenehmigung sorgt für den Richterspruch: "Keine Baugenehmigung, keine Feiern", so lässt sich die Begründung der Gerichte zusammenfassen.
"Jetzt ist die Stadt am Zug - die Nutzung der Schützenhalle und des Vorplatzes ist baurechtlich nicht zulässig", sagt eine Gerichtssprecherin dem WDR.
Fassungslosigkeit bei den Lipperoder Schützen
Die Schützen sagen: Es gibt Dokumente über die Schützenhalle.
Bildquelle: WDRFür die Schützen und für viele in dem Dorf bei Lippstadt ist das alles nicht nachzuvollziehen. "Ich habe die Begründung erst überflogen. Das wirkt alles sehr oberflächlich. Es hat ja nicht einmal eine richtige Verhandlung gegeben". Außerdem gebe es eine Genehmigung für einen Hallenanbau aus dem Jahr 1974 - darin seien auch die alten Hallenteile eingezeichnet.
Schützen wollen weiter kämpfen
Aufgeben wollen die Schützen nicht. Mit der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes ist eine kurzfristige Nutzung der Halle aber in weite Ferne gerückt.
Ob der Traditionsverein auf dem Gelände mitten im Dorf noch einmal sein großes Schützenfest feiern darf oder ob andere Vereine die Räume in Zukunft noch nutzen dürfen? Die Richter haben den Weg für weitere Kompromisse deutlich enger gemacht.
Unsere Quellen:
- Sprecherin des OVG Münster
- Schützenverein Lipperode
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Sauerland, Siegerland und Südwestfalen, 21.08.2026, 13:30 Uhr