Pferde im Schützenfestzug: Noch zeitgemäß?

Aktuelle Stunde 08.07.2026 09:35 Min. UT Verfügbar bis 08.07.2028 WDR Von Claudia Roelvinck, Frank Strohdiek

Schützenfest in Iserlohn Pferde im Umzug: Tierquälerei oder Tradition?

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Es ist der feierliche Höhepunkt des Schützenfestes in Iserlohn: Geschmückte Kutschen, herausgeputzte Pferde und Musikgruppen ziehen durch die Innenstadt hinauf zum Festplatz, umjubelt von Hunderten Menschen am Wegesrand. Doch offenbar gibt es immer mehr Zweifel, ob das noch in die heutige Zeit passt.

Noch eine Stunde bis zum Festzug. Etwa 30 Pferde stehen auf einem Platz am Rand der Stadt Iserlohn, bekommen ihre Geschirre umgelegt und werden nach und nach vor die Kutschen geführt.

Die Tiere gehören zum Reiterhof Noelle. Chef Dieter Noelle lebt davon, sie für Hochzeitskutschen, Rosenmontagsumzüge und Schützenfeste zu vermieten. An diesem Tag sollen sie etwa 40 Minuten lang durch die Innenstadt laufen, teils mit Reiter auf dem Rücken, teils vor Kutschen.

"Wenn man überlegt, was Pferde früher leisten mussten in der Landwirtschaft, ist das ja heute keine Arbeit, was die machen." Dieter Noelle, Pferdebesitzer

Bevor die Pferde gesattelt und angespannt werden, wirft Tierärztin Jana Salmen aus Siegen einen Blick auf die Pferde. Sie kontrolliert, wie ruhig sie sind, ob sie wunde Stellen am Maul haben oder dort, wo das Pferdegeschirr angelegt wird. Sie wird den Umzug begleiten. Immer mit dabei: ihre Arzttasche mit Notfallmedikamenten. "Wir können jederzeit die Pferde aus dem Zug herausnehmen und vor Ort intensive Betreuung leisten", sagt die Tierärztin.

Frau steht neben einem Pferd

Tierärztin Jana Salmen untersucht die Pferde vor ihrem Einsatz

Tierschützer fordern: Keine Tiere in Umzügen

Der Tierschutzverein in Iserlohn fordert seit Jahren schon, keine Tiere mehr in Umzügen einzusetzen. Der Lärm, die vielen Menschen, die ungewohnte Umgebung seien zu viel Stress für die sensiblen Pferde. Da helfe es auch nicht, dass eine Tierärztin den Festzug begleitet. Auch die deutschlandweit aktive Tierschutzorganisation PETA äußert sich auf Anfrage des WDR:

"Auch vorherige Gesundheitsuntersuchungen konnten die Pferde nicht vor dem Tod retten. Glücklicherweise denken immer mehr fortschrittliche Veranstalter um und ersparen den Tieren die Tortur." PETA Deutschland e.V.

Tatsächlich gab es erst im vergangenen Jahr Fälle, bei denen Pferde während eines Festumzugs zusammengebrochen sind. Etwa in Warendorf und Harsewinkel. Vereine in verschiedenen Städten haben bereits beschlossen, keine Pferde mehr einzusetzen, egal ob auf der Kirmes, beim Martinsumzug oder eben in Schützenfesten.

Auch bei den Menschen, die in Iserlohn den Weg des Schützenfestes säumen, finden wir nur wenige, für die Pferde und Kutschen unbedingt dazugehören. Sie seien zwar schön anzusehen, aber nicht zwingend erforderlich, so der Tenor. Eine Besucherin formuliert es so: "Wer das Schützenfest liebt, kann im Umzug einfach selbst laufen."

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Dieter Noelle, Pferdebesitzer
  • Jana Salmen, Tierärztin
  • Tierschutzorganisation PETA

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 08.07.2026, 18.45 Uhr

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