Darüber haben Waldbauern aus ganz Nordrhein-Westfalen gesprochen. Beim Waldbauerntag in der Werler Stadthalle haben der Waldbauernverband und Klimaforscher Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber heute für eine aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung als Lösungsansatz gegen die Klimakrise geworben.
Die Waldbauern wollen den Klimawandel bremsen, sie fordern Politik und Gesellschaft auf, die aktive Bewirtschaftung der Wälder als wesentlichen Bestandteil des Klimaschutzes stärker zu unterstützen. Der Großteil des Waldes in NRW ist Privatwald. In den Jahren 2018 bis 2022 sind gut 60% der Fichten verloren gegangen, vor allem durch den Borkenkäfer.
WDR: Herr Prof. Dr. Schellnhuber, was haben sie den hiesigen Waldbauern heute mit auf den Weg gegeben?
Prof. Dr. Schellnhuber: Um einen Klimawandel zu vermeiden, der uns alle ins Elend stürzen würde, muss die Waldwirtschaft zur entscheidenden Lösung beitragen. Das geht indem mit Holz, mit nachwachsenden Rohstoffen gebaut wird. Wenn nachhaltige Waldwirtschaft mit regionaler Architektur zusammen kommt, dann können wir die Atmosphäre in einen Zustand zurück bringen, wie er eben vor 50 Jahren herrschte. Wir können das Schlimmste des Klimawandels vermeiden.
WDR: Heißt konkret, dass die Waldbauern in NRW ihre Wälder durchforsten müssen?
Prof. Dr. Schellnhuber: Es geht immer um Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage würde aus der Bauwirtschaft kommen, daran müssen wir arbeiten, sodass sie nachwachsende Rohstoffe für ihre Bauvorhaben nutzen wollen. Auf der anderen Seite das Angebot. Wenn ich sehe, dass in NRW über 100.000 Hektar Wald brach liegen, die durch den Borkenkäfer geschädigt wurden, dann müssen wir die Waldbauern ermutigen ihre Flächen aktiv zu bewirtschaften.
Prof. Dr. Hans Joachim Schellenhuber
Bildquelle: WDR / Johanna MarmullaWDR: Für viele Menschen klingt es zunächst widersprüchlich: Warum sollte es dem Klima helfen, Bäume zu fällen um damit Häuser zu bauen?
Prof. Dr. Schellnhuber: Ein Baum wächst rund hundert Jahre und nur solange er wächst, nimmt er CO₂ aus der Atmosphäre über die Fotosynthese auf und so entsteht Biomasse. Stirbt der Baum irgendwann und zersetzt sich, dann wird all das schöne CO₂ wieder freigesetzt. An sich ist das nicht schlimm, sondern klimaneutral. Wenn man den Baum allerdings vorher erntet und daraus Baustoffe macht und ein Haus baut, was rund 200 - 500 Jahre hält, dann wird so eine Kohlenstoffsenke erschaffen und mehr gebunden als freigesetzt.
WDR: Gerade hier in Südwestfalen sind die Schäden durch Dürre, Stürme und den Borkenkäfer ja enorm. Ist das aus Ihrer Sicht vor allem eine Katastrophe – oder auch eine Chance, unsere Wälder jetzt fit für die Zukunft zu machen?
Prof. Dr. Schellnhuber: Unter den dynamischen Klimabedingungen, die wir haben, wird der Fichtenwald sowieso nicht überleben. Wir müssen uns auf neue Arten einstellen und wir müssen mit Hilfe der Wissenschaft die optimalen Zusammensetzungen für die Wälder finden und da ist es gut, wenn man zum Teil bei null startet. Vielleicht werden wir irgendwann dem Borkenkäfer doch noch ein "Danke" ausrichten.
WDR: Und was können wir als Einzelne tun um einen Teil zum Klimaschutz beizutragen?
Volles Haus beim Waldbauerntag in Werl
Bildquelle: WDR / Johanna MarmullaProf. Dr. Schellnhuber: Es geht um die Nutzung und die aktive Gestaltung des Waldes - das ist die beste Garantie, dass dieses Ökosystem erhalten bleibt. Erfreuen sie sich also daran, gehen sie spazieren im Wald und atmen sie die frische Luft ein, wie in einem schönen Garten.
Über Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber:
Er zählt zu den international renommiertesten Physikern und Klimaforschern. 1991 gründete er das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Er ist Gründer von Bauhaus Earth und beschäftigt sich intensiv mit der Transformation der gebauten Umwelt und dem Potenzial regenerativer Architektur.
Das Interview wurde geführt von WDR-Reporterin Johanna Marmulla.
Unsere Quellen:
- Interview mit Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hans Joachim Schellnhuber, Generaldirektor IIASA
- Waldbauernverband NRW e.V.
Sendung: WDR.de, Klimarettung durch Waldbewirtschaftung, 15.09.2026, 20:25 Uhr