Die Schützen in Werl zeigen Flagge.
Bildquelle: St. Sebastianus Schützenbruderschaft Werl e.V. von 1494Nach Verbot der Hallennutzung in Lipperode : Schützenfahnen als Protest
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Der Ärger bei Schützen im ganzen Land ist groß: Im Lärm-Streit mit einer Nachbarin kam heraus, dass es für die Halle in Lipperode aus dem Jahr 1908 keine Baugenehmigung gibt. Deshalb entschieden Richter, dass die Stadt Lippstadt die Nutzung untersagen muss. Schützenvereine und Bruderschaften reagieren entstetzt. Die ersten beteiligen sich schon an einer Protestaktion.
In Werl, eine halbe Autostunde von Lippstadt-Lipperode entfernt, haben die Schützen sofort reagiert. Noch vor dem Stichtag heute haben sie gleich zwei weiß-grüne Fahne gehisst, um deutlich zu zeigen, was sie vom Richterspruch aus Münster halten: gar nichts.
Werl und Störmede aus dem Kreis Soest gehören zu den ersten, Neubeckum aus dem Nachbarkeis Warendorf ist dabei. In Lipperode selbst hängen an mehreren Dutzend Häusern die Schützenfahnen.
Genau das ist die Intention des Schützenvereins Lipperode. "Das Hallennutzungsverbot trifft ja nicht nur die Schützen, davon ist das ganze Dorf betroffen", erklärt Ortsvorsteher Ingmar Krinke im WDR-Gespräch.
Schützenhalle darf nicht genutzt werden: Etliche Vereine betroffen
Die Jugendfeuerwehr übt auf der großen Wiesen vor der Halle. Seniorentreff oder Versammlungen anderer Vereine finden - oder besser fanden - in der über 100 Jahre alten Halle statt. Die schriftliche Nutzungs-Untersagung von der Stadt Lippstadt wird in den kommenden Tagen erwartet.
"Wir wissen im Moment nicht einmal, ob wir hier noch Rasen mähen dürfen." Ingmar Krinke, Ortsvorsteher
Die Schützenhalle in Lipperode
Bildquelle: WDRParallel laufen Verhandlungen mit dem Bauamt der Stadt. Möglichst schnell soll eine neue Baugenehmigung regeln, wie und vor allem wann die Halle genutzt werden kann.
"Zwölfmal im Jahr muss doch möglich sein!"
"Wir möchten die Halle zwölfmal abends nutzen, das muss doch möglich sein", sagt dazu Schützenoberst Jürgen Dewerth. Um der Öffentlichkeit zu zeigen, welche Bedeutung so eine Entscheidung hat, ruft der Schützenverein Lipperode andere Vereine und Bruderschaften auf, ab heute eine Woche lang die Fahnen zu hissen.
Die Idee dahinter: Viele dürften sich fragen, was es damit auf sich hat und so auf die Lipperoder Geschichte stoßen. Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. In den sozialen Netzwerken werden schnell erste Fotos und Videos mit weiß-grünen, weiß-roten und gelb-roten Fahnen veröffentlicht.
Die ersten Protest-Fahnen hängen schon
Die ersten Fahnen im Umkreis hängen schon, eine WDR-Umfrage bei verschiedenen Vereinen zeigt aber auch, dass nicht alle mitmachen. Einige wollen das Thema gar nicht so hoch hängen. "Unsere Halle ist auch alt, ob wir eine Baugenehmigung im Archiv finden, wissen wir gar nicht", sagt ein Schützenchef, der natürlich nicht genannt werden möchte.
Dass, was die Lipperoder ein Jahr vor ihrem großen 150-Jahre-Jubelfest gerade erleben, möchte niemand mitmachen.
Unsere Quellen:
- Schützenverein Lipperode
- andere Schützenvereine in Soest und Werl
- Stadt Lippstadt
- Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster
- Rechtsanwalt der Klägerin
- WDR-Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, Schützenfahnen als Protest, 11.09.2026, 12:15 Uhr
