"Jetzt kann ich was zurückgeben."

Bildquelle: WDR / Claudia Roelvnick

WDR 3 Min. 21 Sek. Verfügbar bis 28.08.2028

Nach 20 Jahren Langzeitarbeitsloser hat wieder einen Job

Stand:

20 Jahre war Christian Quednau arbeitslos. Die Suche nach einem Job machte ihn krank. Und sie sorgte dafür, dass er nicht mehr wusste, wie man mit Kollegen spricht oder im Kopf rechnet.

Von
Claudia Roelvinck
Claudia Roelvinck
und Alina Höngen

Christian Quednau sitzt am Schreibtisch in seinem Büro bei der Stadt Hemer. Er ist endlich wieder glücklich. 20 Jahre lang war er arbeitslos. Wieder einen Job zu haben, bedeutet ihm alles. "Man ist wieder was. Man fühlt sich wertvoll", sagt der 46-Jährige.

Unverschuldet in die Arbeitslosigkeit gerutscht

Das war nicht immer so. Christian Quednaus Karriere startet ordentlich. Er macht seinen Realschulabschluss und das Fachabitur. Danach arbeitet er bei einer Spedition. Als die irgendwann schließt, verliert Christian Quednau seinen Job. Ein langer Leidensweg beginnt.

Christian Quednau

Christian Quednau war 20 Jahre arbeitslos.

Bildquelle: WDR / Claudia Roelvinck

Erfolglose Jobsuche sorgt für Depressionen und Burnout

Denn Christian Quednau findet keine neue Anstellung. Er rutscht von einer Arbeitsmaßnahme in die nächste. Wenn er irgendwo anfängt zu arbeiten, ist spätestens nach einem Jahr wieder Schluss. Das nagt an seinem Selbstbewusstsein. Christian Quednau wird krank. Er bekommt Depressionen und Burnout.

"Das war ein Loch, wo man sich fragt: Warum lebe ich überhaupt? Hat das noch alles einen Sinn? Ich gehe allen anderen nur auf die Nerven. Ich koste nur Geld. Ich bringe nichts." Christian Quednau

Angst vor Sozialkontakten

Bei der Stadt Hemer bekommt Christian Quednau vor sechs Jahren eine neue Chance. Er fängt beim Ordnungsamt an und macht eine Verwaltungsnachschulung. Ein Coach fördert und begleitet ihn. "Das war der erste Arbeitgeber, der mich übernommen hat", erzählt er. Mittlerweile hat Christian Quednau eine unbefristete Stelle.

Christian Quednau und ein Mitarbeiter bei den Dienstfahrrädern

Bei der Stadt Hemer kümmert sich Christian Quednau um die Dienstfahrräder.

Bildquelle: WDR / Claudia Roelvinck

Aber der Start in den neuen Job war schwer. Denn durch die lange Zeit der Arbeitslosigkeit hat Christian Quednau vieles verlernt. Bei der Stadt Hemer gibt man ihm aber Zeit, in Ruhe anzukommen.

"Kopfrechnen konnte man nicht mehr. Sich mit den Leuten unterhalten, konnte man nicht mehr. Das hat man irgendwie alles verlernt." Christian Quednau

Je länger arbeitslos, desto schwerer Berufseinstieg

So wie Christian Quednau geht es auch anderen Langzeitarbeitslosen. Das zeigt auch eine Studie des Evangelischen Fachverbandes für Arbeit und soziale Integration, der Zeppelin Universität Friedrichshafen und der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Darin wurde untersucht, wie sich Langzeitarbeitslosigkeit auf die Betroffenen auswirkt.

In der Studie heißt es: "Die Betroffenen haben Angst davor, auf dem ersten Arbeitsmarkt niemals wieder bestehen zu können." Viele Langzeitarbeitslose seien verunsichert und würden sich für ihre Situation schämen. Außerdem führe langjährige Arbeitslosigkeit oft zu Isolation.

In NRW waren im August 327.550 Menschen langzeitarbeitslos. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Das heißt, sie haben seit mindestens einem Jahr keinen Job.

Leben hat wieder einen Sinn

Christian Quednau hat es aus der Abwärtsspirale heraus geschafft. Er ist angekommen in seinem Job und hat seine Ängste überwunden. Heute ist er rundum zufrieden mit seinem Job. "Ich konnte mir nicht vorstellen, was mich erwartet beim Ordnungsamt. Aber dass das so viel Spaß macht. Das macht mich glücklich."

"Ich stehe morgens auf und habe wirklich eine Aufgabe. Ich darf zur Arbeit gehen." Christian Quednau
Eine Postelle

Der Arbeitsplatz von Christian Quednau

Bildquelle: WDR / Claudia Roelvinck

Durch den Job kann Christian Quednau endlich wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. "Vorher habe ich nur von der Allgemeinheit gelebt, von Hartz IV und Arbeitslosengeld. Jetzt kann ich was zurückgeben", erzählt er. Das fühlt sich für ihn ganz besonders an.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Christian Quednau
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Evangelischer Fachverband für Arbeit und soziale Integration

Sendung: WDR.de, "Jetzt kann ich was zurückgeben.", 28.08.2026, 15:41 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Märkischen Kreis

1 / 2