Social Media Verbot: Expertenkommission macht Vorschläge
Aktuelle Stunde . 24.06.2026. 29:36 Min.. UT. Verfügbar bis 24.06.2028. WDR. Von Alexa Schulz.
Schon länger sehen Fachleute für Kinder und Jugendliche große Gefahren im Netz: Fake News, Deepfakes, emotionale Abhängigkeit von Chatbots, verzerrte Schönheitsideale, gefährliche Gesundheitstrends und Cybermobbing.
Mindestalter für KI-Chatbots
KI-Chatbots wie der populäre Dienst "ChatGPT" wären von der Altersgrenze betroffen
Eine Experten-Kommission hat der Bundesregierung deshalb jetzt Vorschläge gemacht, wie ein sicher Umgang mit Social-Media aussehen könnte. Sie empfiehlt zum Beispiel, dass es für KI-Chat-Bots ein Mindestalter von 13 Jahren geben sollte. Grund ist, dass Kinder und Jugendliche von den Bots schnell abhängig werden könnten.
Plattformen sollen Alter prüfen
Die Kommission sagt auch: Ein Mindestalter generell für die Nutzung von Social-Media-Plattformen könnte sinnvoll sein - legt sich dabei aber nicht genau fest. Möglich wäre zum Beispiel, nur bestimmte Funktionen für Jüngere einzuschränken. Außerdem müssten Anbieter verpflichtet werden, das Alter der Nutzerinnen und Nutzer zuverlässig zu prüfen.
Vorschlag: "KI-Seepferdchen" für Grundschüler
Die Empfehlungen richten sich aber nicht nur an Politik und Plattformen, sondern auch an Eltern, Kitas, Schulen, die Kinder- und Jugendhilfe, Mediziner, Forschung und Beschwerdestellen. Vorgesehen sind:
- mehr Beratungsangebote
- mehr Medienbildung
- mehr Hilfen für Kinder und Jugendliche
- bessere Beschwerdemöglichkeiten für Minderjährige
Vorgeschlagen wird unter anderem ein "KI-Seepferdchen" für Kinder im Grundschulalter. An Schulen soll die private Nutzung von Smartphones, Smartwatches und anderen digitalen Endgeräten bis einschließlich zur siebten Klasse bundesweit einheitlich verboten werden.
Familienministerin Prien für Altersgrenze ab 13
Karin Prien, Bundesfamilienministerin, ist für ein Verbot bis 13 Jahre
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will soziale Medien grundsätzlich erst ab 13 Jahren erlauben. Sollte eine europäische Lösung nicht schnell genug kommen, müsse Deutschland notfalls selbst handeln, sagte die CDU-Politikerin. Prien kündigte noch für dieses Jahr Gesetzentwürfe an. Parallel dazu solle weiter an einer gemeinsamen Lösung auf europäischer Ebene gearbeitet werden. Bis September könnte die da sein.
Die Debatte über Altersgrenzen und Verbote ist seit Monaten umstritten. So hatte sich der Deutsche Ethikrat bereits für ein Handyverbot an Schulen ausgesprochen, lehnt aber ein Social-Media-Verbot ab. Auch die Bundesschüler*innenkonferenz, Interessenvertreter von Schülerinnen und Schülern, setzt eher auf mehr Medienkompetenz in den Schulen als auf pauschale Verbote.
Verbraucherschützer fordern ebenfalls, Plattformen sicherer zu machen, statt Minderjährige von digitaler Teilhabe auszuschließen. In Umfragen findet ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter jedoch durchaus Zustimmung in der Bevölkerung.
Auch Kinder und Jugendliche für strengere Regeln
An den Empfehlungen der Experten-Kommission haben unter anderem Medien- und Bildungsforscher und mitgearbeitet. Auch Kinder und Jugendliche wurden in Workshops beteiligt. Viele von ihnen sind für strengere Regeln, vor allem wenn es um jüngere Altersgruppen geht.
Schülerin Hannah Steinberg aus Wuppertal
Oft fühlen sie sich aber auch fit im Umgang mit Social Media, so wie die 13-jährige Hannah Steinberg aus Wuppertal. "Meistens habe ich mich unter Kontrolle und kann mein Handy auch weglegen, wenn ich etwas anderes machen möchte", sagt die Siebtklässlerin im Interview mit dem WDR. Sie habe sich selbst auf dem Handy spezielle Zeiten eingerichtet, sodass eine App zum Beispiel nach einer halben Stunde ausgehe, "damit ich da nicht so drin gefangen bin".
Mehr Tipps, um ihren Social-Media-Konsum noch besser kontrollieren zu können wünscht, sich Hannah aber nicht. "Das geht schon so, ich weiß, was man beachten muss".
So reagieren Schulen in NRW
In NRW laufen bereits eigene Schul-Projekte zum Umgang mit Social Media, die einen bewussteren und sichereren Umgang vermitteln sollen. So sehen diese aus:
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen KNA/EPD/DPA
- Bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, So sollen Kinder im Netz besser geschützt werden, 24.06.2026, 18:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 24.06.2026, 18:45 Uhr