Wie können Autofahrer bei den Spritpreisen entlastet werden? | WDR aktuell
Bildquelle: dpa/ Felix KönigWDR. 1 Min. 51 Sek.. Verfügbar bis 15.09.2028.
Die Spritpreise in Deutschland haben ein Rekordniveau erreicht. Laut ADAC kostete der Liter Super E10 am Sonntag im Durchschnitt 2,27 Euro - ein neuer Höchstwert. Die Politik diskutiert nun darüber, wie die Bürgerinnen und Bürger entlastet werden könnten.
Was plant die Bundesregierung?
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte am Dienstag Entlastungen bei den Spritpreisen an. Beim Unternehmertag des Handelsverbands BGA in Berlin sagte Merz, er sei der Meinung, "dass wir handeln müssen". Welche Entlastungen genau geplant sind, sagte er nicht.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte am Montag staatliche Direktzahlungen an Geringverdiener ins Spiel gebracht. "Dies wäre eine Möglichkeit, schnell zu entlasten, aber dies gezielt zu tun", sagte sie bei RTL/ntv.
Ob die Direktzahlungen tatsächlich kommen, hat die Bundesregierung aber noch nicht entschieden. Außerdem ist unklar, bis zu welchem Einkommen eine Person als Geringverdiener zählt.
Wie würde die Direktzahlung zu den Bürgern kommen?
Direktzahlungen wurden schon während der Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 diskutiert. Damals waren sie aber technisch nicht umsetzbar. In der Zwischenzeit wurde ein Mechanismus entwickelt, über den das möglich sein soll. "Ein entsprechendes Tool liegt vor", sagt Bundeswirtschaftsministerin Reiche.
Laut Bundesfinanzministerium hat der Staat aber nur von ungefähr 19 Prozent der steuerpflichtigen Personen die notwendigen IBAN-Nummern. "Das heißt, da müsste noch einiges passieren, um wirklich an alle Bürgerinnen und Bürger, an alle Steuerpflichtigen, eine solche Leistung auszahlen zu können", heißt es aus dem Bundesfinanzministerium.
Warum senkt die Bundesregierung stattdessen nicht einfach die Spritpreise?
Direktzahlungen gelten als zielgenaue Möglichkeit, Menschen zu entlasten, die tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind. Eine generelle Senkung der Spritpreise würde hingegen auch Menschen mit hohen Einkommen zugutekommen.
Reichere Menschen fahren in der Regel größere Autos und haben dadurch einen höheren Spritverbrauch, so das Argument vieler Wirtschaftswissenschaftler. Dadurch würden einkommensstarke Haushalte von niedrigeren Spritpreisen sogar überproportional stark profitieren, während ärmere Menschen häufig überhaupt kein Auto haben.
Einen Tankrabatt, wie es ihn im Mai und Juni gegeben hat, lehnt Bundeswirtschaftsministerin Reiche ab. Die finanziellen Spielräume dafür seien nicht da.
Wie teuer ist der Sprit in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern?
Innerhalb der EU hat Deutschland die dritthöchsten Preise für Super und die vierthöchsten Preise für Diesel. Das zeigt ein Vergleich des Statistischen Bundesamts (Stand 07.09.2026). Demnach war der Liter Super nur in Dänemark (2,63 Euro) und den Niederlanden (2,47 Euro) teurer als in Deutschland (2,33 Euro im Tagesdurchschnitt für einen Liter Super E5).
Hier seht ihr den tagesaktuellen mittleren Preis für E5, E10 und Diesel in NRW:
Im Nachbarland Belgien lag der Preis bei 1,94 Euro pro Liter, in Luxemburg bei 1,87 Euro. EU-weit am günstigsten war der Liter Super in Malta mit 1,34 Euro.
Warum sind die Spritpreise in Deutschland so hoch?
Der Hauptgrund dafür sind Steuern und Abgaben. Laut ADAC machen diese häufig mehr als die Hälfte des Gesamtpreises aus.
Je höher der Spritpreis ist, umso geringer fällt der Anteil der Steuern und Abgaben allerdings aus. Das liegt daran, dass die Energiesteuer und die CO2-Abgabe nicht prozentual erhoben werden, sondern einen fixen Betrag pro Liter darstellen. Die Mehrwertsteuer liegt hingegen bei 19 Prozent. Wenn der Preis steigt, zahlen Autofahrer also pro Liter mehr Geld an den Staat.
Ein weiterer Grund für die vergleichsweise hohen Preise in Deutschland könnten sogenannte Übergewinne sein, die möglicherweise von den Mineralölkonzernen eingefahren werden. Ob deren Preisgestaltung rechtmäßig ist, wird derzeit durch das Bundeskartellamt geprüft.
Unsere Quellen:
- Statistisches Bundesamt
- Nachrichtenagentur dpa
- ADAC
- Interview von Bundeswirtschaftsministerin Reiche bei RTL/ntv
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 15.09.2026, 12:45 Uhr
Sendung: WDR 5, WDR aktuell, 15.09.2026, 6 Uhr