Ein halb graues und halb verglastes modernes Gebäude, davor ein Schild mit der Aufschrift "Oberlandesgericht Generalstaatsanwaltschaft".

Oft illegal gefilmt, aber hilfreich Ermittler profitieren von Tierschützer-Videos

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Die Zentralstelle für Umweltkriminalität in Dortmund ermittelt NRW-weit bei Tierquälerei. Hinweise kommen auch von Tierschützern.

"Videoaufnahmen sind bei Tierschutzverstößen gute Beweismittel“, sagt Alexander Kilimann, Pressesprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung von Umweltkriminalität (ZeUK). Tierschutzaktivisten machen solche Videos zum Beispiel in Schlachthöfen, wenn sie Tierquälerei aufdecken wollen, sagte Kilimann beim Jahresmediengespräch des Oberlandesgerichts und der Generalstaatsanwaltschaft Hamm, wo die Arbeit der Zentralstelle für Umweltkriminalität in Dortmund heute eines der Themen war.

Die Videos entstehen häufig illegal. Denn die Aktivisten müssen dafür zum Beispiel auf das Gelände von Unternehmen eindringen, was verboten ist. Die Staatsanwaltschaft leitet daher oft auch ein Ermittlungsverfahren wegen des Videos ein - meist gegen Unbekannt. "Wer das Video genau angefertigt hat, erfahren wir nicht“, so Kilimann.

Erst vor Kurzem hatte ein Gericht in Niedersachsen geurteilt, dass zwei Tierschützer Schadensersatz an einen Schlachthofbetreiber zahlen müssen. Sie hatten Videos einer CO2-Betäubung gemacht und veröffentlicht - obwohl diese legal und durchaus gängige Praxis ist. Dadurch sei dem Betrieb ein Schaden entstanden, so das OLG Oldenburg damals.

Aktuell zwei große Ermittlungsverfahren zu Tierquälerei

Für Oberstaatsanwalt Alexaner Kilimann ist entscheidend: Auch ein illegal angefertigtes Video kann er gegebenenfalls im Strafverfahren als Beweis nutzen. Die Zentralstelle ermittelt immer wieder zu Tierquälerei. Vor allem Aufnahmen über längere Zeiträume mit mehreren oder andauernden Verstößen seien hilfreich. Hinweise kämen außerdem von anderen Behörden.

Aktuell ermittelt die Zentralstelle zu zwei größeren Tierschutzkomplexen. Im Herbst 2025 haben die Ermittler in Grefrath einen Betrieb durchsucht. Dort sollen Rinder und Schafe ohne Betäubung getötet worden sein. Das Personal soll zudem teilweise Schnitte falsch gesetzt haben. Den Ermittlern liegt nun ein Gutachten des Landes vor. Demnach hätten die Tiere "höchstgradige Schmerzen“ erlitten.

Ein Mann mit Brille, Anzug und zurückgegeelten Haaren. Er trägt ein Namensschild mit der Aufschrift "Kilimann".

Details zu einem weiteren, aktuellen Fall konnte der Staatsanwalt aus Ermittlungsgründen nicht nennen. Im Frühjahr soll aber eine große Durchsuchung stattgefunden haben. "Wir haben mehrere Hallen betreten und mussten jedes Mal die weißen Overalls wechseln“, schildert er den Einsatz.

Justiz zentralisiert in Dortmund weiter Experten zu Umweltkriminalität

Die Zentralstelle profitiere in solchen Verfahren von ihrer Erfahrung. Die zeige auch: Umweltkriminalität werde nicht begangen, weil jemand Tiere quälen oder der Umwelt schaden möchte.

"Die Motive sind wirtschaftlich“, so Alexander Kilimann beim Jahresmediengespräch von Generalstaatsanwaltschaft und Oberlandesgericht Hamm am Donnerstag. In den etwa 150 bis 200 Verfahren pro Jahr habe die Zentralstelle daher insgesamt schon mehrere Millionen Euro Vermögen abschöpfen lassen.

Seit Anfang des Jahres ist das Landgericht Dortmund NRW-weit für viele Umweltstrafverfahren zuständig. Alexander Kilimann lobt diese Zentralisierung. Die Richter könnten sich spezialisieren, und die Ermittler hätten kürzere Fahrtwege. Dadurch bleibt für sie mehr Zeit fürs Ermitteln.

Cannabis-Legalisierung entlastet Staatsanwaltschaften

Während bei der Umweltstaatsanwaltschaft die Zahl der Ermittlungsverfahren zuletzt offenbar ansteigt, hatten die Staatsanwaltschaften im Bezirk Hamm 2025 etwas weniger zu tun. Der Bezirk reicht von Ostwestfalen über das östliche Ruhrgebiet bis ins Sauerland. Die Zahl der Ermittlungsverfahren ging leicht auf 572.000 Verfahren zurück.

Zwei Frauen und vier Männer, die mit Namensschildern an einem Holztisch nebeneinander sitzen.

Besonders spürbar: 25 Prozent weniger Verfahren zu Drogendelikten. Das liege vor allem an der Cannabis-Legalisierung. "Das ist eine Entlastung“, sagt Generalstaatsanwalt Michael Schwarz. Teils habe man dadurch die zuständigen Abteilungen schon umstrukturieren können.

Der Grund für den leichten Rückgang insgesamt sei aber eher ein Zufall. Der Bezirk der Generalstaatsanwaltschaft Hamm sei in NRW damit eine Ausnahme. Insgesamt ist die Zahl der Verfahren landesweit weiter gestiegen, so Michael Schwarz.

Tierquälerei: Ermittler nutzen Tierschützervideos

WDR 25.06.2026 00:41 Min. Verfügbar bis 24.06.2028

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Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort beim Jahresmediengespräch von OLG und GStA Hamm
  • WDR-Interview mit Oberstaatsanwalt Alexander Kilimann

Sendung: WDR.de, Tierquälerei: Ermittler nutzen Tierschützervideos, 25.06.2026, 16:01 Uhr

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