Linienbusse stehen auf einem Parkplatz

TÜV-Bus-Report 2026 Jeder fünfte Bus fällt durch den TÜV - Zahlen erneut verschlechtert

Stand:

Immer mehr Busse haben erhebliche Mängel - das zeigt der neue TÜV-Bus-Report. Auch neue Busse fallen öfter durch.

Fast jeder dritte Bus hat Mängel - bei fast jedem vierten sind die Mängel so schwer, dass er durch den TÜV fällt. Der Zustand der Busse in Deutschland hat sich damit einmal mehr deutlich verschlechtert.

Der TÜV hat diese Zahlen im TÜV-Bus-Report veröffentlicht und spricht von alarmierenden Ergebnissen: "Die Mängelquoten steigen zum zweiten Mal in Folge kräftig", so Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband.

Viele Busse fallen bei TÜV durch

WDR 21.05.2026 00:21 Min. Verfügbar bis 20.05.2028 WDR Online

Download

Für den TÜV-Bus-Report werden die rund 67.000 Hauptuntersuchungen der vergangenen zwei Jahre ausgewertet. Busse müssen einmal im Jahr durch den TÜV und ab dem dritten Jahr nach Neuzulassung alle drei Monate zu einer Sicherheitsprüfung.

Der TÜV unterscheidet bei seiner Auswertung nicht nach Reise- und Linienbussen - geht aber davon aus, dass etwa dreiviertel der vom TÜV geprüften Fahrzeuge Linienbusse sind.

Auch neue Busse mit immer mehr Mängeln

Aufällig ist, dass nicht nur alte Busse oder solche mit vielen gefahrenen Kilometern betroffen sind. Selbst bei den einjährigen Bussen ist jeder zehnte mit erheblichen Mängeln durch die TÜV-Untersuchung gefallen, vor zwei Jahren war der Anteil halb so groß.

Nur knapp 70 Prozent der Busse kommen ohne Mängel durch die Prüfung. 2022 waren es noch knapp 79 Prozent.

"Dieser Rückgang legt eine strukturelle Verschlechterung des sicherheitstechnischen Zustands der Busse auf Deutschlands Straßen nahe." TÜV-Bus-Report 2026

Busunternehmer verärgert wegen TÜV-Behauptung

Beim TÜV gibt es eine Vermutung, woran das liegt: "Viele Unternehmen in der Personenbeförderung stehen unter einem erheblichen wirtschaftlichen Druck", sagt Goebelt. "Das führt offenbar dazu, dass sie der Wartung und Pflege ihrer Fahrzeuge nicht die nötige Aufmerksamkeit widmen. Das geht über kurz oder lang zulasten der Verkehrssicherheit."

Dieser Vorwurf sorgt für Ärger beim Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo). Sicherheit habe für die Unternehmen oberste Priorität. "Entsprechend weisen wir die aus der Luft gegriffene und tendenziöse Behauptung, dass aus wirtschaftlichen Gründen bei Wartung und Pflege gespart wird, auf das Entschiedenste zurück", so bdo- Geschäftsführerin Christiane Leonard.

Systemisches Problem?

Der Verband sieht das Problem eher bei den Herstellern. "Wenn zehn Prozent der neuen Busse nach einem Jahr durch die Hauptuntersuchung fallen, dann ist das ein systemisch bedingt", so Leonard. Die Technik in den Fahrzeugen werde komplexer und die Unternehmen seien darauf angewiesen, Top-Produkte geliefert zu bekommen.

Auch der TÜV sieht da Handlungsbedarf: Die Prüfinstrumente müssen an neue Fahrzeugtechnologien angepasst werden, so die Forderung. Neben klassischen Dingen wie Bremsen und Licht spielen zunehmend auch elektronische Sicherheitssysteme und Batteriesysteme bei E-Bussen eine Rolle.

Häufigster Mangel: Öl-Verlust

Bei den erheblichen Mängeln macht Ölverlust am Motor den größten Anteil aus (6,3 %), danach folgen Fehler an der hinteren Beleuchtung (4,2 %), am Abblendlicht (2,9 %) oder beim Motormanagement (2,8 %).

Diese Defekte sind für die Fahrzeugsicherheit wichtig - führen aber selten direkt zu Unfällen. "Unfallursache ist in der Regel menschliches Fehlverhalten, aber auch technische Mängel können eine Rolle spielen", sagt Goebelt.

1.869 Bus-Unfälle mit Personenschaden gab es in NRW im vergangenen Jahr. Nur bei 29 davon wird ein technische Fehler oder ein Wartungsschaden als Unfallursache angegeben, so IT.NRW auf WDR-Anfrage. Meistens lag der Fehler bei den Bremsen.

Wenig gefährliche Mängel

Die Zahl der Verletzten bei Bus-Unfällen in NRW hat aber zuletzt zugenommen: 2025 waren es 2.036, 2024 waren es noch 1.809 - und 2016 nur 1.579.

Grundsätzlich sind Busunfälle mit Personenschaden aber verhältnismäßig selten - bei Pkw-Unfällen wurden 2025 über 35.000 Menschen verletzt. "Busse sind und bleiben die sichersten Fahrzeuge im Straßenverkehr", betont Leonard vom Omnibus-Verband.

Unsere Quellen:

  • TÜV-Bus-Report 2026
  • TÜV-Bus-Report 2025
  • Statistisches Bundesamt 2020
  • Landesdatenbank NRW / IT.NRW

Sendung: WDR 5, Hörfunknachrichten, 21.05.2026, 11 Uhr

Weitere Beiträge aus NRW

1 / 2