Bundesnetzagentur: Ab 2028 bekommt die Bahn mehr Konkurrenz
Günstigere Tickets und moderne neue Züge im Fernverkehr - darauf können Fahrgäste ab 2028 hoffen. Nach der Entscheidung der Bundesnetzagentur könnte das Zugunternehmen Italo dann zum Beispiel auf den Strecken von München über Frankfurt nach Dortmund oder von München über Berlin nach Hamburg einsteigen.
"Das ist ein guter Tag für Bahnkunden, weil es den fairen Wettbewerb auf der Schiene stärkt." Daniela Brönstrup, stv. Präsidentin Bundesnetzagentur
Konkurrenz für die Deutsche Bahn
Die Bonner Behörde will es den Wettbewerbern leichter machen. Dort, wo das Schienennetz im Fernverkehr besonders überlastet ist, sollen Konkurrenten wie Italo mindestens 25 Prozent der Kapazitäten bekommen können.
Sorge um schlechtere Versorgung außerhalb der Metropolen
Mehr Wettbewerb, das findet man beim Fahrgastverband ProBahn durchaus gut. Allerdings gibt es eine große Sorge: Italo könnte sich nur die Rosinen rauspicken, also die besonders lukrativen Strecken. Als Folge könnten der Deutschen Bahn dann Einnahmen verloren gehen, die sie brauche, um auch nicht so attraktive Strecken zu bedienen, fürchtet Pro Bahn-Sprecher Detlef Neuss.
Kleinere Städte vom Fernverkehr abgehängt?
Davon wären wohl vor allem viele Bahnhöfe in der Fläche betroffen. Diese Sorge hatte auch schon die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG geäußert und unter anderem Orte wie Aachen, Münster, Freiburg oder Saarbrücken aufgelistet. Die Befürchtung: Die Bahn könnte dort ICE- und IC-Verbindungen einstellen, die bisher durch andere lukrative Strecken quersubventioniert wurden und wo jetzt Konkurrenz droht.
"Das würde dazu führen, dass in der Fläche die Leute oft ein ganzes Stück mit dem Nahverkehr fahren müssen, bevor sie an einen Bahnhof kommen, wo Fernverkehr auch stattfindet." Detlef Neuss, Sprecher Fahrgastverband Pro Bahn
Diese Sorge teilt die Bundesnetzagentur jedoch nicht. Man habe sich das Thema genau angesehen, sagt die stellvertretende Präsidentin Daniela Brönstrup, könne die Einwände aber "zum jetzigen Zeitpunkt so nicht nachvollziehen".
Ähnlich sieht es auch Christian Böttger, Professor für Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Er bezweifelt nämlich, dass es die von ProBahn und EVG angeführte Mischkalkulation bei der Bahn überhaupt gibt. "Also mit Sicherheit nicht zwischen Nah- und Fernverkehr", sagt Böttger. "Was wir sehen ist ja, dass die DB im Fernverkehr in den letzten Jahren die ganzen Nebenstrecken ja bereits abbestellt hat."
Deutschlandweit würden die Nebenfernstrecken immer weniger von der DB bedient werden. Die Politik, sich nur die lukrativsten Strecken heraus zu suchen, die man bei Italo befürchte, praktiziere die Bahn schon selbst, sagt Böttger.
"Der DB Fernverkehr zieht sich seit Jahren aus den Nebenfernstrecken zurück und konzentriert sich selber auch nur noch auf die Sahnestrecken." Christian Böttger, Professor für Wirtschaftsingenieurwesen an der HTW Berlin
Bahn prüft weiteres Vorgehen
Die Deutsche Bahn gibt sich am Tag der Entscheidung erst mal noch kurz und knapp. Man wolle den Beschluss der Bundesnetzagentur ausführlich prüfen und bewerten. Das Unternehmen könnte möglicherweise auch vor das Verwaltungsgericht Köln ziehen. Ob es 2028 also wirklich losgeht, ist noch nicht sicher. Genauso ist unklar, was Tickets kosten könnten.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung der Bundesnetzagentur
- WDR-Gespräch mit Daniela Brönstrup, stellvertretende Präsidentin der Bundesnetzagentur
- WDR-Gespräch mit Detlef Neuss, Pro Bahn
- Agenturmeldungen
Sendung: WDR.de, Italo-Züge fahren bald auf deutschen Schienen, 18.07.2026, 13:54 Uhr
