Keine Rettungsgasse: Polizei greift auf A3 durch

Aktuelle Stunde 02.02.2026 38:51 Min. UT Verfügbar bis 02.02.2028 WDR Von Oliver Schöndube

Blockierte Rettungsgasse Warum es dafür häufig keine Bußgelder gibt

Stand:

Am Sonntagabend kam es auf der A3 kurz vor dem Kreuz Hilden zu einem Unfall. Vor Ort hatten die Einsatzkräfte mit einigen Problemen zu kämpfen - vor allem mit der Rettungsgasse.

Vier Autos waren auf der A3 aufeinander aufgefahren. Fünf Menschen wurden leicht verletzt. Eine schwangere Frau bekam im Stau Wehen und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Die Einsatzkräfte waren schnell vor Ort, weil anfangs eine Rettungsgasse gebildet wurde. Doch dann wurde die zuvor freie Rettungsgasse von einigen Autofahrern wieder zugefahren und blockiert. Dadurch kamen die Abschleppwagen nicht mehr zum Einsatzort durch.

Ralf Seidel von der Feuerwehr Solingen

Ralf Seidel von der Feuerwehr Solingen

Daraufhin versuchten sie zunächst, über einen nahegelegenen Rasthof zu fahren - dort blieben die Abschleppwagen dann jedoch komplett stecken. Ralf Seidel von der Feuerwehr Solingen erklärt, dass die Polizei "keine Möglichkeit mehr hatte, die Fahrzeuge zum Wegfahren zu bewegen". Letztendlich musste die Polizei helfen und die Abschleppwagen durch die Rettungsgasse geleiten. "Deswegen musste die Unfallstelle so lange gesperrt bleiben", sagt Seidel.

Doch die Arbeit der Einsatzkräfte wurde nicht nur durch die zugefahrene Rettungsgasse erschwert, sondern auch durch Autofahrer, die Videoaufnahmen machten.

"Diverse Gaffer haben wieder mit ihren Handys gefilmt und sind auch von den Kräften angesprochen worden. Waren teilweise auch ungehalten. Leider kann man da nichts dran machen." Ralf Seidel, Feuerwehr Solingen

"Nicht so, wie man sich das wünschen würde"

Christopher Heuts von der Polizei Düsseldorf

Christopher Heuts von der Polizei Düsseldorf

Christopher Heuts von der Polizei Düsseldorf berichtet, dass das Thema Rettungsgasse immer mal wieder ein Problem sei. Dennoch hätten die Leute "mittlerweile schon verstanden, worum es geht". Auch der Pressesprecher des NRW-Innenministeriums erklärt, dass sich immer mehr Menschen daran halten würden - diese Rückmeldung bekäme er zumindest aus dem Polizeialltag.

Jörg Brackmann, der stellvertretende Landesvorsitzende Gewerkschaft der Polizei NRW

Jörg Brackmann, stellvertretender Landesvorsitzender der GdP NRW

Jörg Brackmann ist der stellvertretende Landesvorsitzende der GdP NRW. Seiner Ansicht nach würden die Menschen inzwischen etwas mehr darauf achten, eine Rettungsgasse zu bilden. "Aber nicht so, wie man sich das wünschen würde", sagt er. Eigentlich müsse die Rettungsgasse zu hundert Prozent stehen, wenn die Rettungskräfte eintreffen - und sie dürfe auch nicht zu schnell wieder zugemacht werden.

Das sei im Interesse aller, sagt Brackmann. Denn:

"Es ist nicht nur eine Rettungsgasse. Es geht um Leben und Tod." Jörg Brackmann, stellvertretender GdP-Landesvorsitzender

Verstöße im Bereich der Rettungsgasse sind schwer zu ahnden

Brackmann merkt an, dass viele dieser Vergehen gar nicht geahndet würden, da die Beamten im Einsatz andere Prioritäten hätten. Sie könnten die Leute nicht aufschreiben, die die Rettungsgasse blockierten - "da hat man in dem Moment keine Zeit für", so Brackmann.

Autos bilden eine Rettungsgasse auf einer vollen Autobahn

Abschleppwagen kommen nicht durch die Rettungsgasse

Das bestätigt auch der Pressesprecher des NRW-Innenministeriums. Auch er stellt fest, dass diese Vergehen wirklich schwer zu ahnden seien. Zum Teil würden die Polizisten jedoch Fotos von den Kennzeichen machen. Auch Christopher Heuts von der Polizei Düsseldorf erklärt, dass die Fahrzeuge zum Teil während des Einsatzes erfasst würden - "wenn es der Einsatz zulässt". Oder man könne Kollegen dahin schicken, die zur Verstärkung kommen, sagt er.

Wie viele Bußgelder in diesem Bereich ausgestellt werden, konnte der Pressesprecher des NRW-Innenministeriums nicht sagen, da die Zahlen hierzu nicht automatisiert erhoben werden.

Bessere Dokumentationsmöglichkeiten würden helfen

Die Gewerkschaft der Polizei würde sich daher Dokumentationsmöglichkeiten wünschen, die es ermöglichen, solche Vergehen noch nachträglich zu ahnden.

Wie bei einem Blitzer müsse dann jedoch auch der Fahrer des Fahrzeugs bildlich erfasst werden. Wenn bloß die Kennzeichen dokumentiert würden, könne im Nachhinein nur der Fahrzeughalter und nicht der Fahrer ermittelt werden, was dann zu Problemen bei der Verfolgung der Ordnungswidrigkeit führen würde, erklärt Brackmann.

Hohe Bußgelder bei Verstoß

Mit Inkrafttreten des neuen Bußgeldkatalogs im November 2021 sind die Bußgelder in diesem Bereich stark erhöht worden.

Fahrern, die keine Rettungsgasse bilden, drohen nach dem Bußgeldkatalog 200 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Kommt es dadurch zu Behinderungen, werden aus 200 dann 240 Euro. Mit Gefährdung liegt das Bußgeld schon bei 280 Euro, dazu kommen zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

So bildet man die Rettungsgasse richtig

Die Rettungsgasse sollte nicht erst bei einem Stau gebildet werden, sondern schon dann, wenn der Verkehr anfängt zu stocken beziehungsweise Schrittgeschwindigkeit gefahren wird. Das gilt sowohl bei zwei- als auch bei drei- und vierspurigen Autobahnen.

Grafik: So bildet man eine Rettungsgasse

So wird eine Rettungsgasse gebildet

Wer auf dem linken Fahrstreifen unterwegs ist, weicht immer nach links aus. Wer auf einem der übrigen Fahrstreifen unterwegs ist, fährt nach rechts.

Heuts merkt an, dass die Rettungsgasse in der Realität meist zu spät gebildet werde:

"Erst wenn das Blaulicht gesehen wird, fahren die Leute dann an die Seite." Christopher Heuts, Polizei Düsseldorf

Rettungsgasse im Baustellenbereich

Grundsätzlich gelten im Baustellenbereich die gleichen Regeln. Hier kann es jedoch sehr eng werden. Der ADAC empfiehlt daher im Baustellenbereich, auf die rechte Spur zu wechseln, sobald man merkt, dass es sich staut. Dann wäre die linke Spur frei für die Einsatzfahrzeuge.

Das ist jedoch nur eine Empfehlung und keine Regel. Eine gesonderte Regel für enge Baustellenbereiche wäre laut Brackmann wünschenswert. Denn in der Praxis könne es hier so eng werden, dass das Bilden einer Rettungsgasse kaum möglich sei.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Jörg Brackmann, stellv. Landesvorsitzende der GdP NRW
  • Anfrage an das NRW-Innenministerium
  • Interview mit Christopher Heuts, Polizei Düsseldorf
  • Interview mit Ralf Seidel, Feuerwehr Solingen
  • Website Runter vom Gas
  • Website ADAC

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 02.02.2026, 18:45 Uhr

Zu aktuellen Verkehrsmeldungen

1 / 2