Vor dem WM Finale: Tango vs. Flamenco
Aktuelle Stunde . 19.07.2026. 33:42 Min.. Verfügbar bis 19.07.2028. WDR.
Wenn heute Abend um 21 Uhr im MetLife Stadion vor den Toren New Yorks das Finale der Fußball-WM angepfiffen wird, werden wohl wieder mehr als eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt das Spiel zwischen Spanien und Argentinien an den Bildschirmen verfolgen. Für alle, die beim Public Viewing oder vor der Familie oder Freunden mit Fachwissen angeben, gerne in der Sprache ihres Favoriten jubeln oder (hoffentlich nicht) fluchen oder einfach nur ein paar Hintergrundinfos wollen, haben wir ein kleines Listicle zusammengestellt. Viel Spaß dabei.
Von der Badewanne ins WM-Finale
Beim WM-Finale stehen sich zwei der größten Fußballstars der Welt gegenüber, die für zwei Generationen stehen: Der 39 Jahre alte Lionel Messi und der 19-jährige Lamine Yamal. Trotz der großen Altersdifferenz trafen die beiden bereits vor 19 Jahren das erste Mal aufeinander. Damals steckte der argentinische Superstar Messi den damals nicht mal einjährigen Yamal für ein Fotoshooting in eine blaue Wanne und badete ihn.
Der kleine Lamine Yamal wird 2007 von Lionel Messi gebadet
Die beiden posierten für einen Benefizkalender für die UNICEF, für den Spieler des FC Barcelona mit Babys abgelichtet wurden. Und Messi, der 21 Jahre für die Katalanen spielte, ließ sich ausgerechnet mit Lamine Yamal fotografieren - dem aktuellen Superstar von Barca.
Heute treffen sie dann im größtmöglichen Spiel aufeinander. Messi ist übrigens erst der zweite Spieler der Fußball-Geschichte, der drei WM-Endspiele auf dem Platz erlebt. Das erste verlor er 2014 gegen die deutsche Mannschaft, das zweite gewann er 2022 in Katar gegen Frankreich. Vor ihm stand nur der Brasilianer Cafú in drei Endspielen.
Spanisch Jubeln leicht gemacht
Mit Argentinien und Spanien stehen zwei spanischsprachige Nationen im Finale der Fußball-WM. Das macht nicht nur die Kommunikation auf dem Platz einfach (außer vielleicht für den slowenischen Schiedsrichter Slavko Vincic). Auch der spanische Torjubel ist berühmt. Ganz gleich ob Spanien oder Argentinien heute eine Bude macht, mit dem langgezogenen "Goooooooooooooooooooool" (Tooooooooooooooooooooor) ist man immer auf der richtigen Seite. Wer nochmal üben will, orientiert sich einfach am argentinischen "Godfather of Torjubel" Andrés Cantor.
Auch heute Abend wird Cantor wieder das Spiel der Argentinier für den US-Fernsehsender Telemundo kommentieren. Es ist mittlerweile die zehnte WM für ihn als Kommentator.
Wenn es nicht so gut läuft
Natürlich gibt es im Spanischen auch Ausdrücke, wenn es für das eigene Team nicht so gut läuft. Während ein Argentinier die Nase beim Torjubel vorne hat, sind die Spanier beim Fluchen etwas einfallsreicher. Für Ballverluste der spanischen Mannschaft oder überraschende Konter der Argentinier bietet sich beispielsweise "¡Joder!" (Verdammt) oder der Klassiker "¡Mierda!" (Scheiße) an.
Ist es wirklich kaum zu glauben, was da gerade auf dem Platz passiert, ist ein "¡Hostia!" aus tiefstem Herzen angebracht. Wörtlich übersetzt bezeichnet das Substantiv eigentlich die Oblate, wie sie in der katholischen Kirche gereicht wird. Spanier nutzen das Wort aber gerne, um ihre Überraschung auszudrücken, sowohl im Guten wie im Schlechten. Ein "¡Hostia" ist also auch angebracht, sollte Spanien ein Traumtor schießen.
Das universelle "¡Mierda" kann man natürlich auch als Argentinien-Fan nutzen, wenn es für das eigene Team nicht so läuft. Aber auch ein "La puta madre" (wörtlich: Die Mutter aller Huren) wird in Südamerika (aber auch in Spanien) genutzt, um den Frust rauszulassen.
Weiß-Himmelblau gegen die rote Furie
"La Albiceleste" spielt in Weiß-Himmelblau
Nicht nur in Sachen Sprache gibt es zwischen Spanien und Argentinien Parallelen. Auch die Spitznamen der beiden Mannschaften haben etwas gemeinsam. Denn sowohl "La Albiceleste" (die Weiß-Himmelblauen) wie auch "La Furia Roja" (die Rote Furie) sind nach den Farben ihrer Trikots benannt. Bei Argentinien bezieht sich der Name einfach auf die weißen und himmelblauen Streifen, die das Trikot mit der Nationalflagge gemeinsam haben.
"La Furia Roja" spielt in Rot
Im Falle der Spanier bezieht sich die Farbe auch auf die Trikots. Den Beinamen der Furie erspielte sich das Team 1920 bei den Olympischen Spielen in Antwerpen. Damals trat das Team so kämpferisch und körperbetont auf, dass sie den Beinamen verliehen bekam, der im Spanischen auch "Wucht", "Wut" oder "Zorn" bedeutet.
Mamma mia oder die Hand Gottes
Es gibt aber noch eine Gemeinsamkeit zwischen den Teams aus Argentinien und Spanien: Beide kamen bei zurückliegenden internationalen Turnieren aufgrund ungeahndeter Handspiele weiter.
Vor allem in Deutschland ist noch gut in Erinnerung, wie der Spanier Marc Cucurella im EM-Viertelfinale 2024 einen Torschuss von Jamal Musiala im Strafraum mit dem Arm blockte. Statt auf den Elfmeterpunkt zu zeigen, entschied der Schiedsrichter damals, das Spiel weiterlaufen zu lassen. Spanien gewann 2:1 in der Verlängerung und wurde Europameister.
Mamma mia: Cucurella blockt den Schuß von Musiala mit dem Arm
Die UEFA räumte nach dem Turnier ein, dass der Schiedsrichter das Handspiel hätte ahnden müssen. Das wusste offenbar auch Cucurella. In einem Interview mit der italienischen Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" erzählte er, was er in dem Moment auf dem Feld dachte: "Mamma mia!"
Die Mutter aller Handspiele beging allerdings ein Argentinier: Diego Armando Maradona. Im Viertelfinale der WM 1986 in Mexico bugsierte der damalige Kapitän der "Albiceleste" den Ball statt mit dem Kopf mit der Hand ins Tor. Auch damals sah der Schiedsrichter den Regelverstoß nicht - und es gab noch keinen Videobeweis.
Die Hand Gottes
Maradona selbst zeigte sich nach dem Spiel ebenfalls nicht einsichtig. Auf die Frage, wie das Tor gefallen sei, antwortete er: "Un poco con la cabeza de Maradona y otro poco con la mano de Dios" (Ein bisschen mit dem Kopf von Maradona und ein bisschen mit der Hand Gottes). Auch Argentinien kam damals mit einem 2:1-Sieg in die nächste Runde und wurde am Ende Weltmeister.
60 Jahre zwischen dem ersten und zweiten WM-Duell
Obwohl Spanien und Argentinien seit 1978 durchgehend bei jeder Fußball-WM mitgespielt haben, sind die beiden Teams in dieser Zeit nicht einmal aufeinander gestoßen. Tatsächlich gab es bislang nur ein Kräftemessen zwischen den beiden Teams bei einer WM - vor fast genau 60 Jahren. Am 13. Juli 1966 besiegte die "Albiceleste" Spanien in der Vorrunde der WM in England mit 2:1.
Seitdem gab es immer nur Freundschaftsspiele zwischen den beiden Teams, aber auch das passiert selten. Das bislang letzte ist acht Jahre her, damals gewann Spanien gegen Argentinien (ohne den seinerzeit verletzten Messi) mit 6:1. Falls das heute wieder passiert, dürfte es eine Menge ¡Joder!", "¡Mierda!", "¡Hostia!" und "La puta madre" zu hören geben.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen dpa, SID
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 19.07.2026, 18:45 Uhr
