Ein Vater mit seinem Kind im Kinderwagen

Antragsloses Kindergeld 2027 Wann Eltern automatisch Geld bekommen und wie viel

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Der Bundestag will heute das antragslose Kindergeld beschließen - die Auszahlung soll ab 2027 automatisch erfolgen. Alle Infos zu dem neuen Gesetz - und welche Kritik es trotz viel Lob daran gibt.

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Lukian Ahrens
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Mirjam Ratmann steht vor einer weißen Wand und schaut in die Kamera
Mirjam Ratmann

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundestag will am 9. Juli das antragslose Kindergeld verabschieden
  • Eltern sollen ab März 2027 Kindergeld antragslos für ein zweites Kind überwiesen bekommen
  • Ab November 2027 soll das auch für das Erstgeborene gelten
  • Das Kindergeld soll ab 2028 auf 272 Euro steigen

Bürokratie abbauen - so lautet eines der Versprechen der Bundesregierung. Für Eltern will der Bundestag deswegen heute das antragslose Kindergeld beschließen.

Der Gedanke: Eltern sollen das Kindergeld künftig erhalten, ohne selbst aktiv werden zu müssen. Allein in NRW werden dabei laut Statistischem Landesamt etwa 150.000 Kinder im Jahr geboren. Wie für ihre Eltern die Auszahlung funktioniert, wer das Geld bekommt und ab wann die neue Regelung gilt.

Ab wann kommt das Kindergeld automatisch und wie hoch ist es?

Das neue Gesetz soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten und in zwei Schritten eingeführt werden: Voraussichtlich im März 2027 soll es zunächst für Neugeborene von Eltern greifen, die bereits ein Kind haben. Im November soll das Kindergeld dann auch für Erstgeborene antragslos ausgezahlt werden.

Das Kindergeld beträgt unabhängig vom Einkommen aktuell 259 Euro pro Monat und Kind. Es wird an die Person ausgezahlt, die das Kind regelmäßig versorgt. Ab 2028 soll es auf 272 Euro steigen.

Wer kann grundsätzlich Kindergeld bekommen?

Einen Antrag stellen können deutsche Staatsangehörige, die mit ihren Kindern in Deutschland leben, oder auch Deutsche, die im Ausland leben. Unter bestimmten Voraussetzungen können aber auch Stiefeltern, Pflegegroßeltern und Geschwister oder Großeltern Kindergeld beantragen.

Wer in Deutschland lebt, jedoch eine nicht-deutsche Staatsangehörigkeit hat, kann das Kindergeld ebenfalls unter bestimmten Bedingungen beantragen. Berechtigt sind unter anderem Menschen aus der EU, Algerien, Norwegen oder Marokko. Sie müssen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein oder Arbeitslosen- oder Krankengeld beziehen.

Wer sich für eine Aus- oder Weiterbildung in Deutschland aufhält oder als Asylbewerber lediglich geduldet ist, hat kein Anrecht auf Kindergeld.

Wie funktioniert das antragslose Kindergeld?

Das Verfahren wird zwar stark vereinfacht, dennoch gibt es Voraussetzungen, um das antragslose Kindergeld zu erhalten: Demnach muss mindestens ein Elternteil gemeinsam mit dem Kind in Deutschland leben und mindestens ein Elternteil in Deutschland arbeiten.

Außerdem müssen die Behörden die Kontoverbindung (IBAN) kennen. Für kompliziertere Kindergeld-Fälle bleibt es vorerst beim Antrag.

Was wäre die Folge vom antragslosen Kindergeld?

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit erhielten 2025 insgesamt 17,5 Millionen Kinder und Familien Kindergeld. Insgesamt gaben die Familienkassen der Bundesagentur für Arbeit 55,32 Milliarden Euro für Kindergeld aus.

Logo von der Agentur für Arbeit, weißes A in einem rotem Kreis auf einem weißem Glas-Untergrund, auf dem "Familienkasse" steht

Das Kindergeld wird von den Familienkassen der Bundesagentur für Arbeit an Eltern ausgezahlt

Wie die Bundesagentur für Arbeit auf ihrer Website schreibt, beantragten inzwischen rund 60 Prozent die Leistungen digital. Durch die Reform des antragslosen Kindergeldes könnten laut Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) rund 300.000 Anträge auf Kindergeld im Jahr wegfallen.

Welche Kritik gibt es am antragslosen Kindergeld?

Die Entbürokratisierung und Erhöhung des Kindergeldes werden zwar insgesamt positiv aufgefasst. Dennoch gibt es Kritik am Gesamt-Reform-Paket der Bundesregierung. So schreibt beispielsweise der Bund der Deutschen Steuerzahler in einem Statement: "Zwar werden höhere Kindergeldzahlungen angekündigt, doch steuerlich ist eine spürbare Verbesserung bislang kaum erkennbar." Denn zugleich drohten andere Belastungen durch steigende Kranken-und Rentenversicherungsbeiträge.

"Die Gefahr ist groß, dass viele Familien trotz Einkommensteuerreform am Ende kaum mehr Geld im Portemonnaie haben. Je tiefer man in die bislang bekannten Zahlen einsteigt, desto größer wird der Frust." Bund der Deutschen Steuerzahler e.V.

Kritik gibt es auch daran, dass parallel zur Reform des Kindergeldes das Elterngeld gekürzt werden soll. So sollen Eltern künftig nur noch zwölf statt 14 Monate Elterngeld beziehen dürfen und beide Elternteile nur noch die volle Summer erhalten, wenn beide Elternteile mindestens drei Monate Elternzeit nehmen. So will das Ministerium 500 Millionen Euro im Jahr sparen.

Redaktioneller Hinweis, 09.07.2026, 14.03 Uhr: In einer ersten Version hatten wir geschrieben, dass Elternteile nur noch die volle Summe erhalten, wenn beide Elternteile mindestens zwei Monate Elternzeit nehmen. Das war nicht korrekt. Beide Elternteile müssen für mindestens drei Monate Elternzeit nehmen. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

Kindergeld soll bald automatisch ausgezahlt werden

WDR 09.07.2026 01:16 Min. Verfügbar bis 08.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur KNA
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Familienportal des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • tagesschau.de
  • Bund der Deutschen Steuerzahler e.V.
  • Bundestagsrede von Heidi Reichinnek, Die Linke

Sendung: WDR.de, Kindergeld bald automatisch auf dem Konto - so klappt es, 09.07.2026, 9:53 Uhr

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