Ist Wohlstand in Deutschland ungerecht verteilt? | WDR Aktuell
WDR. 02:00 Min.. Verfügbar bis 27.04.2028.
Ist der Wohlstand im Land gerecht verteilt? 81 Prozent der Menschen in Deutschland sagen: Nein. Nur 15 Prozent finden ihn gerecht verteilt. Für die repräsentative Umfrage hatte infratest dimap bundesweit 2.084 Menschen aus der deutschsprachigen Bevölkerung ab 16 Jahren befragt.
Besonders ausgeprägt ist dieses Ungerechtigkeitsempfinden in den ostdeutschen Bundesländern: In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen halten nur 7 Prozent die Wohlstandsverteilung in Deutschland für gerecht. In NRW sind es 18 Prozent. Damit fällt das Urteil im Westen etwas milder aus, doch auch hier überwiegt der kritische Blick mit 77 Prozent deutlich.
Mehr als 70.000 Teilnehmende bei Mitmachaktion
Die Umfrage ist Teil der ARD-Aktion "Deine Meinung zählt!", für die es im April eine ergänzende Online-Mitmachaktion gegeben hat. Mehr als 70.000 Menschen haben sich daran beteiligt und aus ihrer eigenen Lebenswirklichkeit berichtet.
So wie Lisa Finke (19) aus Recklinghausen, die gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Ungarn absolviert.
"Ich weiß von Leuten, die sich beispielsweise Nachhilfe nicht leisten konnten, deshalb weniger Chancen auf gute Noten in der Schule hatten und nicht den Durchschnitt geschafft haben, um studieren gehen zu können." Lisa Finke aus Recklinghausen
“Bessere Einkommen wie meins werden zu niedrig belastet”
Oder Olaf Wittich (60) aus Remscheid, der nach eigener Aussage im Jahr knapp 100.000 Euro brutto verdient.
"Der größte Mangel an Gerechtigkeit besteht in meinen Augen darin, dass die besseren Einkommen – zu denen ich mich zählen möchte – unverhältnismäßig niedrig belastet werden im Vergleich zum Potenzial, das da eigentlich zu holen wäre." Olaf Wittich aus Remscheid
In der repräsentativen Umfrage spricht sich jeweils eine Mehrheit dafür aus, Wohlstand zumindest teilweise umzuverteilen. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) befürworten eine Rückkehr zur Vermögenssteuer. Sechs von zehn (61 Prozent) fänden eine Anhebung der Steuer auf hohe Erbschaften richtig.
Leistungsgerechtigkeit ist einer relativen Mehrheit am wichtigsten
Zugleich stimmen zwei von drei Befragten (66 Prozent) der Aussage zu, Migranten sollten erst dann Anspruch auf Sozialleistungen erhalten, wenn sie längere Zeit in Deutschland gearbeitet haben. Klar ist: Dabei gelten für Zugewanderte – abhängig vom Herkunftsland oder der Art der Sozialleistung – sehr unterschiedliche Voraussetzungen.
Leistungsgerechtigkeit hat für die Deutschen einen hohen Stellenwert. 42 Prozent finden es am wichtigsten, dass derjenige, der mehr leistet, auch mehr verdient. Jeder Dritte (32 Prozent) legt vor allem Wert darauf, dass Unterschiede zwischen Einkommen und Vermögen nicht zu groß werden. Für knapp jeden Vierten (23 Prozent) ist es am wichtigsten, sich vor allem um die Schwachen in der Gesellschaft zu kümmern.
Infos zur repräsentativen Umfrage
- Grundgesamtheit: Deutschsprachige Bevölkerung in Deutschland ab 16 Jahren
- Erhebungsmethode: Zufallsbasierte Online- und Telefon-Befragung (davon 60 Prozent Festnetz, 40 Prozent Mobilfunk)
- Erhebungszeitraum: 7.-14. April 2026
- Fallzahl: 2.084 Befragte (1.241 Telefoninterviews und 843 Online-Interviews)
- Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen und Rückerinnerung Wahlverhalten
- Schwankungsbreite: 2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
- Durchführendes Institut: infratest dimap
Sendung: WDR.de, ARD-Umfrage "Deine Meinung zählt" - Wie gerecht ist Wohlstand verteilt?, 27.04.2026, 05.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 27.04.2026, 12.45 Uhr