Am Donnerstag war Fußball-NRW zu Gast bei Innenminister Herbert Reul (CDU). 16 Profivereine von der ersten bis zur dritten Liga – darunter Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld oder Schalke 04 - haben eine Kooperationsvereinbarung mit dem Innenministerium, der Bundes- und der Landespolizei unterzeichnet. In diesen "Stadionallianzen" verpflichten sie sich, die Sicherheit bei Fußballspielen zu erhöhen, Gewalt entgegenzutreten und eng zusammenzuarbeiten.
Ein ähnliches Abkommen gab es schon 2020.
Es gehe dabei um die Menschen, die sich Sorgen machen, "ob wir in den Stadien sicher genug sind", sagte Reul bei der Vorstellung der Allianzen. Dafür werden neue Wege beschritten: Sicherheits- und Fanbeauftragte der Vereine sollen rund um die Spieltage mehr eingebunden werden, ein besonderes Augenmerkt soll auf den Einlasskontrollen liegen und die Polizei will weniger Präsenz im Stadion zeigen. Sie soll nur eingreifen, wenn die Gefahrenabwehr es erfordert.
Stadien sind längst sicher
All das ist auf jeden Fall einen Versuch wert, um… um… ja was denn? Stadien zu sicheren Orten zu machen? Das sind sie doch längst!
Obwohl die Zuschauerzahl in der Saison 2024/25 in den Spielen der ersten drei Ligen in NRW um fast 6 Prozent auf 7,6 Millionen Zuschauer gestiegen ist, wurden laut Landesinformationsstelle Sporteinsätze deutlich weniger Menschen verletzt als davor - insgesamt 243. Das sind 0,0032 Prozent der Stadionbesucherinnen und -besucher und entspricht etwa einem Verletztem pro rund 30.000 Zuschauenden.
Das Oktoberfest haben letztes Jahr 6,5 Millionen Menschen besucht. 6.800 Patienten zählte allein die zuständige Sanitätsstation. Die Zahlen aus den Stadien und vom Oktoberfest sind nicht direkt vergleichbar, aber sie machen vielleicht klar, warum ich mich in der Düsseldorfer Arena deutlich sicherer als bei einem Volksfest fühle. Dennoch entsteht in Debatten um Fußballfans ständig der Eindruck, ein Stadionbesuch sei gefährlich.
Problem liegt außerhalb der Stadien
Niemand bestreitet, dass es gewalttätige Fußballfans gibt. Das Problem liegt aber zumeist außerhalb der (Profi-)Stadien. Auch wird immer häufiger verbotenes Feuerwerk ins Stadion geschmuggelt und entzündet. Zuletzt wurden mehr als fünf Mal so viele Pyrotechnik-Ordnungswidrigkeiten (über 380) festgestellt wie in der Vorsaison. Nur geht dabei überraschend wenig schief: 17 Menschen wurden dadurch verletzt. Zum Vergleich: Polizeilicher Reizstoff (vulgo: Pfefferspray usw.) hat 59 Menschen verletzt.
Fußball solle in "sicheren Stadien" stattfinden, ohne Gewalt und ohne Pyrotechnik, sagte Reul bei der Unterzeichnung. Fanvertreter sehen darin den Vorwurf, Fußballfans seien vor allem Störer. Sie verweisen immer wieder darauf, dass die Präsenz der Polizei, ihr hochgerüstetes und mitunter bedrohliches Auftreten, zu mangelnder Sicherheit im Stadion beitragen könne. Insofern ist die heruntergefahrene Polizeipräsenz in der Tat ein bemerkenswerter Versuch, um Stadien zu noch sichereren Orten zu machen.
Vertane Chance für Kooperation
Organisierte Fans wurden nicht in die Stadionallianzen einbezogen, obwohl sie es laut eigener Aussage mehrfach angeboten hatten. Schade, dass diese Chance zur Kooperation vertan wurde.
Die Stadien in Deutschland und NRW sind sicher. Im besten Fall sind es Orte, an denen sich Menschen begegnen, an denen ein Gemeinschaftsgefühl entsteht und Fans ihre Umgebung aktiv mitgestalten. Das ist kein Sicherheitsrisiko, sondern der Kitt, den die Gesellschaft braucht.
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