Hinter uns liegen historische Wochen mit den höchsten Temperaturen, dem niedrigsten Rheinpegel und dem (wohl) größten Waldbrand in der Landesgeschichte. Gerade die Brände im Hürtgenwald und im Hohen Venn zeigen eindrücklich die Folgen des Klimawandels. Viele Menschen stehen also zurecht unter dem Eindruck des Brandgeruchs, eines gelben Himmels und der insgesamt apokalyptischen Stimmung. Ohne diese Gefühle herunterspielen zu wollen, möchte ich aber den Blick auf das Gute der vergangenen Tage lenken.
Ehrenamtliche bewältigen Krisen
Seit Jahren ist der Alltag vieler vom Nichtfunktionieren geprägt: Staus, kaputte Brücken, ausfallende Bahnen. Der Staat erscheint mancherorts machtlos gegenüber Kriminellen, Kommunen kommen wegen fehlender Mittel an den Rand ihrer Handlungsfähigkeit. Jetzt hat unser Land aber beeindruckend das Gegenteil bewiesen. Die Bekämpfung der Waldbrände war eine Mammutaufgabe, die entschlossen und solidarisch bewältigt wurde. Die Katastrophe konnte nur eingedämmt werden, weil tausende Menschen vor Ort an ihre Grenzen gegangen sind.
Tausende Menschen haben haupt- und ehrenamtlich bei der Bewältigung der Katastrophe geholfen. Zwischenzeitlich waren im Hürtgenwald bis zu 1400 Kräfte von Feuerwehr, THW und Bundeswehr bis hin zu Forstmitarbeitern gleichzeitig im Einsatz.
Bauern helfen Brände löschen
Der Dürener Landrat Ralf Nolten (CDU) ist scheinbar unermüdlich zum Gesicht des Krisenmanagements geworden. Nolten war präsent, klar in der Kommunikation und vermittelte stets den Eindruck, die Lage im Griff zu haben, ohne sie kleinzureden. Am Ende haben vermeintlich Unbeteiligte einen Unterschied gemacht. Es waren Bauunternehmer und vor allem Landwirte, die in ihren großen Fahrzeugen Wasser für die Löscharbeiten gebracht haben. Ohne sie wäre die Brandbekämpfung vielerorts nicht möglich gewesen, weil es keine stabile Wasserversorgung gab.
Zum anderen engagierten sich Menschen, indem sie für die Helfer Brote schmierten, grillten oder auch Dankesbotschaften aufhängten – man hatte das Gefühl, hier ziehen alle an einem Strang. Eine Anwohnerin stellte mit tränenerstickter Stimme fest: "Wahnsinn, wie viel Hilfsbereitschaft uns entgegenkam".
Anteilnahme aus der Politik
Auch das politische Düsseldorf war (anders als bei der Hitzekatastrophe) schnell zur Stelle. Die Vertreter der Landesregierung traten zwar in unterschiedlichem Maße staatstragend auf, aber sie waren präsent. Während die Landwirtschaftsministerin an die Bevölkerung appellierte ("Bitte gehen Sie nicht mehr in die Wälder!"), hatte der Innenminister eine simple Botschaft ("Jeder weiß: Das Feuer ist entstanden durch irgendeinen Idioten"). Die stellvertretende Ministerpräsidentin betonte das Ausmaß ("Dieser Waldbrand ist in seiner Dimension historisch für unser Bundesland") und der Ministerpräsident zeigte sich tief betroffen ("Eine Realität, die wir bisher in dieser Dimension nicht kannten").
Ich hoffe, dass die Anteilnahme mehr war als bloße Symbolpolitik. Denn sie kann zeigen: Das Land ist fähig und willens zu handeln. Die Menschen fühlten sich gesehen. Warum Berlin diese Chance nicht ergriffen hat, ist schwer nachzuvollziehen.
Zusammenhalt über politische Gräben hinweg
Natürlich waren die Waldbrände eine vergleichsweise "simple" Katastrophe. Sie war klar begrenzt, spektakulär und es gab mit dem Feuer einen Gegner, auf dessen Bekämpfung sich alle einigen konnten. Insofern haben Waldbrände mehr einigendes Potenzial als eine Pandemie oder die Klimakrise.
Außerdem konnten Helferstrukturen, die sich rund um die Flutkatastrophe 2021 gebildet haben, reaktiviert werden. Nichtsdestotrotz hat NRW in den zurückliegenden Tagen bewiesen, was Solidarität und Zusammenhalt über politische Gräben hinweg bewegen kann. Dieser Eindruck wirkt hoffentlich nach.
Das ist vielleicht das schönste Geschenk, das wir uns in diesen krisenhaften Zeiten zum 80. Landesgeburtstag machen konnten. Gar nicht schlecht für ein Provisorium. Happy Birthday!
