NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU)

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU)

Bildquelle: ddp/Panama Pictures

Zurück aus dem Urlaub Wüst kommt mit schwerem Rucksack aus der Sommerpause

Stand:

Auch im nordrhein-westfälischen Landtag startet der Alltag nach der Sommerpause wieder, für einen jedoch mit schwererem Gepäck.

Na, wie haben Sie den Sommer verbracht? Entspannt am Strand oder durch die Berge wandernd? Ob Sauerland oder Sardinien, es hilft oft enorm, mal für zwei oder drei Wochen aus dem üblichen Trott rauszukommen. Den Akku wieder aufladen, damit man danach wieder voll durchstarten kann. Ich habe Rennradfahren und Schwimmen in Bayern genossen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (r, CDU), und Nordrhein-Westfalens Vize-Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) unterhalten sich bei einem Besuch bei den Einsatzkräften des Waldbrands im Hürtgenwald.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) besucht die Einsatzkräften des Waldbrands im Hürtgenwald.

Bildquelle: dpa/ Christian Knieps

Kanzler Friedrich Merz soll sich sogar mehr als drei Wochen Urlaub gegönnt haben, wobei so ein Urlaubstag bei ihm sicher anders aussieht als bei uns. Das ein oder andere Telefonat wird er sicher geführt haben. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hedrik Wüst hat, nach eigenen Angaben, seinen Urlaub extra unterbrochen, um sich Mitte August im Hürtgenwald ein Bild von der Brandkatastrophe zu machen. Kanzler Merz ist erst eine Woche später vorbeigekommen, er wollte die Einsatzkräfte nicht behindern.

Es ist noch was zu tun bis zur Landtagswahl

Jetzt ist Wüst jedenfalls ganz offiziell aus der Sommerpause zurück und hat in dieser Woche der NRW-Presse lang und breit erzählt, was seine Landesregierung schon alles erledigt und abgearbeitet hat und was da in den nächsten Monaten noch zu tun sei. Es ging um landespolitisch wichtige Dinge, wie den Landesentwicklungsplan, die Beweislastumkehr beim Bürokratieabbau und beitragsfreie Kita-Jahre. Spoiler: auf weitere finanzielle Entlastung bei den Kitakosten werden Eltern wohl vergeblich hoffen, auch wenn schwarz-grün das eigentlich im Koalitionsvertrag versprochen hatten.

Geschlossenheit gegen die "Stimmungsdelle"

Friedrich Merz und Hendrik Wüst

Friedrich Merz und Hendrik Wüst beim Parteitag der NRW-CDU

Bildquelle: dpa / Thomas Banneyer

Die landespolitischen Herausforderungen sind für Wüst allerdings eher die leichteren Brocken. Viel schwerer wiegt in den nächsten Wochen und Monaten die ständige Debatte um den "Reservekanzler", die er mitschleppen muss. Das ist ungefähr so, als hätte ihnen jemand im Urlaub noch ein paar extra schwere Steine in den Rucksack für die Bergtour gepackt, die ja auch so schon sportlich genug ist. Die Wechselgerüchte Richtung Berlin wollen einfach nicht abebben, da half auch keine Sommerpause

Egal wo Wüst auftritt, Merz und seine schlechten Umfragewerte sind schon da. Und damit auch die Frage, ob der in NRW durchaus erfolgreiche und beliebte Ministerpräsident nicht die Rettung für die Berliner Bundesregierung und die Union sein könnte. Er selbst hält sich da natürlich zurück und ruft stattdessen alle in seiner Partei immer wieder zur Geschlossenheit auf und stellt sich demonstrativ hinter den Kanzler. Die historisch schlechten Umfragewerte für Merz und die Union seien eine ganz normale "Stimmungsdelle".

Es rappelt im Karton, wenn die rechtsextreme AfD die Wahl gewinnt

Wenn die CDU in gut einer Woche in Sachsen-Anhalt die Wahl deutlich gegen die AfD verliert und womöglich sogar den Posten des Ministerpräsidenten an die Rechtsextremen abgeben muss, wird das innerhalb der Union zu einer ordentlichen "Stimmungsdelle" führen. Oder anders gesagt: Da wird es im Karton rappeln. Die Debatte um den "Reservekanzler" und die Wechselgerüchte von Düsseldorf nach Berlin werden dann sicher nicht leiser werden.

In der Fussball-Bundesliga, die ebenfalls an diesem Wochenende aus der Sommerpause zurückkehrt (mit sechs NRW Vereinen in der 1. Liga), gibt es ein Transferfenster. Das endet am 1. September, dann ist da erstmal bis zum Winter Ruhe beim Wechselthema. In der Politik hätten das manche womöglich auch ganz gern.

Dieser Text erscheint auch als Editorial in "18 Millionen - Der Newsletter für Politik in NRW". Jeden Freitag verschicken wir die Themen, die NRW bewegen - an politisch Interessierte, Aktive, Gewählte und Politik-Nerds. Hier können Sie den Newsletter kostenlos abonnieren.