Die Hunde der privaten Hundeführerin Andrea von Buddenbrock können regelrechte Wunderdinge vollbringen. Angeblich sollen sie der Geruchsspur eines Verdächtigen folgen können, auch noch viele Jahre z.B. nach einem Mord.
Ermittlungsbehörden in NRW setzen bei komplizierten Ermittlungen zu Kapitalverbrechen darum gerne auf die Dienste von Buddenbrocks. Nun hat aber die Staatsanwaltschaft Essen ein Ermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet. Bereits im Dezember fand nach Informationen des WDR-Magazins Westpol eine Hausdurchsuchung statt. Es soll dem Verdacht nachgegangen werden, ob Betrug im Spiel ist.
Werden die Hunde gelenkt?
Die Staatsanwaltschaft prüft den Recherchen zufolge, ob die Hundeführerin bei ihren Einsätzen für Polizeien und Staatsanwaltschaften ihre Auftraggeber getäuscht haben könnte. Es soll der Vorwurf im Raum stehen, dass ihre Hunde gar keiner Spur folgten, sondern von ihr gelenkt würden.
Bereits 2021 kam ein Gutachter in einem Gerichtsverfahren vor dem LG Heidelberg genau zu diesem Ergebnis. Im sogenannten „Paketbomber-Fall" analysierte er die Videos, die die Mantrailer-Suche der Hundeführerin zeigen. Von Buddenbrocks Anwalt spricht dem Gutachter auf Anfrage die Kompetenz ab, ihre Arbeit zu beurteilen.
Das Landgericht Heidelberg folgte seinem Gutachten aber vollumfänglich. Der Angeklagte in dem Fall, den die Spürhunde belastet hatten, wurde in der Folge freigesprochen. Er saß mehrere Monate in Untersuchungshaft.
Auf Anfrage bestreitet Andrea von Buddenbrocks Anwalt jede Täuschungsabsicht. Schriftlich teilt er mit: „Tatsache ist, dass man hier Phänomene, nämlich das Verhalten der Hunde, beobachten kann, die derzeit wissenschaftlich nicht zu erklären sind. Dies gilt aber auch für die Gravitation“
Hunde-Einsätze kosten mehrere tausend Euro
Für ihre Einsätze bekommt Andrea von Buddenbrock mehrere tausend Euro, z.B. in einem Fall der Staatsanwaltschaft Bochum knapp 4800 Euro. In einem anderen Fall aus Sachsen-Anhalt hat sie für 12 Einsatztage nach WDR-Informationen sogar mehr als 20.000 Euro in Rechnung gestellt.
In NRW ist die Hundeführerin bei zahlreichen Mordverfahren als Ermittlungshilfe gebucht worden. Etwa im Mordfall „Carina“. 2022 war die verbrannte Leiche einer 17-Jährigen in Iserlohn gefunden worden. Wochen später verfolgten die Hunde laut Bildzeitung den Geruch des Täters bis zu dessen Zelle im Gefängnis. Er saß nämlich bereits in Untersuchungshaft.
Hund soll Verdächtigen an Projektil erschnüffelt haben
Oder 2013 in Hamm, nachdem ein Mann in einer Tennishalle mit einem Schuss in den Kopf getötet worden war. Ein der Hunde soll den Geruch des Täters vom Projektil aufgenommen haben, das im Schädel der Leiche steckte.
Kai-Uwe Goss ist Umweltchemiker am Helmholtzzentrum für Umweltforschung
Bildquelle: WDR„Absolut unmöglich“, sagt dazu der Umweltchemiker Prof. Kai-Uwe Goss vom Helmholtz-Zentrum in Leipzig: „Ein Projektil wird beim Abschluss mehr als 900 Grad heiß. Das ist die Temperatur, die in Sondermüll-Verbrennungsanlagen benutzt wird, um jeden organischen Bestandteil restlos zu zerstören.“ Gerüche könnte solche Temperaturen schlicht nicht überdauern.
Auch die Polizei in NRW verfügt über Mantrailer-Hunde, die bei der Suche nach Verdächtigen zum Einsatz kommen. Allerdings nur, wenn die Geruchsspur nicht älter als 36 Stunden ist, alles andere sei unseriös. Das NRW-Justizministerium betont, dass trotzdem jede einzelne Staatsanwaltschaft frei bestimmen kann, welche Ermittlungsansätze sie für richtig hält.
Unsere Quellen:
- eigene Recherchen
- Gerichtsunterlagen
- NRW-Polizei
- Stellungnahme Andrea von Buddenbrock
Sendung: Westpol, 25.01.2026, 19:30 Uhr