Nach dem weitgehenden Stillstand des National Express-Betriebs am vergangenen Wochenende sind immer noch zehn Züge wegen hitzebedingter Schäden außer Betrieb. Das erklärte ein Vertreter vom Betreiber im NRW-Verkehrsausschuss. Das Unternehmen war zusammen mit den Verkehrsbetrieben VRR, Go Rheinland und NWL zu einer Aktuellen Viertelstunde im NRW-Verkehrsausschuss im Landtag eingeladen.
Parallel läuft die Fehlersuche weiter. Als gesichert gilt inzwischen, dass Ausfälle an den Kompressoren eine zentrale Rolle gespielt haben. Die Bauteile erzeugen die Druckluft, die für wichtige Funktionen wie Bremsen, Türen und Toiletten benötigt wird. Laut National Express versagten nicht nur einzelne Kompressoren. Auch die vorgesehenen Redundanzsysteme funktionierten nicht. Eigentlich sollten entweder andere Kompressoren im selben Zug übernehmen oder gekoppelte Fahrzeuge sich gegenseitig unterstützen.
Rekordhitze von 40 Grad machte Zügen zu schaffen
Auch ein vom Hersteller Siemens empfohlender Neustart der betroffenen Fahrzeuge konnte keine Abhilfe schaffen. So kam es auch zu dem Vorfall bei Bonn, bei dem ein Zug mit über 400 Fahrgästen auf freier Strecke liegen blieb und evakuiert werden musste. Nach dem Neustartversuch funktionierte dort auch die Klimaanlage nicht mehr.
Dieser Vorfall war letztlich ein Auslöser für die Einstellung des Betriebs. National Express betont, dass die Entscheidung vor allem aus Sicherheitsgründen getroffen wurde, um Fahrgäste und Mitarbeitende zu schützen. Hinzu kam jedoch, dass zeitweise rund ein Drittel der Flotte nicht mehr einsatzfähig war.
Siemens für Betrieb der Züge verantwortlich
Innerhalb von Siemens arbeitet inzwischen eine Task Force daran, die genaue Ursache zu finden. Dafür sollen die betroffenen Kompressoren unter anderem zerlegt und detailliert untersucht werden. National Express und die Aufgabenträger betonen, dass die Zusammenarbeit mit Siemens konstruktiv und eng sei. Gleichzeitig machten der VRR, Landtagsabgeordnete und NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) deutlich, dass Ausfälle in diesem Umfang bei modernen Fahrzeugen nicht akzeptabel seien. Siemens ist vertraglich für die Verfügbarkeit der Züge verantwortlich und steht nun in der Pflicht, die Ursache schnell zu finden und dauerhaft zu beheben, um seinen Vertrag zu erfüllen.
Unsere Quellen:
- Verkehrsausschuss im NRW-Landtag
- National Express
- VRR
Sendung: WDR 5, Westblick, 1.07.2026, 17 Uhr
