Nach Bekanntwerden der Vorwürfe über Drogenhandel und Bestechung in der JVA Willich I hat das NRW Justizministerium erklärt, warum es Parlament und Öffentlichkeit zunächst nicht über die Vorgänge informierte. In einem Bericht an den Rechtsausschuss heißt es zur Begründung, "dass der Vorfall sich auf einen einzelnen Beamten bezog und die Durchsuchung in der Justizvollzugsanstalt ergebnislos verlief".
Bereits am 13. Juli durchsuchte die Polizei deshalb das Gefängnis. Das Ministerium informierte darüber nach einem Bericht des "Kölner Stadtanzeiger" erst am 29. Juli.
Laut der Darstellung aus dem Ministerium verdächtigte die Staatsanwaltschaft Krefeld einen Beamten der JVA, in der Anstalt mit Drogen zu handeln und bestechlich zu sein. Deshalb durchsuchten am 13. Juli drei Beamte der Polizei Viersen zwei Spinde und einen abschließbaren Schrank des Mannes in der JVA. Gefunden wurde dabei nichts.
Schränke und Privatwohnung durchsucht
Gleichzeitig wurde auch die private Wohnung des Mannes durchsucht. "Erkenntnisse über das Ergebnis der Wohnungsdurchsuchung lägen der Leiterin der Justizvollzugsanstalt nicht vor", heißt es dazu. Die Staatsanwaltschaft Krefeld hatte am Mittwoch von zwei Beschuldigten gesprochen.
Dass das Ministerium erst zwei Wochen nach den Durchsuchungen das Parlament und die Öffentlichkeit informierte, hatte für Kritik der Opposition gesorgt. "Den Vorwurf einer gezielten Vertuschung weisen wir zurück. Es war an keiner Stelle beabsichtigt, diese Information bewusst zurückzuhalten", teilte ein Sprecher des Justizministeriums daraufhin mit.
SPD nennt Minister "führungsschwach"
Alles also halb so wild also? Elisabeth Müller-Witt (SPD) bleibt bei ihrer Kritik: "Der Bericht relativiert den konkreten Verdacht gegen einen Beschäftigten in der JVA Willich, nicht aber das Versäumnis des Ministers."
Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) habe in den Sondersitzungen des Rechtsausschusses am 15. und 23. Juli gleich zweimal die Gelegenheit gehabt, über die Durchsuchung am 13. Juli zu informieren. "Anschließend seine Staatssekretärin um Entschuldigung bitten zu lassen, obwohl er selbst die politische Verantwortung trägt, bleibt führungsschwach", so Müller-Witt.
Ministerium will Abläufe verbessern
In seinem Bericht räumt das Justizministerium ein, dass es "angezeigt gewesen" sei, den Landtag über die Durchsuchungen am 13. Juli zu informieren. "Das Ministerium analysiert vor diesem Hintergrund seine internen Prozesse und Strukturen, um eine umfassende Information des Parlaments sicherzustellen", heißt es dazu.
Die Durchsuchung in Willich reiht sich ein in weitere Fälle von Korruptionsverdacht in Gefängnissen in NRW.
Unsere Quellen:
- Bericht des Justizministeriums an den Rechtsausschuss im Landtag
- Zitate Sprecher Justizministerium
- Zitate Elisabeth Müller-Witt
Sendung: WDR.de, Ministerium erklärt Informationspolitik zur JVA Willich, 30.07.2026, 11:58 Uhr
