Eine Person mit Helm und Weste der Polizei, kniet vor zwei Karton und zielt mit einer Waffe auf Ziele

Ein Polizist beim Training

Traumjob bei 110 Weiter hohe Bewerberzahlen bei der Polizei in NRW

Stand:

Obwohl es in diesem Jahr weniger Abiturienten in NRW gibt, wollen nach wie vor viele zur Polizei. Doch es gibt auch Kritik.

Wegen der Umstellung vom Abi nach acht auf das Abitur nach neun Jahren gibt es in diesem Jahr rund 60 Prozent weniger Abiturienten. Trotz dieser doch eher angespannten Lage wollen auch in diesem Jahr wieder vergleichsweise viele junge Menschen in NRW Polizist oder Polizistin werden. Das zeigen aktuelle Zahlen aus dem Innenministerium.

2025 haben sich rund 10.900 Menschen beworben, in diesem Jahr sind es nach WDR Informationen 10.160. Das sind zwar geringfügig weniger als im Vorjahr. Aber angesichts der Tatsache, dass es wesentlich weniger potenzielle Bewerber gibt, nennt das NRW-Innenministerium den Wert "erfreulich".

Auch alternativer Einstieg in den Polizeiberuf beliebt

Eine Arena voller Kommissarsanwärter. Sie alle schmeißen ihre Mützen in die Luft.

Für viele Anwärter ist das traditionelle Mützenwerfen ein besonderer Augenblick

Seit 2022 können hier in NRW auch Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss - also nach der zehnten Klasse - den Weg zum Polizeiberuf einschlagen. Über den sogenannten Bildungsgang der Fachoberschule Polizei machen sie in zwei Jahren im Grunde das Fachabitur "Polizei", an das sich dann, wie beim "klassischen" Weg auch, das dreijährige duale Bachelorstudium anschließt.

Im vergangenen Jahr wollten diesen Weg rund 3.650 junge Menschen einschlagen, in diesem Jahr sind es gut 3.900. Höhepunkt war 2024, da hatten sich mehr als 4.000 Menschen beworben.

"Wer Polizist werden möchte, muss einiges leisten." NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Die Auswahl ist einigermaßen hart. Bei einem dreitägigen Auswahlverfahren müssen sich die Bewerberinnen und Bewerber charakterlich, sportlich und intellektuell beweisen: Bei einem umfangreichen, computergestützten PC-Test, einer ärztlichen Untersuchung und einem Assessment-Center. In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und Grüne vereinbart, jährlich 3.000 Polizeikräfte einzustellen.

Mehr als 600 Anwärter sprangen ab

Ein Problem ist allerdings, dass während der dreijährigen Ausbildung auch relativ viele Anwärter ausscheiden. Für den Jahrgang 2023, der in diesem Jahr die Ausbildung beendet, haben mehr als 600 das duale Studium nicht beendet. Für NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ist das wenig überraschend. Er sagt: "Dass es Leute gibt, die im Studium merken, dass der Polizeiberuf nichts für sie ist, ist normal. Damit rechnen wir. Ein Job bei der Polizei ist nicht wie jeder andere. Polizisten haben das Gewaltmonopol des Staates, sind bewaffnet und können in die Grundrechte eingreifen."

Wie werden Polizisten ausgebildet?

18 Millionen. Der Podcast für Politik in NRW 31.07.2026 27:56 Min. Verfügbar bis 30.07.2031 WDR Online

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Gewerkschaft kritisiert mangelnde Ausbildungskapazitäten

Einsatzhundertschaft der Polizei bei Demonstration am 1. Mai in Berlin.

Großeinsatz: ein Fall für die Bereitschaftspolizei

Patrick Schlüter ist Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und begrüßt grundsätzlich, dass die Landesregierung jährlich 3.000 neue Polizistinnen und Polizisten einstellen will. Allerdings habe die Landesregierung damit zwar "A", aber nicht "B" gesagt. Weder beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP), das zuständig ist für das praktische Training der Polizeianwärter, noch an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung seien die Kapazitäten entsprechend aufgestockt worden.

Das habe zur Folge, dass in Seminaren und Kursen deutlich mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer säßen, die individuelle Betreuung also geringer geworden sei. Aus seiner Sicht sei das mit ein Grund dafür, dass viele die Ausbildung abbrechen würden.

"Echter Beruf ist anders als im ARD-Tatort." Patrick Schlüter, Vorsitzender Gewerkschaft der Polizei (GdP) NRW

Die Gründe, warum angehende Polizisten und Polizistinnen ihre Ausbildung abbrechen, können vielfältig sein. Patrick Schlüter von der GdP spricht von bis zu 25 Prozent. Aus dem Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten heißt es dazu: "Grundsätzlich liegen die genannten Zahlen im Bereich von vergleichbaren dualen Studiengängen. Teilweise stellen die Studierenden während der Ausbildung bzw. des Studiums fest, dass der Beruf nicht den anfänglichen Vorstellungen entspricht und brechen aus eigener Motivation ab. Es kommt zudem vor, dass im Laufe des Studiums festgestellt wird, dass Beamtinnen oder Beamte auf Widerruf nicht den vielfältigen Anforderungen entsprechen und Prüfungen auch bei Wiederholungsmöglichkeiten nicht bestanden werden".

Unsere Quellen:

  • LAFP NRW
  • eigene Recherche
  • Innenministerium NRW
  • Gewerkschaft der Polizei NRW

Sendung: WDR.de, "Wie werden Polizisten ausgebildet?" (Podcast 18 Millionen), 31.07.2026, 13:49 Uhr

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