Schülerstreiks gegen die Wehrpflicht | Video

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WDR 00:46 Min. Verfügbar bis 08.05.2028

Schulstreik in NRW gegen Wehrdienst

"Kein Bock auf den nächsten Krieg"

Stand:

Zum dritten Mal sind in NRW Schüler gegen eine mögliche Wehrpflicht auf die Straße gegangen und haben dafür die Schule ausfallen lassen. Was sie antreibt - und welche Rolle linksextreme Gruppen spielen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Demonstrationen in mehreren NRW-Städten gegen Wehrdienst, größte Veranstaltungen in Köln und Bielefeld
  • Meist weniger Teilnehmende als angemeldet
  • Welche Rolle linksextreme Gruppierungen spielen

In mehreren NRW-Städten sind am Freitag Schülerinnen und Schüler auf die Straße gegangen, um gegen den neuen Wehrdienst zu protestieren - viele der Protestierenden fürchten, dass der zu einer Wehrpflicht werden könnte.

So sah der Protest gegen den Wehrdienst in Düsseldorf aus. | Bildquelle: DFA/Peter Wirth

Am Morgen versammelten sich in Düsseldorf etwa 80 Protestierende. Es waren vor allem Fahnen von linken Gruppen wie "Rebell" zu sehen, dem Jugendverband der Marxistisch Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD), aber auch von der Linken oder dem BSW.

"Das Land hat vor allem während Corona so wenig für uns Jugendliche gemacht", sagt der 18-jährige Schüler Basco - er fürchtet, dass es wieder zu einer Wehrpflicht kommt: "Und dass jetzt erwartet wird, dass wir in einen potentiellen Krieg ziehen, das seh ich einfach nicht ein.

In Aachen trafen sich Protestierende am Elisenbrunnen, die Demo blieb aber auch hier überschaubar. "Wir sind gegen den Wehrdienst, gegen eine Wehrpflicht, gegen die Musterung und gegen solche Umfragen, die verpflichtend sind", sagte Gymnasiast Jasper Heßling mit Blick auf die Fragebögen zur Musterung, die jeder 18-jährige Mann jetzt ausfüllen muss. Weitere Schulstreiks gab es in Münster, Bonn und Siegen. In Bielefeld fand eine der größeren Aktionen rund 500 Teilnehmern statt - auch in Köln waren laut Polizei rund 500 Menschen dabei.

Rihana, 19 Jahre, demonstriert in Essen gegen den Wehrdienst - sie fürchtet, es wird auch eine Wehrpflicht kommen. | Bildquelle: WDR/Nicole Noetzel

In Essen kamen laut einem WDR-Reporter vor Ort rund 150 Demonstrierende zusammen. Schülerin Rihana sagte: "Die Wehrpflicht nimmt den Jugendlichen die Wahl". "Die Regierung sollte viel mehr Geld in Bildung und das Schulsystem stecken. Wir fühlen uns so überhaupt nicht repräsentiert.“

Demonstranten befürchten Wehrpflicht

Der Protest wendet sich gegen das neue Gesetz zum Wehrdienst, das seit Anfang des Jahres gilt. Es sieht eine verpflichtende Musterung für junge Männer vor, die nach dem 1. Januar 2008 geboren wurden. Seit Januar bekommen diese Männer einen Fragebogen von der Bundeswehr geschickt, den sie ausfüllen müssen. Frauen sind dazu nicht verpflichtet.

Die Teilnehmer des Schülerstreiks protestieren in Bielefeld. | Bildquelle: Theo Knepper

Der Wehrdienst selbst soll demnach allerdings freiwillig bleiben, solange sich genügend Menschen finden, die zur Bundeswehr kommen. Falls nicht, steht eine Reaktivierung der Wehrpflicht im Raum, die seit 2011 ausgesetzt ist. Die Gesetzesänderung ist vor allem eine Reaktion auf die Bedrohung durch Russland, da die EU die Verteidigungsfähigkeit erhöhen will.

Symbolischer Tag für den Protest

Ganz bewusst lag der Protest am Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands und dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Organisatoren des Aktionstages wollten an diesem Tag mit allen auf die Straße gehen, "die kein Bock auf Wehrpflicht und den nächsten großen Krieg haben", hieß es im Demo-Aufruf.

"Es ist wichtig, dass wir nicht wieder eine große Militärmacht aufbauen", sagte Jasper Heßling in Aachen dazu. Denn Deutschland konnte 1945 zwar nur durch die alliierten Soldaten befreit werden - aber: "Ohne Militär wäre es auch nie so weit gekommen", so Heßling.

Schulstreik am 8. Mai: Bundesweiter Protestaufruf gegen Wehrdienst

Zu den Protestaktionen wurde bundesweit aufgerufen. In NRW unterstützt unter anderem die Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW) die Schulstreikaktion und beteiligte sich an der Organisation.

"Wir lehnen nicht nur die Wiedereinführung der Wehrpflicht ab, sondern auch schon den Fragebogen, der an Schüler rausgeschickt wird", sagt Miguel Beck vom Vorstand des LSV NRW. "Wir sind gegen jede Form des Kriegs-Euphemismus und gegen Militärisierungsversuche der Jugend." Daher ist der LSV NRW auch dagegen, dass Jungoffiziere in Schulklassen über die Bundeswehr aufklären.

"Wir sollten lernen, soziale Verantwortung zu übernehmen, anstatt zu lernen zu töten" Miguel Beck, Landesvorstand Landesschüler*innenvertretung NRW

NRW-Verfassungsschutz: "Beeinflussung durch Linksextremisten zu konstatieren"

In Dortmund ziehen gut 300 Demonstranten über den Dortmunder Wall. | Bildquelle: Christof Voigt

Neben Schülern, die sich gegen die Musterung und einen möglichen Wehrdienst wehren wollen, mischten sich aber offenbar auch andere Strömungen in den Protest: Eine Recherche des Hessischen Rundfunks (hr) hat ergeben, dass an vielen Orten in Hessen und anderen Bundesländern linksextreme Gruppen wie die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) maßgeblich auf die Proteste einwirken.

"Es kann niemand gehindert werden, sich zu engagieren", sagte Johannes Schorn aus dem Landesvorstand des LSV NRW dazu am Freitagmorgen im WDR 5-Morgenecho. "Was mir wichtig ist zu betonen: Es ist dezentral organisiert." Die Schulstreik-Komitees an den einzelnen Schulen seien unabhängig.

Bei den Protesten in NRW waren viele Fahnen und Banner auffällig, die rote Sterne und ähnliche Symbole zeigen. Auch das Logo von Organisationen wie dem Sozialistisch Demokratischen Studierendenverband (SDS) war mehrfach zu sehen. "Kampf dem Kapital bis der Frieden siegt", ist zum Beispiel ein Slogan, der in Düsseldorf skandiert wurde.

Schulstreiks gegen eine drohende Wehrpflicht

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WDR 08.05.2026 00:53 Min. Verfügbar bis 07.05.2028 WDR Online

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Eine Sprecherin des NRW-Verfassungsschutzes erklärte dem WDR, beobachtete Organisationen wie die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), Deutsche Kommunistische Partei (DKP) oder die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) würden für die Veranstaltungen mobilisieren und träten teils als Anmelder auf. Es sei "auch für NRW eine Beeinflussung des Bündnisses "Nein zur Wehrpflicht" durch Linksextremisten zu konstatieren".

Wie stehen junge Menschen zur Wehrpflicht und zum Wehrdienst?

In einem ZDF-Politbarometer des vergangenen Jahres lehnte mehr als die Hälfte der 18-bis 34-Jährigen die Wiedereinführung der Wehrpflicht ab. Sie sehen die Wehrpflicht also durchaus kritisch.

Wehrpflicht ist aber eben etwas anderes als der neue Wehrdienst. Und bei dem zeigt die jährliche Bevölkerungsbefragung im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums einen anderen Trend als die ZDF-Befragung: 41 Prozent der 16 bis 29-Jährigen gaben dort an, der neue Wehrdienst sei absolut notwendig, 30 Prozent sprachen sich dagegen aus.

An den bisherigen zwei Demos, wie hier in Bielefeld, nahmen tausende junge Menschen teil | Bildquelle: WDR/Arndt Möller

Studienleiter Timo Graf erklärte im WDR 5-Morgenecho: "Eine Mehrheit der Männer wäre bereit zu kämpfen." 54 Prozent aller befragten Männer gaben an, sie würden auch persönlich kämpfen. Bei den Frauen sind es 21 Prozent. Bei jüngeren Männern ist die Quote im Vergleich zu allen befragten Männern etwas geringer: Bei den Befragten bis 29 Jahre waren 45 Prozent kampfbereit. Mit Blick auf die Proteste meint Graf: "Sind die stellvertretend für alle jungen Menschen? Sicherlich nicht."

"Wir vertreten auch Schüler, die für ihr Land sterben wollen", sagt Miguel Beck von der LSV NRW. "Aber wir sehen uns vor allem in der Verantwortung, alle Seiten abzubilden. Und wir treten dafür ein, dass junge Menschen sich ihre Meinung bilden und individuelle Entscheidungen treffen können." Auch wenn sie als LSV NRW gegen die Wehrpflicht seien, würden sie keinem Schüler diese Meinung aufzwingen.

Schulstreik-Teilnahme könnte Strafen nach sich ziehen

Die Protestform des Schulstreiks ist dabei eigentlich nicht zulässig. Schüler, die an Schulstreiks teilnehmen, verstoßen gegen das Landesschulgesetz. Zwar ist das Recht, an öffentlichen Versammlungen teilzunehmen, vom Grundgesetz geschützt - jedoch wird dieses Grundrecht durch die Schulpflicht eingeschränkt. Es ist eine Diskussion, die noch aus den Hochzeiten der Fridays for Future-Proteste nachklingt.

"Viele Schüler*innen möchten ihre Meinung zur Militarisierung Deutschlands äußern. Dieses Engagement zu sanktionieren, statt das Interesse an gesellschaftlichen Prozessen zu fördern, widerspricht dem Bildungsauftrag von Schule", findet dagegen der LSV NRW.

Streiks am 8. Mai in NRW:

  • Aachen, 11 Uhr, Elisenbrunnen
  • Bielefeld, 10:30 Uhr, Jahnplatz
  • Bochum, 9 Uhr, Rathaus 
  • Bonn, 11 Uhr, Poppelsdorfer Allee 
  • Dortmund, 12 Uhr, Hauptbahnhof
  • Düsseldorf, 9 Uhr, Oberbilker Markt
  • Essen, 10 Uhr, Burgplatz
  • Gelsenkirchen, 10 Uhr, HKP
  • Hagen, 9 Uhr, Rathausplatz Witten
  • Heinsberg, 17 Uhr, Geilenkirchen Markt
  • Köln, 11 Uhr, Heumarkt
  • Münster, 10 Uhr, Hauptbahnhof
  • Oberhausen, 10 Uhr, Hauptbahnhof
  • Paderborn, 10:30 Uhr, Herz-Jesu-Kirche
  • Siegen-Wittgenstein, 13 Uhr, Kornmarkt 
  • Stolberg, 11 Uhr, Elisenbrunnen
  • Witten, 9 Uhr, Rathausplatz
  • Wuppertal, 9 Uhr, Hauptbahnhof 

Mehr als jeder Vierte schickt Musterungs-Fragebogen nicht zurück

Rund 194.000 junge Männer haben den neuen Fragebogen bekommen und müssen antworten. Mehr als jeder Vierte davon hat das dennoch nicht getan - das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland gestern unter Berufung auf Bundeswehrkreise.

Über die Gründe ist nichts bekannt. Bleibt das Schreiben auch nach weiteren Fristen unbeantwortet, plant das Verteidigungsministerium offenbar ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Miguel Beck vom LSV NRW
  • Hessischer Rundfunk
  • ZDF-Politbarometer
  • NRW-Verfassungsschutz
  • WDR-Reporter vor Ort
  • WDR-Archiv
  • Schulministerium NRW
  • Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW)
  • Initative "Schulstreik gegen Wehrpflicht"

Sendung: WDR Radio, WDR 5-Hörfunknachrichten, 08.05.2026, 10 Uhr
Sendung: WDR.de, Schülerstreiks gegen die Wehrpflicht, 08.05.2026, 17:15 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Franziska 1 10.05.2026, 23:17 Uhr

    Drei Viertel haben ein Bundeswehr- Formular ausgefüllt, die Hälfte davon hat angeblich signalisiert, dass sie den (6 Monate?) angebotenen Wehrdienst machen. Auch bei der Jugend gibt es unterschiedliche Meinungen. Kein Bock zum Wehrdienst zu haben, aus welcher Schicht an Familie kommen sie? Es gibt die Jugend mit den sogenannten Helikopter- Eltern, die akzeptieren keine Befehle von anderen Menschen. Es gibt die Jugend, die berufliche Perspektive benötigen, lassen sich militärisch Ausbilden und hoffen dann auf eine gute berufliche Tätigkeit außerhalb der BW. Trotzdem werden bei der Bundeswehr einige bleiben, auch mit Eid. Eine Bundeswehr muss auch vorab disponieren können wegen Kasernen, kurz gesagt allgemein die Logistik für den Betrieb. Wer kein Formular ausfüllt darf sich nicht wundern, wenn irgendwann ein weiteres Bedarfs- Formular kommt, zum Bsp. die Wehrpflicht. Wobei es die Option geben wird zum sozialen Dienst. Ich unterstütze Krieg? Nein, aber Vorsorge im Falle eine Falles!

  • Name unterdrückt (Netiquette-Verstoß) 10.05.2026, 21:43 Uhr

    Hier wird aus einer Mücke von den naiven rotgrünen WDR-Kids wieder versucht, mit GEZ-Kohle realitätsblind eine Mücke zum Phantom aufzublasen. Tatsächlich hat an Demos im Ergebnis total nichts statt gefunden ! WDR ist nur noch unbedarfte kindliche Kinderkacke, grüne Kita auf Klippschul-und Luisa-Niveau ! Armer WDR ! Aber die Milliarden GEZ kommen ja trotzdem !

    • WDR.de 11.05.2026, 15:17 Uhr

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Inhaltlich ist es so, dass zum dritten Mal in NRW Schüler gegen eine mögliche Wehrpflicht auf die Straße gegangen sind. In Bielefeld fand beispielsweise eine der größeren Aktionen mit rund 500 Teilnehmern statt und auch in Köln waren laut Polizei rund 500 Menschen dabei. In Hamburg etwa nannte die Polizei eine Teilnehmerzahl von 2.300, die Veranstalter von 6.000. In Berlin sprach die Polizei von 1.200 Teilnehmenden, die Veranstalter von 5.000. Mehr Information dazu finden Sie auch hier: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/wehrpflicht-proteste-wehrerfassung-100.html Wir schätzen die Diskussion und den Austausch, doch bitte bleiben Sie bei Ihrer Kritik sachlich, respektvoll und im Rahmen unserer Netiquette: https://sale-store.site/hilfe/kommentarregeln100.html

  • Paul S. 10.05.2026, 17:59 Uhr

    Es ist zwar nachvollziehbar, dass die Jugend keinen Bock hat für einen Wehrdienst, jedoch die Welt hat sich mit Nah- Kriege sehr verändert, damit kommt ein Teil der Jugend nicht zurecht. Verständlich, sie stammen von Eltern die bestimmt ihnen jeden Wunsch erfüllten. Viele Jahre drehte es sich überwiegend nur um die Jugend, auf einmal werden sie selbst gefordert. Bei den Demos erwarten sie das andere Hände die vorhandene Herausforderung mit all den Krisen- Problemen löst, also nur die Regierung? Der vorher so genannte Nanny-Staat für die Jugend hat jetzt Folgen. Jeder der Rechte beansprucht hat auch Pflichten für den Staat. Ältere Menschen können daran nun wenig ändern, es muss jeder wissen mit freier Entscheidung, zu was er bereit ist. Freiheit gibt es nicht zum Nulltarif, jeder muss Mal Verantwortung übernehmen auch die Jugend ab 18 Jahren.