Hitzebelastung : Hier ist sie besonders groß - und das können Städte dagegen tun
Stand:
Fast 7,5 Millionen Menschen in NRW leben in besonders hitzebelasteten Bereichen. Oft sorgt die Art der Bebauung für regelrechte Hitzestaus. Das Landesumweltamt hat detaillierte Karten dazu - und Verbesserungsvorschläge.
Seit vielen Tagen ächzt NRW unter der Hitze. Wer eher ländlich lebt, findet vielleicht noch etwas Abkühlung im Garten, im Wald oder an einem See. In den Städten aber staut sich vielerorts die brütende Hitze. Kein Lüftchen weht, der Asphalt scheint zu kochen.
Bis zu 75 Prozent der Bevölkerung in Städten betroffen
In Bereichen, die besonders zugebaut sind, ist die Situation extrem. Hier gibt es in diesen Tagen auch nachts kaum Abkühlung. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) hat analysiert, wie viele Menschen in NRW in "Bereichen mit dringendem Handlungsbedarf" leben. Besonders in den größeren Städten betrifft das teils richtig viele Menschen: In Köln 75 Prozent der Bevölkerung, in Düsseldorf 76 Prozent, in Duisburg und Hamm mehr als 60 Prozent.
Im Sauerland dagegen ist die Situation entspannter: In Regionen wie rund um Winterberg lebt niemand in einem "Bereich mit dringendem Handlungsbedarf", selbst in Siegen sind es nur gut zehn Prozent. Hier fungieren die Wälder und Wiesenflächen als natürliche Lungen.
"Dringender Handlungsbedarf" besteht laut LANUK überall dort, wo sehr viel Beton verbaut wurde, wo sich in hohen Häuserschluchten die Hitze staut, wo es wenig kühlende Elemente gibt. Und wo in tropischen Nächten eben auch keine Abkühlung mehr möglich ist.
Über die Einwohnerdaten aus dem Zensus 2022 hat das Umweltamt dann ermittelt, wie viele Menschen in diesen Bereichen leben. Demnach sind fast 7,5 Millionen Menschen in NRW betroffen.
Kommunen können handeln
Hitzeperioden wie die aktuelle wird es laut Prognosen wegen des Klimawandels in den kommenden Jahren immer häufiger geben. Was aber können Kommunen tun, um sich besser dafür zu wappnen, um die Lebenssituation für Millionen Einwohner bei Hitze zu verbessern?
Versiegelte Flächen führen zu Hitzestaus
Diese besonders hitzebelasteten Bereiche entstünden vor allem dort, wo die Städte ungünstig gestaltet sind, sagt Nicole Kauke, die das Fachgebiet Klimaatlas und Kommunalberatung beim LANUK leitet: Dichte Bebauung, hohe Versiegelung der Bodenflächen, wenig Grün. Dementsprechend könnten Kommunen schon viel tun, indem sie Grünflächen besser verteilen und Plätze entsiegeln - statt Asphalt oder Betonplatten regendurchlässige Rasengittersteine.
Frischluftschneisen sind oft zugebaut
Vor allem bei der Stadtplanung könnten Kommunen besser werden, sagt Kauka: Indem sie Frischluftschneisen - also Bereiche, in denen frische Luft aus dem Umland in die Stadt strömen kann - freilassen und nicht zubauen. "Keine Querriegel, sondern parallel zur Strömung ausgerichtet". Häufig reiche es schon, wenn ein Gebäudekomplex leicht versetzt oder gedreht geplant wird, um kühlende Luftströme nicht zu blockieren.
Frischluftschneisen und Pocketparks: Nicole Kauke
Neben Frischluftschneisen seien auch Grünflächen ein wichtiges Element, um Entlastung zu schaffen in Hitzesituationen. Manche Brache könne dazu genutzt werden. Sogenannte Pocketparks - Mini-Grünflächen - könnten das Mikroklima in der unmittelbaren Umgebung positiv beeinflussen.
Was tun mit vorhandener Bebauung?
Eine Fassade wird gezielt begrünt
Vorhandene Gebäude kann man natürlich nicht einfach abreißen - auch, wenn sie ungünstig stehen und zu Hitzestaus beitragen. In solchen Fällen könne es helfen, Fassaden heller zu gestalten: Dunkle Oberflächen laden im Sommer deutlich mehr Hitze auf, die sowohl in den Außenraum abstrahlt, als auch das Gebäudeinnere aufheizt. Auch eine nachträglich angebrachte Außenverschattung oder Fassadenbegrünung könne die Temperaturen im Gebäudeinneren reduzieren.
Erfreulich sei, sagt Kauke, dass viele Kommunen sich der Situation bereits bewusst seien und auch Hitzeaktionspläne aufgestellt hätten. Das fange an mit Kommunikation - viele Städte geben auf Social Media Tipps, wie sich die Bewohner bei der Hitze am besten verhalten - bis hin zu Sonnensegeln auf öffentlichen Plätzen oder Vaporisatoren, die Sprühnebel verbreiten.
Detaillierte Klimakarten zum Stöbern
Das LANUK bietet auf seinen Seiten umfangreiche Informationen für Stadtplanung und Architektur. Spannende Karten zeigen Klimaanalysen bis in einzelne Straßen NRWs. Auf der Karte "Betroffenheitsanalyse" werden Stadträume angezeigt, in denen eine erhöhte thermische Belastung mit einer erhöhten Sensitivität der Bevölkerung gegenüber Hitze zusammenfällt: Hier befinden sich zum Beispiel Altenheime oder Grundschulen.
Unsere Quellen:
- Zahlen des LANUK
- Interview mit Nicole Kauke, Fachgebietsleiterin Klimaatlas und Kommunalberatung beim LANUK
- Klimaatlas NRW
Sendung: WDR 5, WDR aktuell, Wo NRW besonders hitzebelastet ist, 25.06.2026, 06:00 Uhr
