Grünphasen, Schulwege: Wo stehen Leute, die zu Fuß gehen?

Aktuelle Stunde 11.08.2025 25:51 Min. UT Verfügbar bis 11.08.2027 WDR Von Sebastian Auer

Weniger Stress an der Fußgänger-Ampel

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Die Grünphasen von Fußgänger-Ampeln sollen länger werden. Das fordern Verbände in NRW. Einige Sädte testen bereits neue Konzepte.

Nach einem Unfall in Aachen, bei dem ein Schüler an einer Kreuzung überfahren und getötet wurde, reichte es dem NRW-Verkehrsminister. Er wolle nun Vorfahrt für Fußgänger, notfalls "auch zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs". Bis heute sei der Ampelbetrieb "häufig ausschließlich an den Bedürfnissen des Autoverkehrs" orientiert, kritisierte der Minister.

Die Forderung klingt aktuell, ist aber bereits jahrzehntealt. Die Zitate stammen nicht etwa vom aktuellen NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne), sondern von Franz-Josef Kniola (SPD), nachzulesen in der SPIEGEL-Ausgabe 36/1991.

Längere Grünphasen für Fußgänger

Seitdem sind 34 Jahre vergangen, doch geändert hat sich offenbar wenig. Die Forderungen nach mehr Sicherheit für Fußgänger im Straßenverkehr sind auch heute noch zu hören, etwa von der Landesseniorenvertretung NRW: "Unser ganzes Verkehrssystem ist schon eher auf Autos zugeschnitten", kritisiert deren Vorsitzender Karl-Josef Büscher gegenüber dem WDR.

Karl-Josef Büscher

Karl-Josef Büscher kämpft für längere Grünphasen

Bildquelle: WDR

Er fordert deshalb mehr Rücksicht und Verständnis von allen Seiten, besonders auch an den Ampeln im Land. Denn deren Grünphasen seien gerade für Senioren oder Menschen mit Einschränkungen oft zu kurz. "Wir als Seniorenvertretung kämpfen dafür, dass diese Phasen länger werden, damit die Leute auch mit einem sicheren Gefühl rüberkommen."

Mit 1,2 Metern pro Sekunde über die Straße

Wie fast alles in Deutschland ist auch die Geschwindigkeit geregelt, mit der Fußgänger eine Kreuzung überqueren sollten. Diese liegt laut den "Richtlinien für Lichtsignalanlagen" (RiLSA) zwischen 1,2 und 1,5 Metern pro Sekunde. Auf diese Geschwindigkeit sind viele Ampel-Grünphasen für Fußgänger ausgerichtet. Wer länger braucht, riskiert ein Umspringen auf Rot während der Überquerung - was aber grundsätzlich kein Problem sein sollte.

Denn nach dem Umspringen der Fußgängerampel beginnt eine sogenannte "Schutzzeit", in der Auto- und Fußgängerampel auf Rot stehen. Sie ist häufig länger als die Grünphase und soll es Fußgängern erlauben, noch die Straße zu überqueren.

Verunsicherung bei Fußgängern groß

Doch viele Menschen wären schon beim Umspringen der Ampel verunsichert, erklärt Karl-Josef Büscher von der Landesseniorenvertretung - und meint damit nicht nur Senioren. "Es gibt natürlich auch Kinder, die vielleicht nicht so flott sind." Er fordert deshalb eine längere Grünphase für Fußgänger. Autofahrer müssten dafür nur wenig länger an den Ampeln warten. "Wir sprechen über wenige Sekunden im Grunde genommen", so Büscher.

"Längere Grünzeit ist weniger Stresszeit", meint auch Ferry Weber, FDP-Politiker und Sprecher des Düsseldorfer Fuß e.V. Die Autofahrer könnten ja auch etwas länger Grün bekommen. Aber: "Die Fußgänger sind das schwächste Glied in der Verkehrskette. Und die schwächsten Verkerhsteilnehmer sollten am meisten geschützt werden", so Weber.

Kommunen testen verschiedene Konzepte

Aber können die Ampel-Zeiten einfach geändert werden? Die "Richtlinien für Lichtsignalanlagen" (RiLSA) enthalten zwar verschiedene bundesweit gültigen Vorgaben und Empfehlungen für Ampelanlagen, die konkrete Festlegung etwa der Grünphasen erfolgt aber durch die zuständige Straßenverkehrsbehörde. Die Kommunen können bei Ampelschaltungen also selbst aktiv werden - und sind dabei schon auf die eine oder andere kreative Idee gekommen:

Radfahrer und Autos an einer Kreuzung in Hamm. Die Ampel zeigt Grün für den Radfahrer

Erste deutsche KI-Ampel in Hamm

Bildquelle: Lars Faulenbach/WDR

In Hamm wurde im Frühjahr 2023 Deutschlands erste KI-Ampel in Betrieb genommen. Sie soll Radfahrer und Fußgänger frühzeitig erkennen und mithilfe einer "Künstlichen Intelligenz" berechnen, wann sie an der Ampel ankommen und ihnen dann schneller Grün anzeigen.

Die Städte Köln und Wuppertal probieren an einigen Kreuzungen das "Rundum-Grün-Konzept". Dabei erhalten Fußgänger an Kreuzungen gleichzeitig aus allen Richtungen Grün. Teilweise ist dabei auch das "Diagonalqueren" möglich, bei dem die Kreuzung nicht nur rechtwinklig, sondern auch diagonal überquert werden kann. Verbreitet ist dieses Konzept unter anderem in Kanada oder auch Japan. In den Niederlanden ist es für Fahrräder als "Alle Fietsers Tegelijkertijd Groen" (AFTG) bekannt.

In Solingen zeigt eine Ampel allen (ungeduldigen) Fußgängern an, wie lange sie noch warten müssen. Die "Countdown-Ampel" soll die Fußgänger davon abhalten, bei Rot über die Straße zu gehen. Ähnliche Ampeln sind schon bundesweit in vielen Städten im Einsatz.

Einige dieser Ampeln zeigen auch die Zeit der aktuellen Grünphase an. Verbreitet ist diese Technik unter anderem in Kanada, weiß Ingrid Anne Frunzke vom Seniorenrat der Stadt Düsseldorf: "Dort zeigen viele Ampeln den Fußgängern an, wie viele Sekunden noch Grün ist. So kann man selbst einschätzen, ob man noch losgehen möchte oder lieber auf die nächste Phase wartet." Das könne auch für Deutschland ein Vorbild sein, so Frunzke.

Umstellung nicht überall einfach

Doch noch gibt es relativ wenige dieser neuen Ampeln in Deutschland. Und das hat nicht nur Kostengründe. Verkehrsexperten weisen darauf hin, dass allein eine Änderung der Grünphasen große Auswirkungen auf das Schaltungskonzept einer ganzen Kommune haben kann. Änderungen in diesem Bereich könnten also auch wieder Jahre dauern - hoffentlich keine weiteren 34.

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Über das Thema berichten wir am Montag (11.08.) unter anderem in WDRaktuell um 12:45 Uhr und in der Aktuellen Stunde um 18:45 Uhr.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Karl-Josef Büscher (Landesseniorenvertretung  NRW)
  • NRW-Verkehrsministerium
  • Gespräch mit Ingrid Anne Frunzke (Seniorenrat Düsseldorf)
  • Gespräch mit Ferry Weber (Fuß e.V.)

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