Die Landesregierung verstärkt den Kampf gegen großangelegten Steuerbetrug und andere Finanzkriminalität. Schon im vergangenen Jahr wurde dafür ein neues Landesamt (LBF) gegründet. Das hat jetzt noch eine neue Zentrale in Düsseldorf bekommen. Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) hat sie am Freitag vorgestellt.
Großeinsätze gegen Steuerbetrüger werden in Düsseldorf koordiniert
"Gegenüber dem normalen Bürger wollen wir zeigen, dass der Ehrliche nicht der Dumme ist", sagte Optendrenk bei der Vorstellung: "Und auf der anderen Seite wollen wir möglichst viel von dem Steueraufkommen reinholen, weil wir das zur Finanzierung des Gemeindewesens brauchen."
Finanzminister Optendrenk und die Behördenleitung des LBF
Bildquelle: WDR / Benjamin SartoryHerzstück des Neubaus ist ein Lagezentrum. Darin sollen zum Beispiel große, auch internationale Durchsuchungen koordiniert werden. Steuerfahnder, Zoll und Polizei sitzen dann zusammen. Außerdem gibt es in der Zentrale Räume, um Verdächtige zu vernehmen. Zuletzt saß da übrigens kein Verdächtiger, sondern ein Whistleblower, der den Behörden Hinweise geben wollte.
Ein IT-Kompetenzzentrum soll in der neuen Düsseldorfer Zentrale außerdem technische Lösungen entwickeln. Zum Beispiel Tools, um Beweismittel mit Hilfe von KI auszuwerten. Oft handelt es sich dabei um sehr große, komplexe Datenmengen. Als Beispiel wurde heute ein Verfahren genannt, bei dem die digitalen Asservate und Spuren auf 9.000 DVDs gepasst hätten.
Zentrale bündelt mehrere Abteilungen in Düsseldorf
Landesamt für die Bekämpfung der Finanzkriminalität in Düsseldorf
Bildquelle: WDR / Benjamin SartoryMit der Errichtung der Landeszentrale hatte die Landesregierung im vergangenen Jahr die Steuerfahndung sowie die Straf- und Bußgeldsachenstellen in NRW bereits organisatorisch gebündelt. Nun gibt es das Gebäude dazu.
Viele der mehr als 1.000 Beschäftigten unter dem Dach des Landesamtes arbeiten zwar weiterhin an unterschiedlichen Standorten in NRW. Neben dem Lagezentrum und der IT-Einheit sind in der Zentrale in Düsseldorf aber auch Abteilungen mit landesweiten Zuständigkeiten untergebracht: "Analyse und Strategie" sowie "Finanzkriminalität und organisierte Kriminalität".
Milliardenschaden für den Steuerzahler
Hintergrund der Bemühungen ist, dass Finanzkriminalität auch in NRW ein großes Problem ist. Die Landeszentrale bearbeitet gerade mehrere tausend Strafverfahren. Der prognostizierte Steuerschaden liegt deutlich im Milliardenbereich.
Wie groß solche Verfahren werden können, zeigt laut Landesregierung ein Ermittlungskomplex in Sachen Umsatzsteuerbetrug. Im Rahmen einer Sonderprüfung hatten die Behörden eigentlich nur eine kleine Rückfrage gestellt. Am Ende wuchs das Verfahren immer mehr, mittlerweile ist die Rede von einem Steuerschaden im mittleren dreistelligen Milliardenbereich.
Das Problem: Die Täter arbeiten immer internationaler, digitaler und vernetzter. Es gebe "jeden Tag neue Ideen, um Steuern zu hinterziehen", sagte die Leiterin des Landesamtes (LBF) Stephanie Thien in Düsseldorf. Die Berichte über Großverfahren seien nur die Spitze des Eisbergs.
Laut Landesregierung hat NRW mit der neu geschaffenen Struktur die größte Steuerfahndung in Deutschland.
Unsere Quellen:
- NRW-Finanzministerium
- LBF
Sendung: WDR.de, Neue Zentrale gegen Finanzkriminalität, 11:11 Uhr.
WDR 5, Westblick 11.09.2026, 17:05 Uhr
