Eine leere Altbauwohnung.

Förderprogramm Wohnen im ehemaligen Büro - Lösung für die Wohnungsnot in NRW?

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Es gibt in Deutschland zu wenig Wohnraum - auch in NRW. Mit dem Förderprogramm "Gewerbe zu Wohnen" will das Bundesbauministerium gegensteuern. Das Programm startet am Mittwoch.

Gefördert werden soll der Umbau von leerstehenden Gewerbe-Immobilien zu Wohnungen. Dabei verfolgt das Programm drei Ziele: Leerstand bekämpfen, Wohnraum schaffen und klimagerechte Sanierung.

"In vielen Städten stehen Gebäude leer, während gleichzeitig Wohnungen fehlen", erklärte Bundesbauministerin Verena Hubertz bei der Präsentation am Dienstag. "Dieser Widerspruch beschäftigt mich. Und genau hier wollen wir ansetzen." Jedes umgebaute Gebäude spare Ressourcen, betonte die SPD-Politikerin.

Wie viele Wohnungen fehlen in NRW?

In NRW fehlen nach Berechnungen des Forschungsinstituts Pestel inzwischen rund 376.000 Wohnungen. Um Rückstand abzubauen, müssten in NRW bis 2030 jährlich etwa 94.000 neue Wohnungen entstehen. Tatsächlich wurden 2024 laut Landesstatistikamt IT-NRW jedoch nur gut 41.000 Wohnungen fertiggestellt - rund 15 Prozent weniger als im Vorjahr.

300 Millionen Euro Förderung

Die Bundesregierung will das Programm in diesem Jahr mit 300 Millionen Euro ausstatten. Antragsberechtigt sind Selbstnutzer oder Investoren. Sie können pro neu geschaffener Wohnung bis zu 30.000 Euro Zuschuss bekommen - maximal bis zu 300.000 Euro pro Unternehmen. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden.

"Die Förderung ist für Investoren höchst attraktiv und gleichzeitig ein kraftvoller Impuls, um Projekte zu starten, die unsere Städte nachhaltig verändern", meint die Bundesbauministerin.

Welche Auflagen gibt es?

Die Sanierung muss so erfolgen, dass das Gebäude deutlich weniger Energie verbraucht als vorher und überwiegend mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Konkret verlangt der Bund das energetische Niveau "Effizienzhaus 85 EE" – das bedeutet: moderne Dämmung, neue Fenster, effiziente Heiztechnik und ein hoher Anteil erneuerbarer Energie.

Für Baudenkmale gelten etwas abgemilderte Anforderung, weil sie nicht so stark verändert werden dürfen.

Welche Bürogebäude sind geeignet?

Nicht alle Bürogebäude seien geeignet für die Umwandlung in Wohnungen, sagt Dirk Ruß von der "Planungsgruppe Stadtbüro" in Dortmund. Zum einen müssten die technischen Gegebenheiten einigermaßen passen: Während für Wohnungen mit Küchen und Bädern viele Stränge gebraucht werden - Wasser- und Elektroleitungen etwa - sind große Büroflächen in der Regel mit nur wenigen Installationsschächten ausgestattet. "Auch der Bedarf an Belichtung ist natürlich in Wohnungen größer als in Büros", so Ruß.

Für das Projekt "Living Circle" in Düsseldorf mussten zum Beispiel die gesamte Haustechnik neu konzipiert werden. Bis 2006 beherbergte das Gebäude die Verwaltung von Thyssenkrupp - mit großen Toilettenanlagen für rund 1.000 Beschäftigte. Heute wohnen hier etwa eben so viele Menschen in mehr als 300 Wohnungen.

„Gewerbe zu Wohnen“: Wo hat NRW Potenzial?

WDR Studios NRW 23.06.2026 03:48 Min. Verfügbar bis 22.06.2028 WDR Online

Die Lage sei ein weiterer Faktor, sagt Stadtplaner Ruß. Hier komme es auf die künftige Nutzung an: "Studentisches Wohnen funktioniert eher in urbanen Lagen, während für Familien eine soziale Infrastruktur mit Kitas oder nachbarschaftsfördernden Projekten wichtig ist."

Bei älteren Bürogebäuden könne es auch sehr aufwendig sein, mögliche Schadstoffe in den Baumaterialien zu entfernen. "Aber grundsätzlich", sagt Ruß, "ist eine Umnutzung natürlich viel nachhaltiger und ressourcenschonender als Abriss oder ein Neubau auf der grünen Wiese".

Gelungene Projekte in Dortmund-Hörde und Wuppertal

Als gut gelungene Beispiele in NRW nennt der Stadtplaner zum einen den "Bob Campus" in Wuppertal. 2017 begann dort der Umbau einer ehemaligen Textilfabrik. In Dortmund-Hörde wurde eine alte Polizeiwache in 23 Wohnungen umgebaut. Es gibt sogenannten Cluster-Wohnungen, wo sich kleine Apartments einen gemeinsamen Wohnraum und eine Wohnküche teilen. In dem alten Dachstuhl des Gebäudes entstand eine Dachterrasse.

Potenzial für Tausende Wohnungen

Durch die Umwandlung von Büroflächen in Wohnraum könnten Tausende neue Wohnungen geschaffen werden. Eine Studie des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2024 kam auf ein Potenzial von bis zu 60.000 Wohnungen für rund 100.000 Menschen in den sieben größten deutschen Metropolen - Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf.

Theoretisch wäre das Potenzial also groß, praktisch stehen jedoch zahlreiche Hürden im Weg. Nach Einschätzung des ifo Instituts lohnt sich der Umbau in vielen Fällen nicht. Eben weil viele Bürogebäude für völlig andere Nutzungen geplant wurden und daher sehr aufwendig und kostspielig umgebaut werden müssten. Dazu kommt, dass die Baukosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind.

Programm "ganz nett, aber keine Rettung"

Auch Matthias Günther vom Pestel-Institut sieht eine Haken an dem Bundesprogramm: Die Deckelung der Förderung für einzelne Investoren auf 300.000 Euro. "Große Projekt können somit kaum bewältigt werden", meint er. Auch die Auflagen für energetische Sanierung würden erhöhte Kosten bedeuten, die vom Programm nicht gefördert werden.

"Es ist ganz nett, wird den Wohnungsmarkt aber weder in NRW noch im Bund retten können." Matthias Günther, Pestel-Institut

"Frühestens in einem halben Jahr werden wir sehen, wie das Programm von den potenziellen Investoren angenommen wird", sagt Günther. Den bundesweiten Rückgang der Bautätigkeit um rund 90.000 Wohnungen innerhalb von zwei Jahren werde dieses Programm nicht kompensieren können.

Quellen:

Sendung: WDR.de, Förderprogramm "Gewerbe zu Wohnen", 30.06.2026, 18:51 Uhr

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