Zwei hölzerne Kreuze und ein A aus Holz vor einem Baum in Bielefeld Baumheide.

Freunde des Verstorbenen Alex haben auf dem Spielplatz in Bielefeld Baumheide ein Kreuz und ein großes A aufgestellt, um an ihn zu erinnern.

Zwei tote 18-Jährige an Silvester Kommt jetzt das Böllerverbot in Bielefeld?

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Zwei 18-Jährige starben in der Silvesternacht durch illegale Pyrotechnik. Sieben Monate danach errichten Angehörige einen besonderen Gedenkort. Was ist aus den angekündigten Konsequenzen von Stadt und Politik geworden?

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Oliver Köhler (Bielefeld)

"Er würde sich hier mit seinen Freunden niederlassen, sich wohlfühlen", sagt Annett Born und fasst an einen der großen Holzpflöcke der neuen Feuerhütte, "Gemeinschaft leben und auch Stunden hier verbringen." Vor ein paar Tagen hat sie gemeinsam mit Freunden und Angehörigen hier ein besonderes Denkmal errichtet für ihren Sohn Alex, der an Neujahr bei einem Böllerunfall ums Leben kam. "Alexanderplatz" steht draußen an der Feuerhütte.

Eine Frau blickt vor einer Holzhütte in die Kamera.

Annett Born steht vor der "Feuerhütte". Die Hütte soll an ihren verstorbenen Sohn Alex erinnern. Spenden ermöglichten den Bau.

Das Projekt wurde durch Spenden finanziert. Fast 30 Menschen haben Mitte Juli beim Aufbau geholfen. Der Zusammenhalt macht Annett Born Mut: "Als wir hier alle standen und gebaut haben, war er mit dabei!" Die Hütte steht auf dem Abenteuerspielplatz in Bielefeld-Baumheide. Künftig möchte die Mutter hier regelmäßige Treffen für Kinder und Jugendliche organisieren: "Wir müssen Kinder schon ganz früh stärken."

Zwei 18-Jährige sterben an Silvester

Der Gedenkort ist nicht weit entfernt vom Spielplatz, auf dem ihr Sohn auf tragische Weise ums Leben kam. Ein paar Meter abseits der leeren Schaukel steht ein großes, hölzernes "A". Daneben Blumen, kleine Engel, Sportschuhe, ein Kreuz.

Ein Spielplatz in Bielefeld von oben.

Der Spielplatz im Bielefelder Ortsteil Baumheide von oben. Hier verstarb ein 18-Jähriger an Neujahr.

Wenige Kilometer entfernt im benachbarten Ortsteil Brake liegt neben einem Bolzplatz ein ähnlicher Erinnerungsort mit Arminia-Schals, leeren Bierflaschen, abgebrannten Pyrofackeln. Hier starb an Neujahr der zweite junge Mann.

In einer Weise liegen Kerzen, Schals und Fotos, um zu Gedenken.

Auch im Bielefelder Ortsteil Brake ist ein Gedenkort entstanden. Hier starb ein 18-Jähriger Arminia-Fan durch eine Kugelbombe.

Zwei Orte, zwei Symbole, zwei 18-Jährige, die an Neujahr in Bielefeld gestorben sind. Beide haben eine sogenannte Kugelbombe gezündet und starben bei der unmittelbaren Explosion. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen zwei junge Männer aus Hiddenhausen und Versmold wegen des Verkaufs der Pyrotechnik. Ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Wann es zum Prozess kommt, steht noch nicht fest.

Politik in Bielefeld will Verbotszonen ausweiten

Neben der juristischen Aufarbeitung folgt bereits wenige Wochen nach den beiden Todesfällen auch eine politische Debatte: "Sowas erschüttert einen", sagt der Bielefelder CDU-Chef Steve Kuhlmann, der noch in der Silvesternacht von den Böller-Unfällen gehört hatte, "man versteht die Situation überhaupt nicht und fühlt einfach mit den Angehörigen."

Ein Mann, Steve Kuhlmann, schaut in die Kamera.

Steve Kuhlmann von der Bielefelder CDU macht Vorschläge für neue Böllerverbotszonen.

Noch im Winter haben CDU und SPD einen Antrag eingereicht und fordern "weitere Feuerwerks- und Böllerverbotszonen". Auf WDR-Anfrage teilt die Stadt Bielefeld mit, dass dies derzeit geprüft werde. Bisher ist privates Feuerwerk auf dem Boulevard hinter dem Hauptbahnhof und auf der Sparrenburg untersagt. Nach Angaben der Polizei Bielefeld gab es in den Verbotszonen in der Silvesternacht 2025/2026 keine "anlasstypischen" Einsätze.

Böllerverbot: Begrenzte Möglichkeiten für Kommunen

Mögliche neue Verbotszonen könnten der Jahnplatz, die Altstadt Bielefeld oder auch der Tierpark Olderdissen sein. Allerdings: Pauschale Verbote sind nicht möglich, es braucht einen konkreten Anlass. Etwa Menschenansammlungen, das Schützen alter Bausubstanz oder das Tierwohl.

WDR-Reporter Oliver Köhler über mögliche Böllerverbotszonen

WDR 00:21 Min. Verfügbar bis 28.07.2028

"Wir haben nur einen ganz kleinen rechtlichen Spielraum, den wollen wir aber ausnutzen", sagt Björn Klaus. Gleichzeitig betont der Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion, dass Bielefeld nach den Todesfällen eine besondere Verantwortung trage:

"Wir müssen Vorbild für andere Kommunen sein, die Opfer waren ja auch Söhne und Familienangehörige." Björn Klaus
Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion Bielefeld

Deutscher Städtetag kontaktiert Bundesinnenministerium

Darum hat die Stadt auch den Deutschen Städtetag um Hilfe gebeten. Dieser bestätigt auf WDR-Anfrage, dass mehrere Städte fordern, "Böllerverbote ausweiten zu können." Dafür brauche es eine geänderte Sprengstoffverordnung, "um privates Feuerwerk im öffentlichen Raum einfacher und weitgehender beschränken zu können."

Dazu habe es schon Gespräche mit dem Bundesinnenministerium gegeben, diese seien aber bisher ohne Ergebnis. Eine entsprechende Anfrage des WDR an das Ministerium blieb unbeantwortet.

Wo neue Böllerverbotszonen kommen könnten

WDR 29.07.2026 02:15 Min. Verfügbar bis 28.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Annett Born
  • Gespräche mit Steve Kuhlmann (CDU) und Björn Klaus (SPD)
  • Stadt Bielefeld
  • Polizei Bielefeld
  • Staatsanwaltschaft Bielefeld

Sendung: WDR.de, Wo neue Böllerverbotszonen kommen könnten, 29.07.2026, 04:57 Uhr

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