Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Ein Mann trinkt bei sommerlichen Temperaturen aus einer Wasserflasche und schüttet sich Wasser über sein Gesicht.

Temperaturen bis zu 36 Grad Wie gut ist NRW auf die nächsten Hitzetage vorbereitet?

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Die letzte Hitzewelle ist nicht lange her, nun wird es wieder heiß. Wie sind Land und Kommunen darauf eingerichtet?

Von Maria Koch

Die Hitzewelle im Juni hatte es in sich: Temperaturrekorde, Tropennächte, überlastete Krankenhäuser und Pflegeheime. Und viele Hitzetote: Mehr als 1.200 Menschen in NRW verloren bis Ende Juni ihr Leben. Nachdem sich die Temperaturen zwischenzeitlich auf sommerlichem Niveau eingependelt haben, kehrt die Hitze nun zurück: Bis zu 36 Grad erwartet der Deutsche Wetterdienst in den kommenden Tagen in NRW. Die gute Nachricht: Mit einer derart heftigen und langen Hitzewelle wie noch im Juni ist wohl erstmal nicht zu rechnen.

Kreise und Kommunen ziehen Lehren aus der letzten Hitzewelle

In Düsseldorf werden seit der Juni-Hitzewelle unterschiedliche Maßnahmen umgesetzt oder verstärkt: Besonders hitzebelastete Kindertageseinrichtungen und das Kinderhilfezentrum wurden für diesen Sommer mit mobilen Klimageräten ausgestattet. Darüber hinaus wird der stadteigene Brumisateur in der Innenstadt eingesetzt. Dieser soll durch die feine Wasservernebelung einen Kühleffekt auf der Haut erzeugen. Für wohnungslose Menschen will die Stadt ergänzende Standorte für Hitzeschutzräume prüfen. Für die kommenden Jahre soll das Thema Hitzeschutz systematischer in Veranstaltungs- und Sicherheitskonzepte aufgenommen werden.

Leverkusen führt neues Warnsystem ein

Die Stadt Leverkusen hat basierend auf ihren Erfahrungen der vergangen Hitzewelle einen Hitzekrisenplan aufgestellt. Dieser Plan enthält ein Warnsystem mit fünf Stufen - von Stufe 1 (erhöhte Aufmerksamkeit) bis Stufe 5 (Krisensituation). Je nach Stufe wird z.B. die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt, es werden Lageberichte erstellt über den Schutz besonders gefährdeter Personengruppen in Pflege- und Flüchtlingsunterkünften, kühle Räume werden aktiviert oder ein Hitzetelefon eingerichtet. Wann welche Stufe greift, hängt von verschiedenen Faktoren, wie unter anderem der meteorologischen Prognose, der Warnlage des Deutschen Wetterdienstes und den Einsatzzahlen der Rettungsdienste ab.

Vernebelung in Köln, verkürzter Wochenmarkt in Münster

In Köln liegt ein Wasserschlauch mit Düsen, aus denen ein feiner Nebel gesprüht wird

Cooling Cologne in Aktion

Für die für Mittwoch und Donnerstag angekündigten Temperaturen über dreißig Grad haben einige Städte bereits konkrete Maßnahmen angekündigt: Wie schon im Juni rollt Köln im Rahmen des Projekts „Cooling Cologne“ am Mittwoch auf dem Rudolfplatz von 13 bis 17 Uhr wieder Wasserschläuche aus. Die Schläuche werden von der RheinEnergie bereitgestellt und versprühen feinen Wassernebel, um besonders hitzebelastete Bereiche abzukühlen.

In Münster endet der Wochenmarkt auf dem Domplatz an diesem Mittwoch zwei Stunden früher als üblich. Wegen der vorhergesagten Temperaturen von etwa 35 Grad werden die Händlerinnen und Händler ihre Stände damit bereits um 12.30 Uhr abbauen.

Mehr Einsatzfahrzeuge, mehr Hilfe für Alleinstehende

Der Kreis Mettmann errichtete während der vergangenen Hitzewelle eine Notfallversorgungsstelle in Erkrath und setzte zehn zusätzliche medizinische Einsatzfahrzeuge ein. Zukünftig soll beides konzeptionell so aufgestellt werden, dass eine "Ad-hoc-Umsetzung" möglich ist, teilt ein Pressesprecher des Kreises mit. Dabei werde auch auf die Beteiligung der Hilfsorganisationen und der Feuerwehren gesetzt.

In Solingen hat das Gesundheitsamt nach der letzten Hitzewelle zu einer Krisengruppe eingeladen: Verantwortliche der Krankenhäuser, des Rettungsdienstes sowie der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten berieten. "Zur Vorbereitung auf weitere Hitzewellen in diesem Sommer plant das Gesundheitsamt aktuell eine Öffentlichkeitskampagne, die ihren Fokus besonders auf gefährdete Personengruppen legt", teilt die Stadt mit. Ein besonderer Fokus soll dabei auf die alleinstehenden, älteren und kranken Menschen gelegt werden, die nicht in einem Pflegeheim betreut werden. Das sei zwar nicht völlig neu, da es in der Vergangenheit bereits Kampagnen zum Hitzeschutz gegeben habe, berichtet die Stadt. Jedoch würden bestehende Maßnahmen angesichts der Erfahrungen aus dem Juni "ausgeweitet und nachgeschärft".

Wie ist NRW auf die heißen Tage vorbereitet?

WDR Studios NRW 28.07.2026 03:24 Min. Verfügbar bis 27.07.2028 WDR Online

Kommunen setzen auf Hitzeaktionspläne

In zahlreichen Kommunen in NRW sind Hitzeaktionspläne bereits vorhanden oder in Arbeit. Sie werden kontinuierlich weiterentwickelt und beinhalten kurz- und langfristige Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Hitze. Dazu gehören zum Beispiel interaktive Kühle-Orte-Karten, die kühlere Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum ausweisen, Maßnahmen zur Begrünung der Städte, die Einführung eines Hitzetelefons für Seniorinnen und Senioren, allgemeine Informationsangebote zum Hitzeschutz oder die Installation öffentlicher Trinkwasserbrunnen.

Hitzewarner - Aufkleber der Stadt Münster

Hitzewarner

Mancherorts werden sogenannte "Hitzewarner" eingesetzt: Aufkleber, die ihre Farbe verändern, wenn die Raumtemperatur auf mehr als 28 Grad Celsius steigt. Damit sollen kritische Raumtemperaturen frühzeitig erkannt werden. In Münster wurden Schulen und Kitas mit diesen Stickern ausgestattet. Der Kreis Viersen und der Kreis Gütersloh nutzen die Sticker ebenfalls als eine von zahlreichen weiteren Hitzeschutz-Maßnahmen.

Landesregierung kündigt neue Maßnahmen an

Abgeordneter  im Landtag

Marco Schmitz (CDU)

Vor wenigen Wochen haben CDU und Grüne im Landtag einen Entschließungsantrag für einen besseren Hitzeschutz in NRW eingebracht. In einem Sofortprogramm sollen Kommunen bei Hitzeaktionsplänen besser unterstützt werden. Unter anderem soll ein Förderprogramm zur Teilklimatisierung stationärer Pflegeeinrichtungen aufgelegt werden. Doch die Umsetzung dauert. "Es ist natürlich noch keine Klimaanlage jetzt in den letzten drei Wochen gebaut worden, sondern da geht es jetzt darum, die Planungen durchzuführen", sagt Marco Schmitz, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU.

Das NRW-Gesundheitsministerium kündigt als Konsequenz aus der Hitzewelle im Juni an, dass die amtlichen Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD)"flächendeckend und ohne Verzögerung von allen Akteuren entgegengenommen werden müssen". Hitzewarnungen sollen demnach automatisch die Aktivierung von Hitzeaktionsplänen auslösen. Das solle sowohl für Einrichtungen als auch für Kommunen gelten. Außerdem soll die Förderung von Klimaanlagen für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe geprüft werden.

Besserer Hitzeschutz in Pflegeheimen in Krefeld und Dormagen angekündigt

Nachdem es Ende Juni in Seniorenheimen in Dormagen und Krefeld wegen der anhaltenden Hitze zu Rettungseinsätzen gekommen war, kündigen die Betreiber der Heime Änderungen beim Hitzeschutz an.

Feuerwehrautos vor einem Seniorenheim

In Dormagen machte die Hitze den Bewohnern eines Seniorenheims zu schaffen.

Eine Sprecherin der Alloheim Gruppe, Betreiberin des Seniorenheims in Dormagen, teilte mit, dass seit der letzten Hitzeperiode die Hitzeschutzmaßnahmen weiter ausgebaut und zusätzliche Vorkehrungen getroffen wurden. An besonders wärmebelasteten Zimmern seien nun Hitzeschutzfolien angebracht und die bereits vorhandenen Thermovorhänge auf weitere Zimmer verteilt. Auch seien laut der Sprecherin in mehreren Bereichen der Einrichtung Klimageräte und sogenannte Klimainseln in Gemeinschaftsräumen eingerichtet worden. Darüber hinaus werde mit dem Immobilieneigentümer derzeit eine umfassende energetische Sanierung der Einrichtung umgesetzt.

Eine Sprecherin der Kursana Gruppe, Betreiberin des Seniorenheims in Krefeld, teilt auf Anfrage mit, dass zum besseren Schutz der Heimbewohner die Ausstattung mit mobilen Kühlgeräten verdoppelt und Kühlmanschetten neu angeschafft wurden. Ansonsten würden, wie zuvor auch, mobile Kälteinseln geschaffen und neben den Raumtemperaturen auch das Wohlbefinden und die Körpertemperaturen der Bewohnerinnen und Bewohner überwacht werden.

Unsere Quellen:

  • Deutscher Wetterdienst (DWD): Vorhersage für NRW
  • Abfrage unter den Kreisen und kreisfreien Städten in NRW
  • Anfrage an das NRW-Gesundheitsministerium
  • Interview mit Marco Schmitz, CDU, gesundheitspolitischer Sprecher
  • Anfrage an Kursana Gruppe
  • Anfrage an Alloheim Gruppe

Sendung: WDR.de, Wie ist NRW auf die heißen Tage vorbereitet?, 29.07.2026, 05:30 Uhr

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