Die Maus nickt – die Mina ist schlau, die weiß schon, dass das mit dem Handwerk "Spinnen" zu tun hat. Spinnen ist das Herstellen von Garn – und dafür muss man die Wollfasern ziehen, dehnen und drehen.
Das mussten früher auch Matrosen auf See machen: Aus alten Faserresten wurden neue Taue gesponnen. Und dabei haben sich die Matrosen Geschichten erzählt. Oft sehr unterhaltsam und nicht immer wahr – "Seemannsgarn spinnen" nannte sich das, wenn man sich etwas besonders Abenteuerliches ausgedacht hat.
Und die Maus hat gelesen, dass man deswegen sagt, "der spinnt doch", wenn man etwas nicht glaubt, was jemand sagt. Oder man sagt "Ich glaub', ich spinne", wenn man etwas furchtbar findet.
Das kann auch daher kommen, dass es früher "Spinnhäuser" gab – so etwas wie Gefängnisse. Da mussten die Menschen den ganzen Tag Garn spinnen. Umgangssprachlich sagte man dann "spinnen" für "im Gefängnis sitzen".
Und ein Spinner war auch früher schon jemand, der komische Gedanken "spinnt". Man sagte auch, "du spinnst Gedanken" zu jemandem, der viel grübelt und nachdenkt.
Die Antwort lautet also:
Früher mussten Matrosen alte Taue zerfasern und aus den Resten neues Garn drehen. Damit die eintönige Arbeit leichter von der Hand ging, erzählte man sich abenteuerliche Geschichten.
So kam die Redewendung "Seemannsgarn spinnen" zustande - als Ausdruck für übertriebene oder ausgedachte Erzählungen. Wenn jemand "spinnt", erzählt er erfundene Dinge. Spinnen hat also tatsächlich mit dem Handwerk des Spinnens zu tun.
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