Worum geht es?
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schrieb Walther Rathenau, dass dreihundert deutsche Männer die wirtschaftlichen Geschicke des Landes bestimmen. Er bezog sich auf das Geflecht aus Bankiers, Industriekapitänen und Lobbyisten, das sich mit dem Aufstieg von Firmen wie Krupp und Allianz gebildet hatte. Die Männer kannten einander, sie unterhielten sich und stimmten sich ab.
Bis in die 1990er Jahre war dieses Netzwerk unter dem Namen "Deutschland AG" bekannt und prägte sowohl die Politik als auch die Unternehmenskultur der Bundesrepublik. Konstantin Richter erzählt von diesen mächtigen Männern. Die Leser:innen erleben Nicolaus Otto und Gottlieb Daimler bei der Gemüseernte oder wie Thomas Middelhoff von Bielefeld nach Essen pendelt - mit dem Hubschrauber.
Konstantin Richter, geboren 1971, ist Autor und Journalist. Er hat regelmäßig für deutsch- und englischsprachige Medien wie "The Wall Street Journal", "The Guardian", "The New York Times" oder "Die Zeit" geschrieben. Zudem hat er schon mehrere Sachbücher veröffentlicht. Richter lebt in Berlin.
Was sagt Buchkritiker Denis Scheck?
Konstantin Richter erzählt in kurzen Kapiteln. Der Aufbau erinnert stark an Florian Illies' Stroboskoptechnik. Die Kapitel beleuchten sich wechselseitig und liefern so die Hintergünde zur deutschen Wirtschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert. "Dreihundert Männer" liest sich leicht und süffig, Konstantin Richter kann auf so spannende Art von Ökonomie erzählen, wie andere Klatschgeschichten schreiben. Sehr zu empfehlen.
Für wen ist das Buch?
Für alle, die sich für die deutsche Geschichte interessieren und erfahren wollen, wie spannend Wirtschaft eigentlich sein kann.
Das Buch auf einem Blick:
Konstantin Richter
Dreihundert Männer - Aufstieg und Fall der Deutschland AG
543 Seiten
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-43252-5
Preis: 30 Euro
Sendung: WDR 2 Die Sonntagsshow, 12.07.2026, ab 09.05 Uhr