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Die Seele der Rolling Stones: Charlie Watts

Von Susanne Schnabel

Charlie Watts gab den Stones fast 60 Jahre lang den Takt vor. Am 24. August 2021 ist der langjährige Schlagzeuger der Band im Alter von 80 Jahren gestorben.

Die Rolling Stones stehen Arm in Arm auf der Bühne bei einem Auftritt im Jahr 1998

Der Drummer meidet im Gegensatz zu Sänger Jagger und Gitarrist Richards das Rampenlicht und meist auch die Exzesse. Und er schweißt die Band zusammen, wenn sich die Frontmänner verkrachen.

Als Charlie Watts 1963 die Nachfolge von Tony Chapman antritt, arbeitet er hauptberuflich noch in einer Londoner Werbeagentur. Aus dem Nebenjob wird eine Lebensaufgabe: Die Stones landen einen Hit nach dem anderen, reisen jahrzehntelang zu Konzerten rund um den Globus – und immer hält Charlie Watts die Drumsticks in der Hand.

Charles Robert Watts, wie er mit vollem Namen heißt, wird am 2. Juni 1941 in London geboren.

Im Alter von etwa zehn Jahren entdeckt Charlie Watts den Jazz für sich. Er baut als Junge ein altes Banjo mit Lederbespannung in eine Trommel um. Er absolviert jedoch nie eine formelle Ausbildung zum Schlagzeuger.

Nach einem Kunststudium findet Watts einen Job als Grafikdesigner und spielt abends in verschiedenen Jazzbands, bevor er 1963 Mitglied der Rolling Stones wird.

Während seiner gesamten Karriere bei den Stones bleibt Watts seiner Liebe zum Jazz treu – als Leiter eines Jazz-Quintetts sowie einer 32-köpfigen Band namens Charlie Watts Orchestra.

Der Drummer meidet im Gegensatz zu Sänger Jagger und Gitarrist Richards das Rampenlicht und meist auch die Exzesse. Und er schweißt die Band zusammen, wenn sich die Frontmänner verkrachen.

Während die anderen Bandmitglieder auch im Privatleben einen Skandal nach dem anderen fabrizieren, lebt Watts mit seiner Frau Shirley, mit der er über 50 Jahre verheiratet ist, zurückgezogen auf einem Gestüt in der abgelegenen Landschaft von Devon in Großbritannien.

Die beiden haben eine erwachsene Tochter. Hier ist die kleine Familie im Jahr 1969 zu sehen.

Privat gilt Watts zwar immer als solide, aber in den 1980er Jahren trinkt auch er zu viel, konsumiert Drogen – und hat mit akuten Suchtproblemen zu kämpfen. 2004 übersteht der einst starke Raucher eine Kehlkopfkrebserkrankung.

2016 wird Watts vom Magazin "Rolling Stone" auf Platz zwölf der besten Schlagzeuger aller Zeiten gewählt. Bereits 2006 hat ihn das Magazin "Modern Drummer" in die Hall of Fame der Schlagzeuger aufgenommen, Seite an Seite mit Ringo Starr von den Beatles und Keith Moon von The Who.

Auf der Bühne ist der Gentleman mit den feinen Gesichtszügen und seinem steten Rhythmus ein Gegengewicht zu der Energie des Sängers Mick Jagger und der beiden Gitarristen Keith Richards und Ron Wood.

Jahrzehntelang ist Charlie Watts Taktgeber und Seele der Rolling Stones. Doch gesundheitliche Probleme zwingen ihn, nach und nach kürzerzutreten. Bei der "No Filter"-Tour 2019 ist er zum letzten Mal mit Jagger, Richards und Wood auf der Bühne zu sehen.

2021 stirbt Charlie Watts im Kreise seiner Familie in London. Die Stones müssen ihre Tournee – nach langer Corona-Pause – ohne ihren etatmäßigen Drummer zu Ende bringen. Sein Nachfolger tritt in große Fußstapfen – auch wenn er selbst kein Unbekannter ist: Steve Jordan.

Stand: 24.08.2026, 00:00 Uhr