Was macht einen Außenseiter aus?
Die Einen sind innen, die Anderen außen. Drinnen sind viele, draußen wenige. Beziehungsweise: Einzelpersonen. Aber nicht jeder, der wie ein Außenseiter wirkt, ist tatsächlich einer. Was genau kennzeichnet einen Außenseiter? Und welche Bedeutung hat er für die Gesellschaft?
Der Außenseiter ist so etwas wie ein lebendiges Schreckbild der Gesellschaft. Einer, der aus der Reihe tanzt. Der sich der Idee verweigert, die eine Gesellschaft von sich hat. Und das fordert eine Reaktion heraus.
Die Geschichte ist voller Mythen, Legenden und Narrative von Außenseitern. Zum Beispiel der Philosoph Sokrates in der griechischen Antike, der für seine Erkenntnissuche angeklagt und verurteilt wurde. Oder Jesus, der ans Kreuz genagelt wurde, als er mit seinen Außenseiter-Ideen Gehör zu finden begann.
Der Philosoph Ralf Konersmann
Heute ist es nicht mehr so einfach, den wahren Außenseiter von jemandem zu unterscheiden, der diese Rolle nur verkörpert: Die Populärkultur hat die Figur des Außenseiters zum Kommerz gemacht. Auch politisch wird meist nur ein Zerrbild des Außenseiters präsentiert, etwa wenn der steinreiche Präsident eines wohlhabenden Landes sich als Kämpfer gegen das Establishment präsentiert. Ein Außenseiter-Fake, trotzdem aber so erfolgreich, dass andere das Konzept kopieren.
Außenseiter sind meist die, die ein gesellschaftliches Bild, eine Idee von Gesellschaft nicht teilen. Es gibt drei Arten: die Bedürftigen, die Anbetungswürdigen, die Unerträglichen. Letztere sind die, die die Gesellschaft herausfordern – möglicherweise helfen sie ihr dabei aber auch, weil sie dem Wir helfen, mit Blick auf die draußen das Drinnen zu konsolidieren.
Was macht einen Außenseiter aus? Welche Rolle spielen Außenseiter für die Gesellschaft? Wie stehen Sie zu den Außenseitern?
Der Philosoph Ralf Konersmann und Moderator Jürgen Wiebicke laden ein zu einem Austausch über das Außenseitertum.
Hörer:innen können mitdiskutieren unter 0800 5678 555 oder per Mail unter philo@wdr.de
Redaktion: Monika Kophal, Gundi Große
WDR 5, Das philosophische Radio, 03.08.2026, 19:04 Uhr