Eine Person hält ein aufgeschlagenes Impfbuch in der Hand

WDR 5 Tagesgespräch Grippe-Saison – (Wo) lassen Sie sich impfen?

Lange Nacht des Impfens: Bis Mitternacht bieten heute neben teilnehmenden Arztpraxen auch Apotheken Schutzimpfungen gegen Grippe und Covid-19 an. Ohne Termin, ohne Wartezeit. Manche Hausärzte sehen das kritisch. Beratung und Nachsorge bei Impfungen sei Aufgabe der Hausarztpraxen.  Diskutieren Sie mit Dr. Jürgen Zastrow und Moderator Tobias Schäfer im WDR 5 Tagesgespräch!

Im Oktober beginnt die Grippesaison. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband ruft deshalb zum "Impfen gegen Grippe" auf – gemeinsam mit dem Apothekerverband. Denn seit 2022 können sich Menschen auch in Apotheken gegen Grippe und Covid-19 impfen lassen.

Ziel beider Verbände ist es, die Impfquoten zu erhöhen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind in Deutschland zu wenige Menschen gegen Grippe geimpft. Unter den über 60-Jährigen liegt die Quote bei 38 Prozent. Das Institut empfiehlt eine Quote von 75 Prozent.

Impfungen in Apotheken

In teilnehmenden Apotheken kann sich die Kundschaft heute bis Mitternacht gegen Grippe impfen lassen. Seit der Corona-Pandemie dürfen Apotheken Schutzimpfungen anbieten. Apothekerinnen und Apotheker müssen dafür eine spezielle Weiterbildung absolvieren. In Online-Kursen lernen sie die theoretischen Grundlagen, anschließend üben sie in Präsenztrainings das Impfen und den Umgang mit Notfällen.

Der Apothekerverband betont die Vorteile des Angebots: Flexible Öffnungszeiten ermöglichten Impfungen vor und nach Feierabend oder am Wochenende. Außerdem gebe es meist kürzere Wartezeiten als in Praxen.

"Die Lange Nacht des Impfens setzt ein starkes Zeichen für den Schutz der Bevölkerung. Impfende Apotheken ergänzen das Angebot der Arztpraxen und erreichen Menschen, die sich sonst womöglich nicht impfen lassen würden", sagt Dr. Ina Lucas, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin.

Ein ähnlicher Effekt wurde in den USA beobachtet: Dort ist das Impfen in Apotheken seit Jahren etabliert. Das niedrigschwellige Angebot hat dazu geführt, dass Bevölkerungsgruppen erreicht werden, denen es zuvor schwer fiel, eine Schutzimpfung in ihren Alltag zu integrieren. Die Impfquoten sind dadurch gestiegen. 

Auch in EU-Nachbarländern werden seit Jahren Impfungen in Apotheken angeboten.

Reaktionen aus den Arztpraxen

Der Hausärzteverband Nordrhein und der Apothekerverband betonen ihr gemeinsames Ziel: "Gemeinsam wollen wir Patientinnen und Patienten für die Schutzimpfung sensibilisieren und auch dazu motivieren", so die Verbandsvorsitzenden.

Einige Ärztinnen und Ärzte sehen das Impfen in Apotheken jedoch kritisch. Sie betrachten Impfungen als Kernaufgabe von Hausarztpraxen. Zudem seien Ärztinnen und Ärzte speziell darin geschult, bei der Beratung individuell auf gesundheitliche Bedürfnisse einzugehen. Anders als Apotheker könnten sie im Zweifel Nebenwirkungen schnell ärztlich behandeln.

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Dr. Jürgen Zastrow, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Beisitzer im Vorstand der Ärtzekammer Köln

Redaktion: Birgit Becker und Chris Hulin

(Wo) lassen Sie sich impfen?

WDR 5 Tagesgespräch 08.10.2025 45:26 Min. Verfügbar bis 08.10.2026 WDR 5


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