Das Logo ist beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr

Rennen um Olympia DOSB sieht Bewerbungen aus München und NRW vorne

Stand:

Die Evaluierungskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat die Olympia-Bewerbungen von KölnRheinRuhr, München und Berlin geprüft. NRW darf damit weiter auf Spiele im Westen hoffen.

Das Rennen um die Deutsche Olympia-Bewerbung bleibt offen. Die Evaluierungskommission hat München und KölnRheinRuhr ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Beide Bewerbungen haben in den meisten Kriterien des DOSB überzeugt. Wie der Sportbund bestätigte, erhielt München 87 von 100 Punkten, NRW landete mit 85 Punkten knapp dahinter - beide gelten damit nach den Kriterien des DOSB als sehr gute Bewerbungen.

Das Votum der Evaluierungskommission ist jedoch nicht bindend, es ist lediglich so gut wie ausgeschlossen, dass die Verbände, Funktionäre und stimmberechtigten Sportler wie Sportlerinnen für das am schlechtesten bewertete Konzept stimmen werden. Das ist das von Berlin mit rund 74,5 Punkten. So wird es bis zuletzt ein Zweikampf zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und der Rhein-Ruhr-Region sein.

Wüst zufrieden mit dem Ergebnis

Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen München und der Bewerbung seiner Staatskanzlei. Er sprach unmittelbar nach Bekanntgabe der Ergebnisse von einer "richtig starken Nachricht" für KölnRheinRuhr.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst
"KölnRheinRuhr hat eine exzellente, wirklich außergewöhnliche Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland abgegeben." Hendrik Wüst, Ministerpräsident NRW (CDU)

Schon am Vorabend war Wüst zuversichtlich, dass NRW ein überzeugendes Olympia-Konzept vorgelegt hat. "Die Schwimmer finden es einfach - wenn ich das so sagen darf - rattengeil, dass sie vor 60.000 Leuten auf Schalke schwimmen dürften", so der 51-Jährige bei einer Veranstaltung der "Rheinischen Post" in Düsseldorf.

Die Ergebnisse der Evaluierungskommission dürften ihm Recht geben. Noch vor einem Jahr schien es undenkbar, dass es ein ernsthafter Zweikampf zwischen München und dem NRW-Konzept werden würde. Zu groß waren die Fragen beim Konzept für Rhein und Ruhr, zu gut schien "Olympia in München" bei den Sportverbänden zu verfangen. Doch mit zwei entscheidenden Schritten konnte man seit dem Dezember 2025 aufholen.

Köln und der Bürgerentscheid waren der Durchbruch

Torsten Burmester auf der Pressekonferenz

Torsten Burmester

Bildquelle: WDR / Martin Heuchel

Einmal machte man Köln zur sogenannten "Leading-City" der Bewerbung - sprich: Hier sollen mehr als 90 Prozent der Sportler und Sportlerinnen während der möglichen Spiele untergebracht werden. Die Wahl, Köln nach vorne zu stellen, hatte auch Vorteile, weil hier Torsten Burmester vor rund einem Jahr Oberbürgermeister wurde. Burmester war zuvor Vorstandschef des DOSB und gilt als erfahrener Sportfunktionär, auch wenn er nicht im Guten aus dem Olympischen Sportbund schied.

Der SPD-Fraktionschef im Landtag, Jochen Ott, spricht deshalb davon, dass sein Parteikollege Burmester einen "wahnsinnigen Drive" reingebracht habe. "Zum ersten Mal war die größte Stadt im Land auch Ansprechpartner, hat mit den anderen Kommunen zusammengearbeitet", so Ott. Ebenfalls einen Schub gab es beim Bürgerentscheid. 66 Prozent der Menschen, die an der Befragung teilnahmen, stimmten für Spiele in NRW. Fast so viel Zustimmung wie bei der Befragung in München, das in dieser Kategorie wiederum eine Nasenlänge vor NRW liegt.

Samstag entscheiden die Verbände

Somit hat das Land (weiterhin) gute Chancen, am Samstag in Baden-Baden als deutscher Bewerber für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 ausgewählt zu werden. Formal gibt es 144 Stimmen, die man bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes erreichen kann. Stimmberechtigt sind das DOSB-Präsidium, die 42 olympischen Verbände mit jeweils drei Stimmen und hervorgehobene Sportler und Sportlerinnen der vergangenen drei Olympiaden.

Um gewählt zu werden, braucht man die absolute Mehrheit der anwesenden Stimmen. Sollte es im ersten Wahlgang keine entsprechende Mehrheit geben, gibt es eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten. Unklar ist jedoch, ob dann Berlin überhaupt noch zur Wahl steht. Nicht nur, weil das Konzept die schlechteste Bewertung bekommen hat: Nach der Senatswahl vom Sonntag hat die potenzielle neue Bürgermeisterin, Elif Eralp (Die Linke), erklärt, dass ihre Partei klar gegen die Olympischen Spiele ist. Entsprechend wird auch über einen Rückzug der Hauptstadt spekuliert.

Opposition ist beeindruckt

Dass NRW also weiterhin so gute Chancen hat, sich beim Internationalen Olympischen Komitee bewerben zu dürfen, ringt auch der Opposition im NRW-Landtag Respekt ab. "Die Landesregierung hat ja ein bisschen gebraucht, aus dem Startblock herauszukommen bei der Olympiabewerbung, aber am Ende hat es dann doch funktioniert", bilanziert bereits FDP-Fraktionschef Henning Höne.

SPD-Fraktionschef Ott ist sich sicher, dass Olympia in NRW eine Chance wäre, "weil dieses vielfältige, dieses bunte Nordrhein-Westfalen halt ein tolles Aushängeschild für Deutschland wäre".

Segelwettbewerbe: NRW wählt Warnemünde

Ein weiteres Detail wurde neben der Bewertung noch zusätzlich geklärt. Bisher war es offen, wo die NRW-Bewerbung die Segelwettbewerbe austragen lassen will. Zur Wahl standen Kiel oder Rostock-Warnemünde.

Bis heute musste sich entschieden werden. Wie zuvor Berlin wählte KölnRheinRuhr den Standort Warnemünde aus. München hatte zu Beginn der Woche dagegen erklärt, nach Kiel gehen zu wollen, sollte man den Zuschlag erhalten.

Olympia-Bewerbungen aus NRW und München auf Augenhöhe

WDR 23.09.2026 22 Sek. Verfügbar bis 22.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Informationen des DOSB zur Wahl
  • Statements von Hendrik Wüst, Jochen Ott und Henning Höne vor der Bekanntgabe

Sendung: WDR 5, WDR aktuell, 23.09.2026, 07:00 Uhr