"Bis wir deutscher Meister sind": Spieler und Fans der Kölner Haie
Bildquelle: ddp/RevierfotoEishockey in der CHL : Haie-Sportdirektor Baldys - "Haben einen großen Traum"
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Nach zwölf Jahren sind die Kölner Haie zurück in der Champions Hockey League (CHL). Vor dem Auftakt spricht Sportdirektor Matthias Baldys im WDR-Interview über die Bedeutung des Wettbewerbs, den neuen Trainer Thomas Berglund und den "großen Traum", den der Eishockey-Klub nach zwei starken Spielzeiten weiter verfolgt.
WDR: Erstmals seit zwölf Jahren sind die Kölner Haie wieder bei der CHL dabei. Was bedeutet Ihnen die Rückkehr, kribbelt es vor dem Auftaktspiel in Salzburg (Donnerstag, 19.15 Uhr) schon?
Baldys: Es kribbelt schon ein wenig. Die Mannschaft freut sich auch darauf, dass wir jetzt nicht noch zwei Wochen Vorbereitung über uns ergehen lassen müssen, sondern dass es gegen Salzburg wirklich ans Eingemachte geht. Und ich glaube, für jeden Spieler, für jeden Sportler und alle im Umfeld ist das eine ganz besondere Sache.
Matthias Baldys, Sportdirektor der Kölner Haie
Bildquelle: Kölner HaieWDR: Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in die CHL? Hat der Europapokal einen ähnlichen Stellenwert wie die DEL-Saison, die für Sie am 18. September mit dem Heimspiel gegen Wolfsburg startet?
Baldys: Wir gehen in die Spiele, um zu gewinnen. Wir wissen aber auch, dass das ein bisschen was anderes ist als der Liga-Alltag, und dass in diesen Spielen alles möglich ist. Man kennt sich nicht so gut wie die Teams aus der DEL. Aber wenn wir aufs Eis gehen, wollen wir auch gewinnen und erfolgreich sein, das ist ganz klar.
Wenn man im Eishockey unterwegs ist, will man Playoffs erreichen. Aber jetzt aktuell wollen wir erstmal gut in diesen Wettbewerb starten.
So funktioniert die CHL
24 Teams treten in der Champions Hockey League (CHL) an. In der Ligaphase absolviert jede Mannschaft sechs Spiele gegen sechs unterschiedliche Gegner - drei zu Hause und drei auswärts. Alle Teams werden in einer gemeinsamen Tabelle geführt, die besten 16 ziehen ins Achtelfinale ein. Von dort an geht es im K.o.-Modus mit Hin- und Rückspielen weiter. Die Kölner Haie treffen in der Ligaphase auf Salzburg, Tappara Tampere, Frölunda Göteborg, KAC Klagenfurt, Herning Blue Fox und Genève-Servette.
WDR: Wie sehen Sie das sportliche Niveau des Wettbewerbs?
Baldys: Ich glaube, dass die Schweizer oder die schwedischen und finnischen Teams alle sehr, sehr stark einzuschätzen sind. Und ein Team wie Salzburg bewegt sich definitiv auf Augenhöhe mit jedem europäischen Team.
Grundsätzlich greifen die bekannten Machtverhältnisse schon noch: Teams aus europäischen Spitzenligen wie Schweden oder der Schweiz sind auf Strecke als Favoriten einzuschätzen. Aber wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken. Wenn Frölunda (CHL-Sieger 2026 aus Schweden, Anm. d. Red.) kommt, wissen wir alle, dass wir auf den Titelverteidiger und eines der europäischen Spitzenteams der vergangenen Jahre treffen. Genauso treffen wir auf den dänischen Meister, den wir noch nicht so gut kennen. Das hat seinen eigenen Reiz.
Baldys über die CHL - "Wir werden unsere Erfahrungen machen"
Bildquelle: WDR1 Min. 10 Sek.. Verfügbar bis 02.09.2028.
WDR: Mit Thomas Berglund haben Sie einen neuen Cheftrainer verpflichtet. Was hat Sie an ihm überzeugt?
Baldys: Er hat eine vorbildliche Arbeitseinstellung und ist fachlich, taktisch und auch in der Mannschaftsführung erfahren und auf europäischem Spitzenniveau. Das waren Dinge, die in unserem Anforderungsprofil standen.
Thomas Berglund, Trainer der Kölner Haie
Bildquelle: IMAGO/Jan HuebnerWir wollten einen "fertigen" und erfahrenen Trainer, aber auch jemanden, der dennoch eine Grundambition hat, weil die Kölner Haie für ihn auch etwas Neues sind und er sich weiterentwickeln und etwas Neues entdecken möchte. Ich bin sehr froh, dass wir ihn für uns gewinnen konnten. Wir haben da einen Top-Mann.
WDR: Mit Kari Jalonen ist nach der letzten Saison ein Trainer gegangen, der in den vergangenen beiden Jahren sehr erfolgreiche Arbeit geleistet hat. Wie verändert sich das Spiel der Haie unter Berglund?
Baldys: Was die Spielidee und die Systeme angeht, sind unheimlich viele Grundprinzipien unseres Sports nach wie vor die gleichen. Ich weiß, dass die Herangehensweise jetzt häufig diskutiert wird, aber grundsätzlich tut sich nicht viel. Es geht am Ende um Gewichtungen in gewissen Spielsituationen.
Wenn man das in kurzer Form beschreiben möchte, dann kann man davon sprechen, dass wir etwas aktiver ohne Scheibe sein und den Gegnern unser Spiel etwas mehr aufzwingen wollen als vorher. Aber das kann sich im Laufe der Saison in bestimmten Spielen oder bei der Einstellung auf Gegner auch anders darstellen.
Jeder Trainer hat eine gewisse Vorstellung davon, wie Spieler sich in bestimmten Situationen verhalten sollen. Aber wir drehen hier nicht das Eishockey auf links. Da wird auch einiges hineininterpretiert und man versucht vielleicht, mehr daraus zu machen, als es ist.
WDR: Nach dem Finaleinzug 2025 und dem Gewinn der Hauptrunde in der vergangenen Saison: Muss die Meisterschaft für 2026/27 das Ziel sein? Der Kader wurde gezielt verstärkt und ist ansonsten im Kern zusammengeblieben.
Baldys: Man will sich immer verbessern. Ich glaube, dass der letzte Schritt zu dem großen Traum, den wir hier in Köln haben, der schwerste ist. Da haben einige Teams ein Wörtchen mitzureden. Unser Anspruch ist es, uns zu verbessern. Wenn man in Köln über Eishockey spricht, dann will man natürlich höchsten Ansprüchen genügen. Wir sind ambitioniert und wollen eine wichtige Rolle spielen. Aber jetzt im September Ziele auszurufen, ist aus meiner Sicht kein hilfreicher Weg.
Das wird eine lange Saison. Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Matthias Baldys, Sportdirektor Kölner Haie
Wir müssen Schritt für Schritt gehen. Wir fangen wieder einen Prozess an und das, was in der Vergangenheit war, ist leider auch Vergangenheit. Wir beginnen wieder bei Null. Wir müssen wieder durch schwierige Phasen gehen und zum richtigen Zeitpunkt gute Entscheidungen treffen - auf dem Eis, im Trainerteam oder im Management.
Haie-Sportdirektor Baldys - "Wir haben einen großen Traum"
Bildquelle: WDR2 Min. 8 Sek.. Verfügbar bis 02.09.2028.
Und dann kommt dazu, dass mit den Playoffs wieder ein neuer Wettbewerb beginnt. Wir sind sehr ambitioniert, wir haben einen großen Traum, aber wir beginnen jetzt erst einmal wieder am Anfang des Prozesses und gehen Schritt für Schritt.
WDR: Keine ganz konkrete Zielsetzung also. Anders gefragt: Was muss passieren, damit Sportdirektor Baldys am Ende der Saison von einer erfolgreichen Spielzeit spricht?
Baldys (lacht): Wir haben gerade über einen Prozess und über viele Rädchen gesprochen, die ineinandergreifen müssen. Wenn ich auf meiner gedanklichen Liste an viele der Punkte, die wir uns als Klub vorgenommen haben, ein Häkchen machen kann, dann ist das aus meiner Sicht eine erfolgreiche Saison.
Es können so viele Dinge zusammenkommen und es kann so vieles passieren. Man kann alles, was in der eigenen Macht oder in der Macht der Mannschaft steht, sehr gut gemacht haben, aber es kommen Unwägbarkeiten dazu. Dann entscheiden sich unheimlich viele Dinge in kürzester Zeit, innerhalb einer Woche oder vielleicht einer Playoffserie. Dann darf man speziell in meiner Position nicht alles über den Haufen werfen oder hinterfragen.
Natürlich geht es im Profisport aber auch um Ergebnisse. Wenn man keine Ziele oder keine Vision hat, dann kann man sie auch nicht erreichen. Davon bin ich überzeugt. Und die dürfen wir hier auch haben, im Klub und im Klubumfeld.
Unsere Quelle:
- WDR-Interview mit Matthias Baldys
Sendung: wdr.de, "Haie-Sportdirektor Baldys - wir haben einen großen Traum", 02.09.2026, 15:15 Uhr