Ein Linienrichter mit Fahne (Symbolfoto/Archiv)

Umstrittenes Kreisliga-Spiel Pesch II hält die Klasse, SC West kündigt Protest an

Stand:

Pesch II gewinnt das umstrittene Wiederholungsspiel gegen Olympia Köln und sichert damit doch noch den Klassenerhalt in der Kölner Kreisliga A. Das Spiel nach Saisonende lässt nun den SC West Köln absteigen. Der kündigt Protest an. Der Fall sorgt für Kritik, insbesondere im Umgang beim Schutz von Schiedsrichtern.

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Der zunächst abgestiegene FC Pesch II gewann das Wiederholungsspiel aus der Saison 2025/26 am Sonntag zu Hause mit 4:2 (2:1) gegen Olympia Köln und konnte damit den Klassenerhalt doch noch sichern. Stattdessen steigt nun der SC West Köln ab.

Das Wiederholungsspiel fand auf Antrag der Gastgeber unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Polizei war vor Ort. Der WDR hat die Vereine für eine Stellungnahme angefragt. Es war ein Wiederholungsspiel, das so kaum einer erwartet hätte und das im Kölner Amateurfußball hohe Wellen geschlagen hat.

Leidtragender SC West Köln kündigt Anfechtung an

Pesch II setzte auf viele Spieler des Landesliga-Kaders. Die Entscheidung des Bezirkssportgerichtes zu einer Neuansetzung nach dem Ende der Saison eröffnete laut Regularien den Peschern die Möglichkeit, anderes Personal einzusetzen. Somit fanden sich in der Startelf nur drei Spieler, die in den letzten Partien der abgelaufenen Saison für die zweite Mannschaft aufgelaufen waren.

Noch ist das letzte Wort um den brisanten Fall nicht gesprochen: Der SC West Köln hat laut "Kölner Stadt-Anzeiger" einen Antrag gestellt, dass die Kreisliga statt 16 nächste Saison 17 Teams beinhaltet. Außerdem kündigte der Klub an, die Wertung des Spiels Pesch II gegen Olympia Köln anzufechten. Es solle "jede Spielberechtigung und jeder Transfer unter die Lupe genommen werden".

Schiedsrichter bricht Spiel nach Bedrohung ab

Doch warum kam es überhaupt zu diesem Wiederholungsspiel? Am 7. Juni trafen in der Kölner Kreisliga A der FC Pesch II und der ESV Olympia Köln aufeinander. Nachdem in der Nachspielzeit ein Pesch-Spieler beim Stand von 3:2 für Olympia die Rote Karte gesehen hatte, soll dieser den Schiedsrichter so massiv bedroht haben, dass dieser das Spiel abbrach.

Das Kölner Kreissportgericht wertete das Spiel in erster Instanz nach einer mündlichen Verhandlung mit 2:0 für Olympia Köln und der beschuldigte Spieler wurde für sechs Spiele gesperrt. Der betroffene 19-jährige Schiedsrichter hat inzwischen seine Laufbahn beendet.

Gericht kippt Urteil: Wiederholungsspiel nach Saisonende

Der FC Pesch, dessen Zweitvertretung durch die Niederlage in die Kreisliga B abgestiegen war, legte Berufung gegen die Wertung ein. Fast einen Monat später, am 5. Juli, bekam der Verein vom Bezirkssportgericht Recht.

Das Gericht änderte das Urteil mit der Begründung, dass der Schiedsrichter nicht alle Mittel ausgeschöpft habe, um das Spiel fortzusetzen. Die Entscheidung: Das Spiel wird wiederholt.

Der FC Pesch hatte die Entscheidung begrüßt: "Das Urteil bestätigt, dass wir nicht im Unrecht waren. Das ist mir wichtig, denn unser Ruf hat in den letzten Wochen arg gelitten", sagte Pascal Ervens, der 1. Vorsitzende des Vereins bei "Fupa.net".

Olympia Köln würde "am liebsten nicht spielen"

Diese ungewöhnliche Kehrtwende schlägt im Amateurfußball seitdem hohe Wellen. Am Freitag äußerte sich der ESV Olympia Köln in einem ausführlichen Statement zu dieser kuriosen Konstellation, die für einen unbeteiligten Verein schwerwiegende sportliche Folgen haben könnte.

"Wir würden dieses Spiel am liebsten nicht spielen", teilte der Verein auf Instagram mit. "Aber uns wurde klar kommuniziert: Treten wir nicht an, droht uns ein Punktabzug für die kommende Saison." Olympia-Trainer Victor Eboa nannte die Entscheidung einen "Skandal". Die zahlreichen Rückmeldungen aus der Liga würden zeigen, "dass wir mit dieser Einschätzung keineswegs alleinstehen".

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Olympia Köln kritisiert: "Völlig falsches Signal"

"Pesch erhält nun eine komplett neue sportliche Chance, obwohl die Situation, die zum Spielabbruch geführt hat, aus den eigenen Reihen entstanden ist", kritisierte Eboa. "Damit zieht Pesch aus diesem Vorfall letztlich einen Vorteil und genau das ist für uns das völlig falsche Signal."

Wiederholungsspiel in der Fußball-Kreisliga erhitzt die Gemüter

NRW-Sport 17.07.2026 01:16 Min. Verfügbar bis 16.07.2028 WDR Online

In seinem Instagram-Statement verwies Olympia Köln auf "die Frage, die dieses Urteil jedem Schiri, jedem Verein und jedem Verband stellt: Wenn die Bedrohung eines Schiedsrichters am Ende belohnt wird - was ist Schiedsrichterschutz noch wert?".

Der Instagram Post des ESV Olympia Köln hat inzwischen mehr als 30.000 Likes und über 800 Kommentare, die zum größten Teil die Kritik des Vereins teilen.

Unsere Quellen:

  • Instagram-Posts von ESV Olympia Köln
  • fussball.de
  • Fupa.net
  • Kölner Stadt-Anzeiger

Sendung: WDR.de, "Wiederholungsspiel in der Fußball-Kreisliga erhitzt die Gemüter", 17.07.2026, 19:14 Uhr

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Chris 19.07.2026, 17:53 Uhr

    Der FC Pesch hat das Spielt heute gewonnen. Bis auf 2 Spieler stand die neue erste Mannschaft auf dem Platz inkl. Trainer. Alles Spieler, die letzte Saison noch ein bis drei Klassen höher gespielt haben. Somit bleibt der FC Pesch in der Kreisliga A, der SC West steigt in die Kreisliga B ab. Der 19-jährige Schiedsrichter hat seine Karriere beendet, kein Wunder, wenn er nichtmal von seinem Verband geschützt wird. Ich hoffe der WDR bleibt an dem Thema dran und erreicht mit seiner Reichweite ein deutliches Zeichen gegen diesen Ausgang.

    Antworten (1)
    • Andi 19.07.2026, 19:05 Uhr

      Der Verein hat keinen Charakter

  • 3 Markus 19.07.2026, 14:55 Uhr

    Unglaublich: 1) der Verband fällt dem Schiri in den Rücken 2) ESV Olympia tritt überhaupt beim Spiel an 3) FC Pesch hat jeglichen Sinn für Fairness verloren 4) andere Schiris erklären sich bereit, das Nachholspiel zu pfeifen Ich hoffe, daß sich die Schiris bald malwieder für Streiks entscheiden, um den Vereinen zu zeigen, daß ihr Verhalten mit Sport nichts mehr zu tun hat. Wisst Ihr überhaupt, was Ihr unserer Jugend damit für Zeichen gebt?

    Antworten (1)
    • Michael 21.07.2026, 14:29 Uhr

      Ist mir vor Jahren auch passiert. Hab dann die Sportart gewechselt. War eine gute Entscheidung

  • 2 Antonio Caruso, 53 Jahre 19.07.2026, 14:29 Uhr

    Seit 1978 habe ich in unterschiedlichen Kölner Vereinen als Jugendlicher u. Senior, später als Trainer für Jugendmannschaften und einer I Herrenmannschaft in der Kreisliga ähnliche Erfahrungen machen müssen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum damals wie heute verbale Beschimpfungen, Gewaltandrohungen und Ausübung von physischer Gewalt von Spielern und/oder Zuschauern nicht zum unverzüglichen Spielabbruch inklusive einer sehr langen Sperre für die beteiligten Akteur:innen und einer deutlichen Strafe für Verein & Mannschaft führt? Die Erfahrung zeigt aus meiner Perspektive, dass die Vereine viel mehr Verantwortung für solche Entgleisungen tragen müssen. Sie sollten eine Kultur der Vielfalt, Toleranz und Offenheit vorleben. Die Vereine sollten auch in einer Erklärung sich eindeutig gegen Gewalt jeglicher Art positionieren und den Mut haben gegen Täter:innen aus den eigenen Reihen mit Vereinsausschluss voranzugehen. Es spottet jeglicher Fairness, dass das Spiel wiederholt wird.

  • 1 Achim Rodewald 19.07.2026, 14:09 Uhr

    Habe ich das richtig gelesen, dass einem 19-jährigen Schiedsrichter vorgeworfen wird, in einer akuten Bedrohungssituation durch einen Spieler des FC Pesch 'nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben'? Der 19-jährige Schiedsrichter habe nach diesem Spiel seine Laufbahn als Schiedsrichter aufgegeben? Ist das der Schutz, den die Verantwortlichen des Kreisligafußballs dem massiv bedrohten Schiedsrichter zugestehen? Hätte der FC Pesch nicht die Verantwortung für seinen verantwortungslosen Spieler übernehmen müssen? Warum müssen zwei andere Vereine lange nach Beendigung der Liga unter diesem 'Richterurteil' des Verbandes leiden, wenn dem klagenden Verein FC Pesch die Verantwortung für seinen amoklaufenden Spieler gut zu Gesicht gestanden hätte? Hat das Gericht eigentlich in Betracht gezogen, dass ein junger 19-jähriger Schiedsrichter nach diesem Vorfall seine Schiedsrichterlaufbahn aufgegeben hat, weil dies eine Gefahr für Leib und Leben sein kann? Wer kommt hinter das Geheimnis?

    Antworten (3)
    • Antonio Caruso 19.07.2026, 14:32 Uhr

      Vielen Dank für dein Statement! Es ist einfach unfassbar, aber bei weitem kein Einzelfall, sondern die Regel. Seit 48 Jahren bewege ich mich in unterschiedlicher Funktionen auf Kölner Fußballplätzen. Sowohl solche Taten, wie auch anschließende fassungslosmachende Entscheidungen der Spruchkammern sind aus meiner Sicht an der Tagesordnung

    • PrinzKlappschnitte 19.07.2026, 14:48 Uhr

      Eine Schande wie so vieles im Fußball - Infantino zieht seine Kreise bis in die untersten Ligen. SC Pesch sollte freiwillig ein Jahr aussetzen und die gesamte Mannschaft lieber im Altenheim helfen als blöde hinter dem Ball herlaufen

    • Harald 19.07.2026, 17:21 Uhr

      Mir sind die dort handelnden Personen nicht persönlich bekannt, aber es ist wohl vorteilhaft so: Man muss also einen Schwachmaten in der Mannschaft im Rückstand haben, der den Schiri so aggressiv angeht, dass dieser das Spiel abbricht und erhält somit eine neue Chance im neuen Spiel. Merkt hier jemand etwas? Eine solche Schiedsrichterentscheidung durch einen 19-jährigen verdient eher Respekt und keine Revision durch Funktionärstum.

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