Nach Schiedsrichter-Angriff in NRW: Urteile gegen Kreisliga-Spieler
01:41 Min.. Verfügbar bis 16.04.2028.
Das Sportgericht des Fußballkreises Wuppertal/Niederberg hat mehrere Spieler einer Mannschaft von Rot Weiß Heiligenhaus zu Sperren verurteilt. Ihnen war vorgeworfen worden, in einem Spiel der Kreisliga C Ende März den Schiedsrichter attackiert und verletzt zu haben. Einer der drei Spieler erhielt eine Sperre von zwei Jahren - davon sechs Monate auf Bewährung. Ein anderer Spieler wurde für 30 Spiele gesperrt. Ein dritter Spieler erhielt eine Sperre für acht Spiele.
Urteil trifft auch den Verein
Das Sportgericht verhängte auch Geldstrafen. So muss der Verein eine Strafe von 1.000 Euro zahlen. Hinzu kommt eine 250-Euro-Strafe für den Spielabbruch. Auch gegen den Trainer der betroffenen Mannschaft von Rot Weiß Heiligenhaus wurde eine Geldstrafe von 200 Euro verhängt.
Bis zum Saisonende werden bei Spielen der betroffenen Mannschaft zusätzliche Schiedsrichter-Assistenten eingesetzt. Diese Spiele stehen auch unter besonderer Beobachtung, was mit weiteren Kosten für den Verein verbunden sein wird. Außerdem wurde entschieden, dass das Spiel 2:0 für Velbert gewertet wird. Heiligenhaus werden zudem vier Punkte abgezogen.
Rot Weiß Heiligenhaus prüft Berufung
Bernd Rotthof, Präsident Rot Weiß Heiligenhaus
Der Präsident von Rot Weiß Heiligenhaus, Bernd Rotthof, ist noch unschlüssig, ob er das Urteil annehmen oder in Berufung gehen soll. Ihm fehlte in dem Verfahren "die richtige Beweisführung“. In seinen Augen sei nicht klar, ob die Verurteilten tatsächlich alle das gemacht hätten, was ihnen vorgeworfen wurde. Ob beispielsweise Beleidigungen tatsächlich von der Trainerbank kamen oder von den Zuschauerrängen. Klar sei in seinen Augen vor allem, "dass die Nummer sieben beteiligt war“. Diesen Spieler will er aus dem Verein ausschließen, "So jemanden brauchen wir nicht. Der konterkariert, was ich in dem Verein vorleben will.“ Nämlich Fairness.
Neben seinem Amt als Präsident, sei er auch Trainer der E-Jugend bei Rot Weiß Heiligenhaus und versuche seinen jungen Spielern beizubringen, sich zu entschuldigen und ihrem Gegenspieler die Hand zu geben, wenn sie gefoult haben. Die vier Punkte Abzug sowie die verhängte Geldstrafe empfindet Bernd Rotthof als zu hoch. Er hat das Gefühl "dass man hier ein Exempel statuieren will.“
Schiedsrichter reagierten mit Streik
Der Vorfall im Spiel gegen Velbert hatte weit über den Einzelfall hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt - auch, weil die Schiedsrichter des Kreises anschließend mit einem Streik gegen Gewalt protestierten.
Urteil mit Signalwirkung
Schiedsrichter fordern mehr Schutz.
Immer wieder beklagen Schiedsrichter im Amateurbereich fehlenden Schutz und mangelnde Konsequenzen nach Übergriffen. Auch dieser Fall wurde deshalb als Prüfstein gesehen, wie ernst der Fußball den Schutz seiner Ehrenamtlichen nimmt. Maximal dürfen Spieler für bis zu acht Jahre gesperrt werden. Mehr gibt die Rechts- und Verfahrensordnung des Westdeutschen Fußballverbandes nicht her.
Gewalt gegen Schiedsrichter bleibt Dauerthema
Er reiht sich ein in eine wachsende Debatte über Respekt und Sicherheit auf den Sportplätzen der Region. Zwar verweisen Verbände auf rückläufige Zahlen bei Gewaltvorfällen, doch viele Unparteiische erleben die Lage vor Ort anders. Der Schiedsrichter‑Streik im Raum Wuppertal hatte diese Diskrepanz zuletzt deutlich gemacht.
Ob das Urteil zur Beruhigung beiträgt oder neue Forderungen nach härteren Maßnahmen auslöst, dürfte sich schon in den kommenden Tagen zeigen.
Unsere Quellen:
- Spruchkammersitzung Fußballkreis Wuppertal
- Interview mit dem Präsidenten von Rot Weiß Heiligenhaus Bernd Rotthof
Sendung: WDR.de, Nach Schiedsrichter-Angriff in NRW: Urteile gegen Kreisliga-Spieler, 16.024.2026, 13.59 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bergisches Land, 16.04.2026, 18:09 Uhr