Der Respekt nimmt auch in der Kreisliga ab | WDR aktuell
WDR. 03:28 Min.. Verfügbar bis 20.07.2028.
Gewalt im Fußball : Wie es in Köln zur Kreisliga-Eskalation kam
Stand:
Nach einer Eskalation im Kölner Kreisliga-Fußball fragen sich nun viele: Wie konnte das nur so eskalieren? Es soll ein Schiedsrichter bedroht worden sein und weitere Gewaltdrohungen gegeben haben. Und es gibt einen unbeteiligten Verein, der nun absteigen soll. Der WDR hat mit den Teams gesprochen.
In der Diskussion geht es um den Schutz von Schiris vor Bedrohungen, um Gewaltandrohungen außerhalb des Platzes und insgesamt um Fairness im Amateur-Fußball. Doch was war eigentlich genau passiert?
Schon am 7. Juni trafen in der Kölner Kreisliga A der FC Pesch II und der ESV Olympia Köln aufeinander. In der Nachspielzeit kam es zu einem Vorfall, als Olympia mit 4:3 vorne lag: Als ein Pesch-Spieler einen Platzverweis erhalten hatte, soll er den Schiedsrichter so massiv bedroht haben, dass dieser das Spiel abbrach.
Das Kölner Kreissportgericht wertete das Spiel in erster Instanz nach einer mündlichen Verhandlung mit 2:0 für Olympia Köln und der beschuldigte Spieler wurde für sechs Spiele gesperrt. Der FC Pesch II war durch die Niederlage in die Kreisliga B abgestiegen, legte aber Berufung ein. Der Verein bekam Anfang Juli beim Bezirkssportgericht Recht.
Das Spiel wurde am vergangenen Sonntag wiederholt. Und da hat dann der eigentlich schon abgestiegene FC Pesch II die Partie mit 4:2 gewonnen und sich den Klassenerhalt doch noch gesichert. Stattdessen steigt nun der SC West Köln ab, der mit der Sache eigentlich gar nichts zu tun hat.
Gewaltandrohungen vor Wiederholungsspiel in Köln
Das Wiederholungsspiel fand auf Antrag der Gastgeber, dem FC Pesch II, unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Als Grund wurden Gewaltandrohungen genannt, die der Verein vorab erhalten hatte, wie Thomas Dreßler erklärt. Er ist Geschäftsführer des FC Pesch. Während des Spiels habe man dann die Polizei rufen müssen, weil sich Leute an den Zäunen positionierten, um das Spiel dennoch zu schauen.
Thomas Dreßler, Geschäftsführer des FC Pesch
Auf dem Platz wurde das Wiederholungs-Spiel dann von beiden Vereinen als ein normales, faires Spiel wahrgenommen. Absperrungen, Security-Aufgebot und die Anwesenheit der Polizei seien jedoch sehr ungewohnt gewesen, sagt Niklas Hadel, Kapitän der Mannschaft von Olympia Köln. Auch Thomas Dreßler, der Geschäftsführer des Vereins FC Pesch, sagt: "Es war sehr merkwürdig, das Ganze so zu erleben."
Kölner Kreisliga: Schiedsrichter berichtet von Bedrohung
Olympia-Kapitän Hadel erklärt, dass es im Grunde genommen auch bei dem umstrittenen Spiel im Juni keine Feindschaft zwischen den Mannschaften gegeben habe. Es sei ein gutes, faires Duell gewesen. Hadel betont: "Wir haben kein Problem mit Pesch, aber der Schiedsrichter hat sich bedroht gefühlt und diese Bedrohungslage bestätigen wir."
Der FC Pesch hat die Situation anders wahrgenommen: Laut dem Verein gab es zu keiner Zeit eine Gefahrensituation für den Schiedsrichter. Der erste Vorsitzende Pascal Ervens sagte dem WDR, der Spieler habe sich über die gelb-rote Karte aufgeregt. Daraufhin habe der Schiedsrichter zu ihm "verzieh dich" gesagt, was der Spieler als respektlos wahrgenommen habe. Daher habe er dem Schiedsrichter aus etwa 15 bis 20 Metern Entfernung zugerufen: "Wie redest du mit mir?". Der Schiedsrichter habe das Spiel dann abgebrochen.
Im Gespräch mit dem WDR schildert Schiedsrichter Marc Martinet den Vorfall mit dem Pesch-Spieler jedoch so: "Er hat nicht von mir abgelassen, immer weiter diskutiert, mich dann schließlich auch beleidigt und auf den Boden vor mir gespuckt, worauf ich ihn des Feldes verwiesen habe".
Marc Martinet hat sich als Schiedsrichter von einem Spieler bedroht gefühlt.
Der Spieler habe sich dann aber geweigert, den Platz zu verlassen. Er sei mit erhobenen Armen auf den 19-jährigen Unparteiischen zugelaufen, habe wild gestikuliert - "in einer für mich aggressiven, bedrohlichen Weise". Der Fußballer sei von zwei Teamkollegen zurückgehalten worden. Zusätzlich seien Spieler von Olympia Köln eingesprungen, um den Schiri zu schützen.
"Durch diese Bedrohungslage in Kombination mit dem Spucken vor mir habe ich das Spiel in der Nachspielzeit abgebrochen." Ex-Schiedsrichter Marc Martinet
Nach Abbruch sei der Spieler ihm auf dem Weg zur Kabine erneut entgegengekommen, habe ihm zweifach auf die Füße gespuckt und ihn bedroht - "nach dem Motto: Wenn ich das nächste Mal nach Pesch käme, würde er mir körperlich was antun".
Marc Martinet hat inzwischen seine Schiedsrichter-Laufbahn beendet. "Ich sehe es nicht ein, meine Freizeit für diesen Verband aufzuopfern, der so dermaßen nicht hinter seinen Schiedsrichtern steht", sagte er dem WDR.
Gewaltandrohung nach Social-Media-Posting: "Das geht einfach zu weit"
Die ganze Angelegenheit zieht mittlerweile weite Kreise: mehrere Medien berichten, das Thema verbreitet sich auf Social-Media-Plattformen. Pascal Ervens, der erste Vorsitzende des FC Pesch, zeigt sich fassungslos, welche Ausmaße die Sache inzwischen angenommen habe.
Nach einem Posting des ESV Olympia Köln in den sozialen Medien habe es Gewaltaufrufe gegen seinen Verein gegeben. Außerdem seien sämtliche Sponsoren angeschrieben worden, was auch zu einem wirtschaftlichen Verlust des Vereins führen könne. Und der Ruf des Vereins habe dadurch "extremen Schaden" genommen. "Wir machen das hier alle ehrenamtlich, es handelt sich um Amateurfußball", sagt Ervens. "Das geht einfach zu weit."
In seinem Instagram-Statement hatte Olympia Köln verwiesen auf "die Frage, die dieses Urteil jedem Schiri, jedem Verein und jedem Verband stellt: Wenn die Bedrohung eines Schiedsrichters am Ende belohnt wird - was ist Schiedsrichterschutz noch wert?". Der Instagram-Post hat inzwischen rund 34.000 Likes und 900 Kommentare (Stand: 20. Juli, 21 Uhr), die zum größten Teil die Kritik des Vereins teilen.
Weiterer Vorwurf gegen Pesch II
Und dann gibt es noch einen weiteren Vorwurf gegen Pesch II: Der Verein habe in der Wiederholungspartie auf viele Spieler des höherklassigen Landesliga-Kaders gesetzt - und sich so einen Vorteil verschafft. Der Vorsitzende Pascal Ervens betont dagegen: Alle Spieler, die an der Wiederholungspartie teilgenommen haben, seien spielberechtigt gewesen.
SC West Köln will Abstieg nicht akzeptieren
Eigentlich soll nun der SC West Köln statt dem FC Pesch II absteigen. Doch der Verein setzt sich dafür ein, dass in der Kreisliga nächste Saison 17 statt 16 Teams spielen sollen, wie der Vereinsvorsitzende Kurt Nürnberg dem WDR sagte. Dann könnte auch sein Team mit dabei sein.
"Wir sind im Endeffekt der traurige Dritte - und das ist nicht in Ordnung." Kurt Nürnberg, Erster Vorsitzender SC West Köln
Schon davor hatten mehrere Medien berichtet, dass der Verein sich seinem sportlichen Schicksal nicht ergeben wolle und die Spielwertung anfechte. Das letzte Wort ist in dem Kölner Fußball-Aufreger also noch nicht gesprochen.
Hinweis der Redaktion, 21.07.2026, 16:10 Uhr: In einer ersten Version hatten wir geschrieben, dass der Vorfall sich beim Stand von 3:2 in der Nachspielzeit ereignete. Das war nicht korrekt. Der Spielstand betrug 4:3 zu diesem Zeitpunkt. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Vertretern des FC Pesch
- WDR-Gespräch mit Olympia-Köln-Kapitän Niklas Hadel
- WDR-Interview mit Ex-Schiedsrichter Marc Martinet
- WDR-Gespräch mit Kurt Nürnberg vom SC West Köln
- Berichterstattung von "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Express"
- Bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR-Fernsehen, WDR aktuell, 20.07.2026, 21:45 Uhr