Wie Kinder im Verein geschützt werden können

Bildquelle: Ludwig Grunewald/Kindernothilfe

WDR 3 Min. 18 Sek. Verfügbar bis 24.09.2028

Kinderschutz im Sport Wie Vereine Kinder vor Gewalt schützen

Stand:

Der Duisburger "Kindernothilfe"-Verein erarbeitet Kinderschutzkonzepte im Sport. Unter anderem beim VfL Bochum.

Es ist laut auf dem Fußballplatz des Talentwerks beim VfL Bochum. Die U12-Mannschaft hat heute Training und die knapp 20 Spieler schießen aufs Tor. Mit einem "Okay, wir fangen an", bringt Trainer Mathjin Mares Ruhe auf den Platz.

Er ist heute nicht alleine in seiner Ansprache. Neben ihm steht Danja Große Bordewick. Sie ist vom Verein "Kindernothilfe" aus Duisburg. Heute will sie mit der Kinderschutzbeauftragten des VfL Bochum, Angelina Biela, die Kinder zu unterschiedlichen Themen befragen.

Das Wichtigste in Kürze

Das Landeskinderschutzgesetz fordert Vereine auf, Schutzgesetze in Sportvereinen zu etablieren. Seit September sollen laut Landessportbund zunächst Vereine, die Bundesfreiwilligendienstler anstellen, solche Konzepte etablieren. Darin sollen folgende Punkte enthalten sein:

  • Durchführung einer Risikoanalyse
  • Beschluss und Benennung von mindestens einer Ansprechperson
  • Eignung von Mitarbeitenden (Einsichtnahme in das Erweiterte Führungszeugnis/ Unterzeichnung des Ehrenkodex)
Vor allem Amateurvereine haben dafür oft wenig Kapazitäten. Der Prozess laufe langsam an, heißt es von der Kindernothilfe. Eltern sollten in jedem Fall das Gespräch mit den Trainern suchen, um ein Gefühl zu entwickeln, wie Kinder im eigenen Verein geschützt werden sollen.

Quiz und Zirkeltraining zu Kinderrechten beim VfL Bochum

Es geht los mit einem Quiz. Was sind eigentlich Kinderrechte? Darf ein Trainer beim Umziehen in die Kabinen? Dürfen Fotos von Spieltagen einfach so online gestellt werden? Die Fragen betreffen viele Lebensbereiche der Kinder.

So sieht das auch beim anschließenden Zirkeltraining aus. Es gibt zehn Stationen. An jeder zweiten wird getrickst, gepasst und gedribbelt. An jeder weiteren müssen die Kinder auf Klebezetteln anonym Fragen beantworten.

Kindernothilfe aus Duisburg erstellt Kinderschutzkonzept beim VfL Bochum
"Wir wollen von euch wissen, wie ihr das Training findet. Außerdem wollen wir euch einfach mal sagen, welche Rechte ihr habt und woran sich alle Erwachsenen halten müssen. Aber keine Angst, dabei spielt ihr auch weiter Fußball." Danja Große Bordewick, Kindernothilfe e.V.

Auf die Frage "Wann ist Körperkontakt für dich okay?", schreibt der elfjährige Jibril: "In Zweikämpfen oder beim Abklatschen mit dem Team." Anhand dieser Antworten wird das Kinderschutzkonzept überarbeitet.

Kinderschutzkonzepte als Pflicht für Profivereine

Der VfL Bochum hat seit sieben Jahren ein Kinderschutzprojekt und war damit einer der ersten Vereine in ganz Deutschland. Mittlerweile müssen alle Vereine aus der ersten und zweiten Bundesliga ein solches Konzept vorlegen.

"Kinderschutz ist ein Thema, das immer wichtiger wird", sagt Bordewick. Einer Studie aus dem Jahr 2022 zufolge hätten 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen bereits Gewalterfahrungen oder Grenzüberschreitungen im Sport miterlebt. "Dabei geht es um physische oder psychische Gewalt, also Handgreiflichkeiten oder Schreierei", sagt sie weiter.

Schulungen und Sensibilisierung der Trainer im Fokus

Beim VfL Bochum gibt es außerdem seit Jahren eine Kinderschutzbeauftragte. Angelina Biela hilft auch bei der Befragung der U12-Kinder mit. Denn durch die Antworten wird das Schutzkonzept neu angepasst. Auch in Sachen Leistungsdruck.

Wohlfühlen im Verein stärkt die Leistung der Kinder

Darin geht es unter anderem um richtige Kommunikation. Statt zu schreien sollten Trainerinnen und Trainer den Kindern erklären, warum sie zum Beispiel ausgewechselt wurden und woran man gemeinsam im Training arbeiten will.

Dieses Konzept lasse sich auch auf den Breitensport und Amateurvereine übertragen, meint die Kindernothilfe. Es sei wichtig, den Amateursport nicht unter Generalverdacht zu stellen, trotzdem sollten auch hier erwachsene Trainer richtig kommunizieren.

Kindernothilfe aus Duisburg erstellt Kinderschutzkonzept beim VfL Bochum
"Druck gehört zum Sport und auch ein gewisser Konkurrenzgedanke. Den Druck wollen wir gar nicht wegnehmen, aber wir wollen ihn vernünftig kommunizieren und Entscheidungen erklären. Dafür müssen die Trainer regelmäßig Schulungen besuchen." Angelina Biela, Kinderschutzbeauftragte des VfL Bochum

Schreiende Betreuer, Kinder, die gar nicht eingesetzt werden, oder ein Vorstand, der den Nachwuchs hinter den Seniorenfußball stellt, seien keine Seltenheit. Auch hier kommt es zu Gewalt und Grenzüberschreitungen. Eltern sollten Beschwerden der Kinder ernst nehmen und selbst mit Betreuern und dem Vorstand sprechen. So bekommen sie ein gutes Gefühl, wie wichtig im Verein der Kinderschutz ist.

Das soll zu einem besseren Klima innerhalb des Vereins führen. Laut dem Verein Kindernothilfe aus Duisburg spielen Kinder besser, wenn sie sich wohlfühlen.

Unsere Quellen:

  • Kindernothilfe e.V.
  • VfL Bochum
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 24.09.2026, 19:30 Uhr

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