Noah Schmuck ist aktives AfD-Mitglied und im Fußballkreis Euskirchen für die jungen Schiedsrichter zuständig.
Bildquelle: WDRDer Fußballverband Mittelrhein wollte eine Frage klären lassen, die auch anderswo in gemeinnützigen Vereinen diskutiert wird: Behält er den Status der Gemeinnützigkeit und damit die finanziellen Vorteile, wenn seine Satzung AfD-Mitglieder von Ämtern ausschließen würde?
Die Antwort der Oberfinanzdirektion NRW an den Verband besagt nun zusammengefasst: Nein, dann würde der Fußballverband Mittelrhein nicht mehr als gemeinnützig gelten.
Diese Einschätzung zeigt AfD-Gegnern im Sport Grenzen auf. Auch, wenn die Finanzverwaltung gegenüber dem WDR betont, dass es sich um eine Einzelfallprüfung handele und diesbezüglich allgemein "keine konkreten Verwaltungsanweisungen mit Bindungswirkung für die Finanzämter in Nordrhein-Westfalen" existieren.
Fußballverband Mittelrhein wollte offizielle Einschätzung
"Die von uns eingeholte Stellungnahme der Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen stellt unmissverständlich klar, dass ein Ausschluss von Personen rein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer verfassungsrechtlich zugelassenen Partei nicht mit der gesetzlichen Neutralitätspflicht im Gemeinnützigkeitsrecht vereinbar ist", sagt FVM-Präsident Christos Katzidis.
Die Juristen im FVM hatten das von vornherein so eingeschätzt, aber ihnen lag aus dem Kreis einiger ehemaliger Ehrenamtler ein Antrag vor, die Satzung entsprechend ändern zu lassen.
AfD-Mitglied betreut im Fußballkreis Euskirchen junge Schiedsrichter
Der Grund, warum im Fußballverband Mittelrhein kontrovers diskutiert wird, ob man AfD-Mitglieder von Ämtern ausschließen könnte und sollte, ist Noah Schmuck. Er ist im Kreis Euskirchen als Ehrenamtler für den Schiedsrichternachwuchs zuständig.
Schmuck ist aber auch AfD-Mitglied und bei der Generation Deutschland aktiv - der Jugendorganisation der AfD, die in NRW als extremistischer Verdachtsfall eingestuft wird.
Schmuck sagt dazu, er trenne Politik und Sport und fordert das auch vom Verband. "Ich bin weder aufgefallen durch Verhalten noch durch irgendwelche extremistischen Äußerungen. Ich bin ein ganz normaler Eifeler Jung’ und deshalb ist es halt schwierig, Leute sippenhaft-mäßig zu verurteilen und aus Ämtern auszuschließen."
Die Generation Deutschland, die in NRW als extremistischer Verdachtsfall gilt, greift die Debatte auf Instagram auf.
Bildquelle: WDRProtest und Antrag auf Satzungsänderung durch AfD-Gegner
Acht andere Ehrenamtler im Fußballkreis Euskirchen haben aus Protest gegen Schmucks Einsatz bei den Jungschiedsrichtern inzwischen ihre Aufgaben niedergelegt. Und einer aus diesem Kreis hatte eine Satzungsänderung beantragt - so sollten sich eine AfD-Mitgliedschaft und ein Amt im Verband künftig ausschließen.
Wer Mitglied in einer extremistischen Organisation ist - gleich welcher politischer oder weltanschaulicher Ausrichtung -, solle sich nicht mehr zur Verbandssatzung bekennen können, heißt es im Antrag. Und dann folgt der entscheidende Satz: "[Das] gilt insbesondere im Hinblick auf die Mitgliedschaft in einer fremdenfeindlichen und/oder rassistischen Organisation, wie z. B. der Partei 'Alternative für Deutschland'."
Steuerrecht schreibt Vereinen parteipolitische Neutralität vor
Für gemeinnützige Sportvereine und -verbände gilt jedoch das Gemeinnützigkeitsrecht im Steuerrecht. Vereine und Verbände müssen demnach parteipolitisch neutral sein, schreibt auch der Deutsche Olympische Sportbund.
Gleichzeitig rät er seinen Vereinen und Verbänden aktuell aber ausdrücklich dazu, ihre Satzungen zu prüfen und so auszugestalten, dass sie gegenüber gegenüber religiösen, linken und rechten Extremisten handlungsfähig werden.
Satzungsänderungen zum Schutz demokratischer Werte sind angestrebt
In NRW berät die Verbände und Vereine hierzu der Landessportbund. Unabhängig von dem Fall beim Fußballverband Mittelrhein erklärt er, der organisierte Sport in Nordrhein-Westfalen stehe für Demokratie, Respekt, Vielfalt und die gleiche Würde aller Menschen.
"Eine Satzungsregelung, die menschen- und demokratiefeindliches Verhalten klar ausschließt, macht diese Werte verbindlich und gibt Vereinen eine belastbare Grundlage, um gegen extremistische Bestrebungen vorzugehen", rät der Landessportbund deswegen.
Vereine sollten klar benennen, welche Verhaltensweisen mit ihren Werten unvereinbar sind, und zugleich transparente Verfahren für mögliche Sanktionen oder Vereinsausschlüsse vorsehen. Dabei dürften die Regelungen aber nicht parteipolitisch ausgestaltet werden.
Was folgt jetzt im Fußballkreis Euskirchen?
Für den Fußballverband Mittelrhein bedeutet das Ergebnis der Prüfung der Oberfinanzdirektion jetzt, dass der Satzungsänderungsantrag, der AfD -Mitglieder von Ämtern ausgeschlossen hätte, nicht durchkommen wird. Sowieso war offen, ob sich dafür im Verband eine Mehrheit gefunden hätte.
Mit dem aktiven AfD-Mitglied Noah Schmuck will der Fußballverband Mittelrhein im Kreis Euskirchen weiter zusammenarbeiten wie bisher. Präsident Christos Katzidis sagt: "Fußball verbindet Menschen und spaltet sie nicht. Wir haben einen klaren Wertekompass, für den wir uns einsetzen. Grundlage dafür bildet das Verhalten von Menschen und nicht die reine Parteizugehörigkeit."
Der FVM will und kann weiterhin tätig werden, wenn jemand rassistisch diskriminiert oder rechtsextremes Verhalten an den Tag legt. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit. "Aber die reine Parteizugehörigkeit, ohne dass jemand negativ auffällt, ist kein Ausschlussbegehren. Zumindest solange es eine verfassungsrechtlich zugelassene Partei ist", sagt Katzidis.
Unsere Quellen:
- Fußballverband Mittelrhein
- Interview mit Noah Schmuck, aktives AfD-Mitglied und Jungschiedsrichterbeauftragter im Fußballkreis Euskirchen
- Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen
- Deutscher Olympischer Sportbund
- Landessportbund NRW
Sendung: "Fußballverband Mittelrhein: Wie umgehen mit AfD-Mitgliedern?", WDR.de, 22.09.2026, 18:18 Uhr