Das Wichtigste in Kürze
- Padel boomt in Deutschland, NRW ist Vorreiter bei der Anzahl von Plätzen
- Padel hat auch Einzug in Tennisvereine erhalten und sorgt hier für neue Mitglieder
- Im kommerziellen Bereich verdrängt Padel jedoch Tennis aus den Hallen
Manchmal muss man Dinge selbst in die Hand nehmen - so wie Alex Kautz. Seit 42 Jahren ist der Kölner leidenschaftlicher Tennisspieler. Achillessehnenprobleme schränken ihn auf dem großen Tennisplatz jedoch immer mehr ein. Kautz hat aber eine Alternative gefunden: Padel. "Ich habe zum ersten Mal vor zwölf Jahren auf Mallorca Padel gespielt. Ich habe den Schläger in die Hand genommen und sofort gesagt, das ist ein toller Sport", sagt er im Gespräch mit dem WDR.
Das Problem: Padel-Plätze in Köln waren schwer zu bekommen. Also tat sich Kautz mit zwei Partnern zusammen und eröffnete im Sommer 2025 in einer alten Industriehalle in Köln-Mülheim mit "Cube Padel" seine eigene Padel-Halle. "Jetzt können wir regelmäßig spielen."
NRW ist das Land mit den meisten Padelcourts
Kautz liegt damit voll im Trend, mittlerweile ist auch seine Halle zu den Stoßzeiten Wochen im Voraus ausgebucht. Der Sport boomt. Die Zahl der Padelcourts ist laut dem Portal "Padelfinder" in wenigen Jahren von rund 70 Plätzen (Stand 2020) auf über 1.200 Courts (Stand Ende 2025) gestiegen, mit weiter steigender Tendenz. Und nirgendwo in Deutschland gibt es mehr Padelplätze als in Nordrhein-Westfalen mit den Ballungsräumen Köln und Düsseldorf. Je nach Datengrundlage gibt es in NRW derzeit zwischen 250 und 500 Padelcourts. Klar ist aber in allen Statistiken, dass NRW das Bundesland mit den meisten Anlagen und dem stärksten Wachstum ist.
Padel kommt ursprünglich aus Spanien und eine Art Mischung aus Tennis und Squash. Gespielt wird immer im Doppel mit einem Tennisball auf einem 10x20-Meter großem Feld, das von Glaswänden umgeben ist. Der Ball darf dabei auch über die Glaswände gespielt werden, muss davor aber einmal auf dem Boden aufgekommen sein. "Es ist leicht zu erlernen, es macht sehr viel Spaß, man macht es immer zu viert. Da ist ein sehr geselliger Faktor dabei", erklärt Carmen Herrscher, Sportwartin für Padel beim TG Nord, dem größten Tennisverein in Düsseldorf.
Padel wird längst nicht mehr nur auf privaten, kommerziellen Anlagen gespielt. Viele Tennisvereine haben mittlerweile ihr Portfolio durch Padel erweitert. Bei der TG Nord hat man die Chance früh erkannt und bereits 2020 eine Padel-Abteilung gegründet. "Wir hatten damals in der Tennissparte um die 500 Mitglieder, doch die Zahl stagnierte", erklärt Herrscher. Der Vorsitzende der TG Nord, Erik Graw, wollte jedoch nicht, dass sein Verein veraltet und wollte etwas anders machen. Dann kam Padel ins Spiel. "Ich gehörte damals zu den ersten Padel-Mitgliedern und seitdem ist das rasant gewachsen", sagt Herrscher. Heute spielen in der TG Nord von mittlerweile rund 1.200 Vereinsmitgliedern 285 Menschen Padel.
Padel als Chance für Tennisvereine
Auch Utz Uecker, Präsident des Tennisverbands Mittelrhein (TVM), sieht Padel als "Chance, dass wir die Tennisvereine mit noch mehr Mitgliedern beschenken". Der TVM habe nun sogar vom Deutschen Tennis-Bund (DTB) den Auftrag bekommen, Trainer im Padel auszubilden.
Doch ist Padel auch eine Konkurrenz zum Tennissport? Droht eventuell sogar eine Verdrängung? "Ich sehe es als Symbiose", hält Uecker entgegen. Auch Herrscher sagt: "Tennis und Padel, das geht einher. Ich würde jetzt nicht sagen, dass Padel Tennis verdrängen wird. In Spanien zum Beispiel ist Padel ganz ausgeprägt und ist mit Tennis ungefähr auf Augenhöhe und es ist nicht so, dass weniger Leute Tennis spielen, weil mehr Leute Padel spielen. Es ist nicht unbedingt die gleiche Zielgruppe."
Auf kommerzieller Ebene findet Verdrängung statt
Während auf Vereinsebene Tennis und Padel also koexistieren und die Tennisvereine vom Padel-Hype noch profitieren, sieht das im kommerziellen Bereich mitunter anders aus. In Kleve etwa wurde 2024 die Tennishalle "Rainbow" geschlossen. Stattdessen wird dort nun Padel gespielt. Auch in Düren verschwindet aktuell eine Tennishalle zugunsten einer neuen Padelhalle.
Das ist eine Entwicklung, die TVM-Präsident Uecker durchaus mit Sorge betrachtet: "Wir als Tennisverband hoffen natürlich, dass möglichst wenig kommerzielle Tennishallen umgewandelt werden und viel mehr neue gebaut werden", sagt er. Diesbezüglich habe der Verband auch mit kommerziellen Tennishallen-Betreibern gesprochen, "und haben eher dafür plädiert, etwas Neues zu bauen, als unsere Tennisplätze wegzumachen." Viel dagegen tun könne der Verband jedoch nicht.
Kautz: "Niemand beschäftigt sich mit Neubau von Tennisplätzen"
Kautz, der neben seiner Padel-Halle auch noch ein Sportcenter inklusive Tennishalle betreibt, wird da deutlich: "Niemand, der wirtschaftlich denkt, beschäftigt sich aktuell mit dem Neubau von Tennisplätzen. Aber ich kenne ganz viele, die sich mit dem Neubau von Padelplätzen beschäftigen."
Ein Padelcourt ist 20 Meter lang, zehn Meter breit und ist von Glaswänden umgeben.
Bildquelle: picture alliance / MAXPPPGrund dafür sei die Flächen- und die Kosteneffizienz. "Du hast zwei Padelplätze auf der Fläche von einem Tennisplatz. Du kriegst also einen höheren Stundensatz bei der Hälfte der Fläche, die du brauchst. Du hast einen deutlich geringeren Pflegeaufwand als bei einem Ascheplatz zum Beispiel. Auf einem Padelplatz musst du alle fünf Jahre den Teppichboden erneuern lassen und einmal im Monat die Scheibe putzen. Ab und zu geht mal ein Netz kaputt, das wars. Das ist ein überschaubarer Betrag. Tennis ist ein bisschen aufwendiger."
Deshalb werde Tennis vor allem im kommerziellen Indoor-Bereich immer weiter verdrängt, meint Kautz. "Tennis wird nicht komplett verschwinden, dafür ist es ein viel zu schöner Sport. Aber er wird Federn lassen müssen."
Warum der Padel-Trend bleiben wird
Und Padel? Ist der Sport gekommen, um zu bleiben? "Da bin ich mir sehr sicher, wenn du siehst, was gerade in Deutschland passiert", sagt Kautz. Im Gegensatz zum Tennis gebe es im Padel nicht einmal prominente Zugpferde. "Padel generiert die Reichweite einfach dadurch, dass es ein geiler Sport ist. Nicht dadurch, dass du irgendwelche Helden hast. Die kommen noch. Und dadurch bin ich mir sicher, dass der Trend nicht so schnell weg sein wird."
Auch Herrscher von der TG Nord glaubt, dass Padel bleiben wird. "Aber ich glaube, es liegt auch an uns, dass wir Padelplätze betreiben und am Verband, an die Jugend heranzugehen. Das A und O bei der ganzen Sache sind Kinder und Jugend. Und da muss man ganz viel investieren."
"Ich hoffe, dass es nicht nur eine Eintagsfliege ist, dass es sich lange hält und eine parallele Entwicklung nimmt", denkt TVM-Präsident Uecker. "Ich bin guten Mutes, dass es der gesamten Gesellschaft guttut, Sport zu treiben. Es ist auch egal, ob sie Tennis oder Padel spielen, sie sollen sich bewegen."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Alex Kautz, Betreiber von "Cube Padel"
- Gespräch mit Carmen Herrscher, Sportwartin Padel bei der TG Nord
- Gespräch mit Utz Uecker, Präsident beim Tennisverband Mittelrhein
- Portal "Padelfinder"
Sendung: WDR.de "Was der Padel-Hype für den Tennissport bedeutet", 22.04.2026, 10 Uhr