Es gibt Zeiten im Leben, wo alles einfach von der Hand geht. Alexander Zverev befindet sich gerade in solch einer Phase. Was der frisch gebackene US-Open-Sieger anfasst, scheint zu gelingen. "Ich bin gerade glücklich auf dem Tennisplatz. Ich genieße den Sieg, mein Tennis und mein Jahr", sagte er noch auf dem Court stehend, nachdem der den bärenstark aufspielenden Kroaten Matej Dodig knapp in zwei Sätzen mit 6:4, 7:6, (7:3) zum Davis-Cup-Auftakt geschlagen hatte.
Der 29-Jährige fühlte sich jedenfalls sichtlich wohl wieder zurück in Deutschland, in Ostwestfalen, in Halle zu sein. Die Freude darüber war ihm selbst, aber auch den Zuschauern anzumerken.
Die 8000 waren froh, dem frisch aus New York - der Stätte des jüngsten Triumphes - heimgekehrten Helden die verdiente Anerkennung zukommen zu lassen. Zverev wurde bereits rund zwei Stunden zuvor mit ohrenbetäubenden Beifall im Tennisstadion empfangen. Und diese positive Atmosphäre strahlte über den Tag.
Ziel noch nicht erreicht
Was sonst eher Pflichtaufgabe für Zverev ist, wurde dieses Mal zum Spaßfaktor. Selbst Interviews, die Zverev sonst häufig den Nerv raubten und in denen er häufig einsilbig antwortete, konnte er mit einer großen Leichtigkeit ertragen. "Es ist ein großartiges Jahr, aber es ist noch nicht zu Ende", sagte Zverev mit einem breiten Grinsen.
Seine Ziele sind noch nicht erreicht. Zverev könnte mit weiteren Turniererfolgen noch die Nummer eins der Welt werden und den Italiener Jannik Sinner ablösen. Ein Lebenstraum ist zwar erfüllt, der andere soll auch noch in den verbleibenden Jahresmonaten Realität werden.
Ehrung für Zverev
Dieser Samstag in Halle war ein Tag, den Zverev wohl noch lange in Erinnerung behalten wird. Rund 20 Minuten nach seinem Match stand er immer noch geduldig auf dem Court und gab den vielen Kindern und Jugendlichen unaufhörlich Autogramme. Jedes einzelne mit einem Lächeln versehen.
So viel Zuneigung war selten für den gebürtigen Hamburger, der mittlerweile zwar ähnlich erfolgreich ist wie Tennis-Volksikone Boris Becker, der aber nie dessen Beliebtheitsgrad erreicht hat. Aber: Zverev arbeitet sich gerade heran.
Am Ende des Tages, an dem es nach der Niederlage von Daniel Altmaier 1:1 stand, wurde Zverev auch noch vom Präsidenten des Deutschen Tennisbundes, Dietloff von Arnim, und Staatsminister für Sport und Ehrenamt, Ronald Rauhe, unter dem lauten Beifall des Publikums für seinen Erfolg geehrt.
Nicht gut, nicht schlecht
"Es war eine Wahnsinns-Reise", sagte Zverev und meinte dabei sein gesamtes Tennisleben und auch seine ganze Familie, die auf der Tribüne saß. Auch seine Mutter Irina Zwerewa, die es nervlich normalerweise nicht aushält, die Spiele ihres Sohnes live mitzuverfolgen. Die fünfjährige Tochter sorgte allerdings dafür. "Der Grund dafür heute war, dass Mayla unbedingt zuschauen wollte", sagte er. "Also musste sie".
Viel mehr Harmonie wollte Zverev dann aber doch nicht aufkommen lassen. "Der Tag war nicht gut und nicht schlecht, er war okay. Wir wollen noch Großes mit dem Team erreichen", resümierte der beste deutsche Tennisspieler, auf dem der gesamte Fokus gerichtet war.
Zverevs Blick richtete sich also bereits auf den nächsten Tag. Schließlich war er - seinem Ehrgeiz entsprechend - in erster Linie nach Halle gekommen, um erfolgreich Tennis zu spielen.
Unsere Quellen
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, "Alexander Zverev - "Wollen als Mannschaft weiterkommen", 19.09.2026, 19:42 Uhr