Helen Brandt und "Willi" bei den Deutschen Para-Meisterschaften
Bildquelle: IMAGO/Funke Foto ServicesPara-Dressur startet : Helen Brandt und ihr besonderer Weg zur Reit-WM
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Bei der Reit-WM in Aachen stehen ab Mittwoch die Wettbewerbe in der Para-Dressur auf dem Programm. Eine der deutschen Hoffnungen ist Helen Brandt, die sich nach einer plötzlichen Erkrankung zurück in den Sattel kämpfte und nun ihr erstes Championat bestreitet. Wie die Para-Dressur funktioniert und warum die 28-Jährige bei ihrem WM-Debüt Medaillenchancen hat.
Helen Brandt trägt am Dienstagmorgen Schwarz-Rot-Gold an den Ohren. Ihre Trainerin Melanie hat ihr die kleinen "Glücksohrringe" geschenkt. Passend für einen Moment, auf den die 28-Jährige lange hingearbeitet hat: In Aachen sitzt sie erstmals bei einem Championat im Sattel - und das nur wenige Jahre nachdem sich ihr Leben komplett verändert hat.
2019, Helen ist 20 Jahre alt, beginnt alles mit einem Kribbeln im Bein. Dann wird das linke Bein taub. Innerhalb von sechs Wochen sitzt die damals angehende Krankenschwester im Rollstuhl. "Ich konnte es echt nicht fassen", erzählt sie im WDR-Interview. Die genaue Ursache ihrer Erkrankung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
Der schwierige Weg zurück in den Sattel
Auch das Reiten scheint zunächst weit weg. Doch gemeinsam mit ihrer damaligen Physiotherapeutin und Freundin wagt Helen Brandt den Weg zurück in den Sattel. "Ich hab angefangen zu weinen und war einfach nur glücklich, dass ich wieder auf dem Pferd saß", erinnert sich Helen mit einem Strahlen im Gesicht.
Zunächst geht sie heimlich in den Stall. Nach ein paar Wochen erzählt sie schließlich auch ihren Eltern von den Trainingsstunden. Sechs Jahre später nimmt sie als deutsche WM-Hoffnung bei der Reit-WM in Aachen teil.
Brandt: "Dass das wirklich klappt, hätte keiner mit gerechnet"
Brandt muss in Aachen nicht erst beweisen, dass sie hierhergehört. Allein der Weg bis zur WM ist bemerkenswert. 2025 bestritt sie ihre erste internationale Saison im Para-Dressursport. Ein Jahr später steht sie im deutschen WM-Team, gemeinsam mit Heidemarie Dresing, Regine Mispelkamp und Anna-Lena Niehues.
So funktioniert die Para-Dressur
Fünf Grades, elf Weltmeistertitel: In der Para-Dressur werden die Reiter entsprechend ihrer funktionellen Einschränkungen in die Grades I bis V eingeteilt.
Grade I ist für die stärksten Einschränkungen vorgesehen, Grade V für die geringsten. Die Prüfungen werden an die jeweiligen Möglichkeiten der Reiter angepasst.
In jedem Grade gibt es einen eigenen Weltmeistertitel in der Einzelprüfung und einen weiteren in der Kür. Dazu kommt ein Weltmeistertitel für die Mannschaft - insgesamt also elf WM-Titel. Für die Kür qualifizieren sich die acht besten Reiter jedes Grades aus den beiden Qualifikationsprüfungen.
Die Reiter dürfen sogenannte kompensatorische Hilfsmittel verwenden, die ihre Beeinträchtigung ausgleichen. Dazu gehören, je nach Klassifizierung, beispielsweise spezielle Zügel, Haltevorrichtungen oder angepasste Sättel. Nicht standardisierte Hilfsmittel müssen vom Weltveband FEI vorab genehmigt werden.
Die Para-Dressur-Zeiten bei der Zeitplan in Aachen:
- 19. August: Grades I, II und III (Einzelentscheidung + 1. Qualifikation für Kür)
- 20. August: Grades IV und V (Einzelentscheidung + 1. Qualifikation für Kür)
- 21./22. August: Mannschaftswettbewerb (+ 2. Qualifikation für Kür)
- 23. August: Kür-Finale der fünf Grades
Brandt ist dabei die einzige deutsche WM-Starterin ohne vorherige Championatserfahrung. Doch auch als Debütantin hat sie in Grade IV große Chancen mit ihrem imposanten Wallach Vulkan Vegas, genannt "Willi".
Wallach Willi "will sich präsentieren"
Helen und ihr "Willi" sind erst seit 2025 aktiv im Para-Sport unterwegs. Über eine Facebook-Anzeige hat Brandt den Wallach damals entdeckt. Ihre erste gemeinsame Saison verlief zunächst nicht ganz reibungslos, auch weil das damals siebenjährige Pferd kaum Turnier-Atmosphäre kannte.
Doch die beiden finden schnell zusammen - und Willis große Stärke zeigt sich schon bald: "Er ist ein absoluter Showmaker. Der will performen und will nichts falsch machen. Der kämpft im Viereck", sagt Brandt.
Einsatz für Brand und Willi am Donnerstag
Am Donnerstag wird Brandt zum ersten Mal bei dieser WM ins Viereck einreiten. Die kleinen schwarz-rot-goldenen Glücksohrringe werden sie dabei begleiten. Viel wichtiger aber dürfte sein, was sie noch mit nach Aachen gebracht hat: sechs Jahre Arbeit, den Weg zurück aufs Pferd und ihren Wallach "Willi", der selbst am liebsten im Mittelpunkt steht.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: wdr.de, Die Para-Dressur startet bei der Reit-WM, 18.08.2026, 19:40 Uhr