Service Computer : Kann man sich gegen KI-Brillen schützen?
Nach Smartphone, Smartwatch und Smart Ring kam die schlaue Brille. "Smart Glasses“ oder auch "KI-Brillen" heißen die gar nicht mehr so neuen Produkte der Tech-Branche, die allmählich im Mainstream angekommen sind. Manche Menschen nennen sie auch "Spanner-Brillen". Denn es gibt jede Menge Kritik an den Kamera-Brillen, die zum Beispiel von Meta oder Google auf den Markt kommen.
Was wird kritisiert?
Haupt-Kritikpunkt ist, dass nicht alle Beteiligten immer sofort sehen und wissen, dass die Person, die ihnen da gegenüber steht, sie gerade mit ihrer Brille filmt. Das ist auch genau der Grund, warum die Organisation Hate Aid Strafanzeige gegen Meta, Ray Ban und einige Händler dieser Brillen eingereicht hat.
Mit welcher Begründung?
HateAid sagt, dass der Verkauf gegen das Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG) verstößt und eine Straftat sei. Dazu muss man wissen, dass das Gesetz verbietet, Geräte auf den Markt zu bringen, die als Alltagsgegenstand getarnt und dazu bestimmt sind, andere unbemerkt zu filmen oder abzuhören. HateAid hält vor allem ein Modell von Meta in Kooperation mit Ray-Ban für besonders gefährlich, weil man es nur schwer von den ganz normalen Ray-Ban-Brillen Brillen unterscheiden kann.
Hat man eine Chance, sich davor zu schützen, unbemerkt gefilmt zu werden?
Wenn man es weiß und genau hinsieht, kann man die Kameras im Gestell erkennen. Und: Es gibt eine LED, die leuchtet, wenn die Brille filmt – so ähnlich wie bei manchen Videokameras. Diese LED ist auch das Gegenargument von Meta: Das Filmen geschehe ja nicht unbemerkt. Wenn man sich aber z. B. ein Schwimmbad oder einen Strand an einem hellen Sommertag vorstellt, dann schaut man sich eine Person mit Sonnenbrille wahrscheinlich nicht so genau an und erkennt auch die LED nicht. Und: Es gibt im Netz Anleitungen, wie man die LED deaktivieren oder abdecken kann. Also hat man dann kaum eine Chance.
Was sollte man denn tun, wenn man sieht, dass da jemand offenbar mit einer Kamera-Brille unbemerkt filmt?
Das Problem ist: Es ist – noch – nicht verboten, die Brillen zu tragen und sie zu benutzen. Geltende Gesetze erfassen das Problem noch nicht wirklich – hier muss dringend nachgebessert werden. Im Moment darf man im öffentlichen Raum (Straße, Park) damit filmen. Und es dürfen auch Menschen auf den Aufnahmen zu sehen sein, solange sie im nur "Beiwerk" sind, also z. B. im Hintergrund zu erkennen sindsind (z. B. beim Filmen einer Sehenswürdigkeit). Strafbar ist nur das Filmen im "höchstpersönlichen Bereich" eines Menschen (Umkleidekabine, Toilette, Schlafzimmer …) Nur dann dann kann man gegen die Person rechtlich vorgehen. Wenn man aber sieht, dass man gefilmt wird, sollte man am besten den Brillenträger ansprechen: "Ich sehe, dass Sie mich filmen, ich will das nicht, hören Sie damit auf, ich will, dass Sie die Aufnahmen löschen." Damit hat man auf jeden Fall klargestellt, dass man keine Einwilligung gibt, dass die Aufnahmen z.B. auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht werden.
Aber wirklich verhindern kann ich es nicht, dass jemand mit Videobildern von mir nach Hause geht?
Nein – im Moment nicht –, so wie bei einer Kamera oder einem Smartphone auch nicht. Deswegen ist die Strafanzeige von HateAid so wichtig: Sie führt hoffentlich dazu, dass sich die Gesetzgeber mit dem Problem auseinandersetzen. Denn die Strafanzeige ist mit konkreten Forderungen und einer Petition verbunden. Brillen, die heimlich filmen, sollen nicht mehr verkauft werden dürfen. Nur solche Brillen dürfen verkauft werden, bei denen die Kameras farblich gekennzeichnet sind. Es muss klare Grenzen und Regeln für die Nutzung geben (wie bei Bodycams oder Dashcams), Betroffene müssen (juristische) Hilfe bekommen können.
Autor: Michael Stein
Redaktion: Jan Friese
Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.