Eine Mausefalle mit @-Zeichen schnappt nach einem Daumen über einer Tastatur.

Service Computer Werbetracking oder Abo – was ist besser?

Nichts ist umsonst – dieser Spruch gilt vor allem im Internet. Denn auch wenn viele Dienste auf den ersten Blick kostenlos sind: Bezahlen müssen wir sie trotzdem. Und zwar mit unseren Daten.

Immer häufiger hat man die Wahl: Ich kann ein Abo abschließen und bezahlen oder ich nutze den Dienst kostenlos und lasse mich dafür beobachten und erlaube, meine Daten zu sammeln und zu nutzen. Für welches Modell sollte ich mich entscheiden?

Um welche Dienste geht es?

Die Wahl zwischen Werbetracking oder bezahltem Abo gibt es zum Beispiel bei Websites von Zeitungen und Zeitschriften, bei Software oder auch bei Diensten wie "kleinanzeigen.de" (früher: "eBay-Kleinanzeigen"). Die Nutzung von kleinanzeigen.de war und ist eigentlich auf den ersten Blick kostenlos. Man kann kostenlos Anzeigen aufgeben und man kann kostenlos Kontakt mit einem Anbieter aufnehmen. Es ist möglich, etwas zu kaufen oder verkaufen, ohne dass man an die Plattform dafür Geld dafür bezahlen müsste.

Aber es gibt Werbeanzeigen zwischen den Kleinanzeigen und man wird bei allem beobachtet, wofür man sich interessiert. Es wird jede Anzeige gespeichert, auf die man klickt und sich näher anschaut, es wird festgehalten, wo man sich aufhält, welches Gerät man benutzt. Es wird also ein Profil angelegt. Wenn man das nicht will, dann kann man für 2 Euro im Monat ein Abo abschließen, das "Kleinanzeigen Pur" heißt.

Und dann wird man nicht mehr beobachtet?

Der Betreiber sagt im Kleingedruckten: "Die werbefreie Version von Kleinanzeigen bietet den Vorteil, dass keine Werbebanner, Pop-ups und andere Werbeformate von externen Anbietern angezeigt werden. Zusätzlich werden keine Nutzerdaten an Drittanbieter zu Werbezwecken weitergegeben (kein Werbetracking). Nutzer haben vollen Zugriff auf alle Inhalte, genau wie in der kostenfreien Version.“

Das heißt also: man zahlt einen monatlichen Betrag und kann dafür die Plattform nutzen – ohne Beobachtung, ohne Profilbildung, ohne Speichern von Nutzungsdaten. Nachteil: Wenn man mal in einem Monat nichts verkaufen oder kaufen will, zahlt man trotzdem.

Bei Websites wie Spiegel, Zeit oder Süddeutscher Zeitung ist das wahrscheinlich ähnlich, oder?

Der Deal ist auch dort: entweder Tracking, Speicherung und Nutzung der Daten für Werbezwecke oder monatliche Abo-Gebühr. Das ist sehr gut nachvollziehbar: Die Redaktionen, die Autorinnen und Autoren müssen ja von etwas leben und für ihre Arbeit bezahlt werden. Das ist so ähnlich wie die Entscheidung für die Print-Ausgabe: Wenn ich regelmäßig lesen bzw. nutzen will, muss ich Geld dafür bezahlen. Nur online habe ich eben die Wahl – direkt ein Abo oder indirekt mit meinen Daten bezahlen.

Was ist denn nun besser?

Es gibt viele Menschen, denen die Datensammelei der Anbieter schlicht egal ist, solange sie etwas scheinbar kostenlos dafür bekommen. Aber: Wenn man sich überlegt, was die einzelnen Plattformen alles über uns sammeln und wissen, dann kann einem schon mulmig werden: Alter, Geschlecht, was wir mögen, was nicht, wo wir politisch stehen und vieles mehr. Und jede Plattform sammelt und speichert weitere Mosaik-Steinchen.

In großen Datenbanken werden diese Profile zusammengeführt und ergeben ein perfektes Bild über jede und jeden von uns. Die Daten aus diesen Datenbanken können für Werbung genutzt werden. Und kaufen und nutzen kann sie im Grunde jedes Unternehmen, jede Interessengruppe, jede Partei. Und es ist klar, dass sich solche Detail-Infos auch zur gezielten Manipulation von Menschen nutzen lassen.

Autor: Michael Stein

Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Computer – Werbetracking oder Abo?

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 04.08.2026 6 Min. 8 Sek. Verfügbar bis 04.08.2027 WDR 5


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