Was sie derzeit leisten, geht an die Grenzen menschlicher Kräfte: Die Feuerwehrleute, die seit Tagen die verheerenden Brände in Hürtgenwald und im Hohen Venn bei Monschau bekämpfen, haben teilweise seit Tagen kaum geschlafen.
Einsatzleiter Michael Nellessen
Bildquelle: WDR240 Kollegen seien allein in der letzten Nacht im Einsatz gewesen, sagte Einsatzleiter Michael Nellessen von der Feuerwehr Monschau dem WDR am Montagmorgen. "Es ist einfach toll, wie viele da ihr Leben mit aufs Spiel gesetzt haben, um uns und unsere Heimat zu retten", sagte eine Bewohnerin des zwischenzeitlich evakuierten Örtchens Gey dem WDR.
Hubschrauber aus den Niederlanden bringt Löschwasser
Unterstützung bekommen die Teams im Hohen Venn von Helfern aus Schweden, den Niederlanden und aus Tschechien. Niederländische Kollegen werfen beispielsweise Wasser mit dem Hubschrauber auf die Flammen.
Richard Kraai, Hubschrauberpilot der niederländischen Feuerwehr
Bildquelle: WDRDie Zusammenarbeit funktioniere gut, trotz aller Sprachbarrieren, sagte der niederländische Hubschrauberpilot Richard Kraai dem WDR am Montagmorgen. Die meiste Arbeit leisteten die Feuerwehrleute am Boden. Vom Hubschrauber aus könne man ihnen helfen, wenn der Rauch am Boden keine Sicht mehr zulasse.
"Hier zeigt sich der wahre Geist der Europäischen Union", schreibt User Hermann Edelbart auf Facebook. "Ein Kontinent, eine Gemeinschaft. Nicht vorher zehn Tage verhandeln, ob man die Grenze zum Helfen übertreten darf."
Einsatz wird in Brüssel koordiniert
Neben zwei niederländischen und einem tschechischen Hubschrauber sind zwei Löschflugzeuge aus Schweden im Einsatz. Organisiert wird diese europaweite Hilfe in Brüssel. Dort sitzt das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen (ERCC), das nach eigenen Angaben rund um die Uhr in Bereitschaft ist.
Alle 27 EU-Mitgliedstaaten und auch Island und Norwegen haben dort hinterlegt, welche Unterstützung sie im Ernstfall leisten können. Bei Bedarf werde diese Hilfe schnell europaweit abgefragt, heißt es beim ERCC. Einsätze, bei denen sich die Staaten gegenseitige Hilfe leisten, können neben Bränden auch Erdbeben, eine Ölpest, Industrieunfälle oder Attentate sein.
"Wir sind an Eurer Seite"
"Belgien ist nicht allein", schrieb das ERCC am Sonntag auf Instagram. Auf französisch und flämisch heißt es unter dem Post noch "Wir sind an Eurer Seite".
Viele Menschen bedanken sich unter dem Post für die Hilfe. "Vielen Dank", schreibt User Martin Akaivers, "ich höre die Hubschrauber die ganze Zeit." Und Userin Helen Gavroche: "Hoffentlich werden wir für unsere Nachbarn ebenso da sein, wenn sie uns brauchen."
Risiko von Waldbränden steigt
Entstanden ist diese Zentrale, weil man auch bei der EU davon ausgeht, dass das Risiko von Waldbränden in Europa und dem Rest der Welt aufgrund des Klimawandels weiter zunehmen wird.
Löschflugzeuge der rescEU-Flotte
Bildquelle: picture alliance / Hans LucasWährend der Brände im Süden Frankreichs und in Spanien hatte die EU Ende Juli Löschflugzeuge, Hubschrauber und insgesamt 800 Feuerwehrleute aus 14 Ländern entsandt, um bei den Löscharbeiten zu helfen. Auch hier war Deutschland mit dabei. "In ganz Europa verlassen Feuerwehrleute ihre eigenen Häuser, um andere zu schützen", sagte EU-Kommissarin Hadja Lahbib im Juli.
Reichen die Hilfsangebote des ERCC in einer Katastrophensituation nicht aus, greift das Programm rescEU, an dem sich 24 EU-Staaten beteiligen - mit Löschflugzeugen, -hubschraubern und Feuerwehrleuten. Auch Deutschland beteiligt sich an diesem Programm. RescEU-Einsätze werden voll von der EU finanziert.
EU-Katastrophenschutz: Das ist die Sommerflotte 2026
- Kroatien: zwei mittelgroße Löschflugzeuge
- Zypern: sechs Leichtflugzeuge
- Tschechien: zwei Hubschrauber
- Frankreich: zwei mittelgroße Löschflugzeuge und ein Hubschrauber
- Griechenland: vier mittelgroße Löschflugzeuge
- Italien: zwei mittelgroße Löschflugzeuge
- Nordmazedonien: zwei Leichtflugzeuge
- Portugal: zwei Leichtflugzeuge
- Rumänien: ein Hubschrauber
- Slowakei: ein Hubschrauber
- Spanien: zwei mittelgroße Löschflugzeuge
- Schweden: zwei Leichtflugzeuge
Für eine eigene "rescEU-Flotte" will die EU insgesamt 12 Löschflugzeuge und fünf Hubschrauber kaufen, die fest stationiert sein sollen. Im Januar wurde der erste Hubschrauber der Flotte in Rumänien stationiert.
Unsere Quellen:
- Europäische Kommission, Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen (ERCC)
- EU-Homepage zur rescEU-Flotte
- WDR-Interviews im Hohen Venn und in Hürtgenwald
Sendung: WDR.de, Europäische Hilfe bei Waldbränden, 17.08.2026, 17 Uhr
