Waldbrände - Was bringt der Regen? | WDR aktuell
Bildquelle: WDR AachenWDR. 03:52 Min.. Verfügbar bis 17.08.2028.
Moorbrand im Hohen Venn : Warum Regen allein nicht helfen wird
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Endlich regnet es, doch das bringt nur wenig. Im Hohen Venn kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen den großen Waldbrand im Naturschutzgebiet. Ein großes Problem: Es befinden sich Glutnester tief im Boden. Das Feuer könnte dort sogar überwintern.
Noch in der Nacht, als die Löschflugzeuge längst am Boden sind, rauschen im Minutentakt Transporter mit Wassertanks durch Monschau-Kalterherberg ins Einsatzgebiet - den Feuerschein auf der nächsten Anhöhe im Blick. Feuerwehrkräfte und die vielen Landwirte, die freiwillig mithelfen, wässern Wiesen, laden große Wassertanks für die Löschfahrzeuge ständig auf. Am Montagmorgen dann endlich etwas Regen.
"Regen spielt uns in die Karten - die Lage ist immer noch brisant"
Unermüdlich bringen Feuerwehr und Freiwillige Löschwasser
Bildquelle: Reuters/ WDRWird der Regen die Flammenfront aus dem Naturschutzgebiet Hohes Venn aufhalten können? Michael Nellessen, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Monschau und Einsatzleiter, bremst die Erwartungen: "Um 5:30 Uhr hat es angefangen zu regnen, das spielt uns etwas in die Karten. Die Lage ist immer noch brisant. Der Regen konnte nicht vordringen zu den Glutnestern tief im harten, ausgetrockneten Boden."
Moorbrand im Hohen Venn: Glutnester tief im Torf
Über 3.000 Hektar zerklüftete Moor- und Heidelandschaft sind betroffen. Kein Löschfahrzeug kann dorthin. Die über Jahrtausende entstandenen Torfschichten brennen wie Zunder - stellenweise metertief und knochentrocken durch die monatelange Hitze.
Das Moor brennt teils unsichtbar im Untergrund weiter
Bildquelle: WDR"Ist nur der erste halbe Meter abgetrocknet, kann ich das Torf gut aus der Luft löschen", sagt BUND-Moorexperte Holger Sticht. "Wenn aber der Torfkörper in drei Metern Tiefe brennt, kann man das nicht sehen. Es müsste wochenlang regnen, um das zu löschen."
Regen allein reicht nicht - Feuer könnte im Boden überwintern
Das bestätigt auch Waldbrandexperte Ulrich Cimolino vom Deutschen Feuerwehrverband. "Es braucht mehrere Wochen, um das zu löschen. Bei kleineren Flächen kann man die Flächen fluten, um das Feuer zu bekämpfen, aber das ist hier unmöglich. Man kann da nur auf Regen hoffen."
Dürregeschädigte Gräser beschleunigten den Brand im Hohen Venn
Bildquelle: WDRThorsten Sprenger, Freiwilliger vom Katastrophenschutz-Verein @fire, fügt hinzu: "Das Feuer kann wirklich tief in den Boden gehen. Das ist dann kein offenes Feuer, sondern ein Schwelbrand, der langsam vor sich hin kokelt. Der kann dort sehr, sehr lange verweilen. Feuer im Boden kann sogar überwintern."
Entwässerung schwächt das Moor, Brandrisiko steigt
Glutnester tief im Boden, sogenannte "Zombie-Feuer", können auch nach Jahren noch ausbrechen. So wie im französischen Bordeaux, einem Gebiet mit viel trockenem Torfboden, wo die Feuerwehr nach den Waldbränden 2022 auch zwei Jahre danach immer wieder Feuerreste entdeckt.
Nur von Wegen und Schneisen aus kommen Fahrzeuge an die Glut
Bildquelle: WDRLaut Moorexperte Holger Sticht geraten intakte Moorgebiete nur schwer in Brand. Aber er verweist auf den schlechten Zustand des Moores im Hohen Venn. Zwar sei es auf belgischer Seite ein staatliches Naturschutzgebiet, auf deutscher Seite aber nur zum Teil. Hierzulande sei es ein Naturpark, der für den Tourismus genutzt werde - also kein richtiges Naturschutzgebiet. Hier sei die menschengemachte Entwässerung das Grundproblem.
Moore speichern bis zu sechsmal mehr Kohlenstoff als der Wald
Einst hatten die Preußen angefangen, Landschaften großflächig zu entwässern für den Holzanbau, so Sticht. Sie pflanzten Kiefern und Fichten, die es von Natur aus in NRW nicht gab. Mitte des 19. Jahrhunderts kam die systematische Trocknung von Torf für Brennstoff hinzu.
"Man muss heute die Drainagen aktiv wieder schließen, damit das Wasser in der Fläche bleiben kann", so der BUND-Moorexperte. Mit dem LIFE-Naturschutzprogramm der Europäischen Union habe man mit Projekten zur Renaturierung bislang nur sieben Prozent der Fläche im Hohen Venn wieder vernässt. Das reiche bei weitem nicht. Außerdem speicherten intakte Moore bis zu sechsmal mehr Kohlenstoff als Wald - unverzichtbar für ein gesundes Ökosystem.
Wandern im Hohen Venn: Gefahr durch Schwelbrand und Kohlenmonoxid
Wer bald wieder im Hohen Venn wandern möchte, muss aufpassen. Wenn es weiter im Boden brennt, entsteht Kohlenmonoxid, ein Nervengift. Es sammelt sich in Senken, doch man riecht es nicht. Im Boden können sich Brandschächte, sogenannte Kamine mit Glut, gebildet haben, in die man einbrechen kann - und das teils mehrere Meter in die Tiefe, warnt Waldbrandexperte Ulrich Cimolino.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen von WDR-Reportern vor Ort
- Michael Nellessen, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Monschau
- Thorsten Sprenger, Freiwilliger vom Katastrophenschutz-Verein @fire
- Holger Sticht, Moorexperte vom BUND
- Sébastien Hoornaert, Parc Naturel Hautes Fagnes, Belgien
- Ulrich Cimolino, Waldbrandexperte vom Deutschen Feuerwehrverband
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 17.08.2026, 12:45 Uhr