Ein KI-Modell attackiert selbständig ein anderes Unternehmen
Nach Hackerangriff : So groß ist die KI-Gefahr für Unternehmen in NRW
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Was bislang nach Science-Fiction klang, beschäftigt inzwischen IT-Sicherheitsexperten ganz real: Künstliche Intelligenz greift selbständig ein anderes Unternehmen an. Erste Vorfälle und die wachsende Zahl KI-gestützter Attacken zeigen, wie wichtig wirksame Schutzmaßnahmen für Unternehmen geworden sind.
Ein KI-Modell von Open AI macht sich vor knapp drei Wochen selbständig und hackt die IT-Infrastruktur eines anderen Unternehmens. “Der Fall war ein Novum in der Cyber-Sicherheitsgeschichte”, sagt Felix Kuhlenkamp, Leiter Sicherheit beim Digitalverband Bitkom.
Er glaubt, dass etwas Ähnliches auch in Zukunft “in anderen Fällen denkbar sein könnte”. KI-Modelle könnten also nicht mehr nur dabei helfen, Schadsoftware zu erstellen oder Phishing-Mails zu schreiben, sondern werden selbst zum Akteur - indem sie Schwachstellen in der IT-Infrastruktur von Unternehmen durchbrechen.
Christian Renkes leitet das Unternehmen Nica Systems in Düsseldorf, er berät Unternehmen in IT-Sicherheitsfragen. Schon jetzt erlebt er immer wieder, dass versucht wird, solche autonomen KI-Angriffe durchzuführen. Angriffe mithilfe von KI würden “alle paar Minuten” stattfinden.
Sicherheitslücken vor allem beim Mittelstand
Klingt ein wenig nach Science-Fiction, doch das Problem dahinter ist klar: Von den potenziellen Schwachstellen gibt es nach wie vor zu viele, sagt IT-Fachmann Kuhlenkamp:
“Es gibt immer noch zu viele Unternehmen in Deutschland, die auf Cyberangriffe nicht ausreichend vorbereitet sind”. Felix Kuhlenkamp, Leiter Sicherheit beim Digitalverband Bitkom
Durch KI könnten diese Schwachstellen schneller gefunden und genutzt werden: “Das senkt die Einstiegshürde für Angreifer”. Besonders groß ist der Nachholbedarf bei kleinen und mittleren Unternehmen, dem klassischen Mittelstand - ein Rückgrat der NRW-Wirtschaft.
“Größere Unternehmen sind im Moment noch besser aufgestellt”, sagt Kuhlenkamp. Dabei sei ein Mindestmaß an IT-Sicherheit eigentlich “kein Hexenwerk”. Doch dafür braucht es auch ein entsprechendes Bewusstsein bei den Unternehmen.
Gefahr wird noch nicht überall ernst genommen
Dass das nach wie vor nicht immer im nötigen Ausmaß vorhanden ist, zeigt auch eine Auswertung des Kompetenzzentrums Digital.Sicher.NRW aus dem Frühjahr. Demnach erwarten zwei Drittel der Unternehmen in NRW, dass die Gefahren durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz künftig zunehmen.
Das eigene Risiko, von Cyberkriminalität betroffen zu sein, wird von der Hälfte trotzdem als gering oder sehr gering eingeschätzt. Eine Diskrepanz, die auch Christian Renkes beobachtet: “Mittlerweile ist IT in Unternehmen zwar oft Chefsache, das Bewusstsein ist schon gestiegen”, sagt er. Und trotzdem erlebe er immer wieder, dass “Budgets klein gehalten werden oder auch nicht in die richtigen Produkte und Dienstleistungen investiert wird”.
So können sich Unternehmen schützen
Schon jetzt ist der Schaden für die Unternehmen durch Cyber-Angriffe immens. Im vergangenen Jahr lag er laut einer Studie von Bitkom bei über 200 Milliarden Euro. Sollten autonome KI-Angriffe mehr werden, könnte der Schaden weiter steigen.
Um sich vor KI-Angriffen zu schützen, sollten Unternehmen die Grundsätze der Cybersicherheit befolgen: Unter anderem konsequent auf Multifaktor-Authentifizierung setzen. Auch Backups sollten regelmäßig gemacht und überprüft werden: “Ich sollte einmal im Jahr schauen, ob meine Backups auch wirksam sind”, sagt Renkes. Und Felix Kuhlenkamp ergänzt: Bei all dem sei Schnelligkeit “das A und O”.
Mit KI gegen KI-Schwachstellen
Schnell sein wollen auch 30 Technologieunternehmen. Als Reaktion auf den Vorfall in den USA haben sie eine Allianz für mehr Sicherheit in der KI-Infrastruktur gegründet. Zu den Mitgliedern gehören verschiedene amerikanische Unternehmen, aber auch Siemens und SAP aus Deutschland.
Die Allianz will offen zugängliche KI-Modelle für die Cyberabwehr bereitstellen und gemeinsame Sicherheitsstandards entwickeln. Die Strategie dabei ist, die KI mit Hilfe von KI zu kontrollieren. Aus Sicht von IT-Experte Kuhlenkamp sei das absolut richtig: “Weil man damit auf das Tempo der Angreifer kommen und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen kann”, sagt KI-Experte Kuhlenkamp: KI müsse zwingend auch auf der Seite derer, die Angriffe abwehren wollen, eingesetzt werden.
Genau hierin liegt die Hoffnung: Dass sich KI-Modelle - auch mit Hilfe von KI - bändigen lassen - und nicht zum Schaden von Unternehmen werden: “Wenn wir KI auch zu unserem Vorteil nutzen", so Kuhlenkamp, "wird sich mittelfristig hoffentlich ein Gleichstand ergeben, eine Art Gleichgewicht der Kräfte.”
Unsere Quellen
- Interview mit Felix Kuhlenkamp von Bitkom
- Interview mit Christian Renkes von Nica Systems GmbH
- Pressemitteilung und Erhebung von Digital.Sicher.NRW
- Pressemitteilung Nvidia
- Gespräch mit der IHK Düsseldorf
- Bitkom-Studie Wirtschaftsschutz 2025
Sendung: WDR.de, "Was steckt hinter der neuen KI-Sicherheitsallianz?", 29.07.2026, 14:16 Uhr