Anschlag auf Umspannwerk
Bildquelle: dpa/ Henning KaiserAktuelle Stunde . 02.09.2026. 43 Min. 39 Sek.. UT. Verfügbar bis 02.09.2028. WDR. Von Timucin Tim Köksalan.
Was macht ein Umspannwerk?
Bevor Strom in Haushalten und Unternehmen genutzt werden kann, wird er über das Übertragungs- und Verteilnetz transportiert. Für den Transport über weite Strecken kommt die Höchstspannungsebene mit Leitungen von 380 oder 220 Kilovolt zum Einsatz.
Damit der Strom anschließend genutzt werden kann, muss die Spannung schrittweise reduziert werden. Genau diese Aufgabe übernehmen Umspannwerke.
So kommt Strom in die Haushalte
Bildquelle: WDRUmspannwerke verbinden die verschiedenen Spannungsebenen im Stromnetz miteinander. Gleichzeitig nehmen sie Strom aus erneuerbaren Energien auf und speisen ihn in das Übertragungsnetz ein. Außerdem verbinden sie wichtige Stromleitungen, Kraftwerke und regionale Verteilnetze miteinander.
Viele Umspannwerke befinden sich deshalb an zentralen Netzknoten oder in der Nähe großer Kraftwerke. Dort kann der erzeugte Strom direkt in das Übertragungsnetz eingespeist und von dort weiterverteilt werden.
Wie viele Umspannwerke gibt es?
Allein auf der Höchstspannungsebene gibt es in Deutschland nach Angaben der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber rund 300 Umspannwerke.
Wie verwundbar sind Umspannwerke?
Nach Darstellung des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, der auch das betroffene Umspannwerk in Bergheim betreibt, ist das deutsche Stromnetz darauf ausgelegt, den Ausfall einzelner wichtiger Betriebsmittel wie Leitungen oder Transformatoren zu verkraften.
Gleichzeitig verweisen Netzbetreiber darauf, dass das Stromnetz auf Ausfälle einzelner Anlagen ausgelegt ist. In einem Maßnahmenplan von Januar 2026 verweist das Unternehmen dafür auf das sogenannte N-1-Prinzip: Fällt eine Komponente im Stromnetz aus, soll die Versorgung über alternative Wege aufrechterhalten werden können. Erst wenn mehrere Anlagen gleichzeitig betroffen sind, steige das Risiko größerer Störungen oder ein Blackout.
Neben dem N-1-Prinzip verweisen Experten außerdem auf die hohe Robustheit des europäischen Verbundnetzes. Laut Albert Moser, Professor für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft an der RWTH Aachen, ist das Stromsystem so ausgelegt, dass selbst der plötzliche Ausfall von rund 3.000 Megawatt Leistung aufgefangen werden könnte, ohne dass es zu Versorgungsunterbrechungen kommt. "Das entspricht in etwa dem Stromverbrauch einer Großstadt mit drei Millionen Einwohnern", erklärt Moser gegenüber dem WDR.
RWTH Professor Albert Moser
Bildquelle: Silke Oettershagen / WDRWie geschützt ist NRW im Ernstfall?
Was aber, wenn genau dieser Fall eintritt? Wenn mehrere Angriffe gleichzeitig erfolgen oder das Stromnetz zum Beispiel durch ein Unwetter beschädigt wird?
Nach Einschätzung von WDR-Wirtschaftsexperte Ulrich Ueckerseifer spielte der Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland lange Zeit eine untergeordnete Rolle: "Kritische Infrastruktur in Deutschland ist insgesamt weitestgehend ungesichert, weil es lange keine Notwendigkeit für Sicherheit gab", so Ueckerseifer.
WDR-Wirtschaftsredakteur Ulrich Ueckerseifer
Bildquelle: WDR/Linda MeiersDie Bedrohungslage habe sich inzwischen verändert. Auch das betroffene Umspannwerk in Bergheim sei nicht ausreichend gegen gezielte Angriffe geschützt gewesen. Der Wuppertaler Energiewissenschaftler Professor Markus Zdrallek hält einen vollständigen Schutz der Strominfrastruktur dabei für kaum umsetzbar. Deutschland verfüge über rund zwei Millionen Kilometer Stromleitungen. "Umspannanlagen vollständig zu schützen, ist völlig unmöglich."
Muss man sich Sorgen um die Stromversorgung in NRW machen?
Laut Amprion war die allgemeine Stromversorgung im Fall Bergheim zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt. Zwar gingen infolge des Vorfalls mehrere Kraftwerksblöcke von RWE kurzzeitig vom Netz, die Versorgung der Verbraucher blieb jedoch gesichert.
"Man kann es den Tätern nur so schwer wie möglich machen, unsere Energie- Infrastruktur zu attackieren." Professor Markus Zdrallek im Gespräch mit dem WDR
Professor Markus Zdrallek von der Bergischen Universität Wuppertal betont gleichzeitig, dass ein Angriff nicht direkt zu einem Totalausfall führen muss. Für den Ernstfall sollte man sich aber trotzdem immer vorbereiten. Das heißt: Mindestens zehn Liter Wasser, eine Taschenlampe und ein Kurbelradio parat haben.
Unsere Quellen:
- Agentur dpa
- Amprion: Maßnahmeplan zur Versorgungssicherheit
- Netzbetreiber Amprion
- Westenergie.de Umspannwerke
- Gespräche mit Professor Markus Zdrallek von der Bergischen Universität Wuppertal und Professor Albert Moser von der RWTH Aachen
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 02.09.2026, 12:45 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 02.09.2026, 18:45 Uhr
